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Robert-Martin Montag

FDP 23.04.2021 Sitzungen 7/44

Krankhaftes Übergewicht bei Heranwachsenden – Präventi ons maßnahmen ausbauen und die Anzahl adipöser Kinder und Jugendlicher durch wirksame Maßnahmen reduzieren

Sehr verehrter Herr Präsident, meine lieben Kolleginnen und Kollegen, ein richtiges und wichtiges Thema: Adipositas ist tatsächlich ein Problem in unserer Gesellschaft, gerade Adipositas, also krankhaftes Übergewicht, bei Kindern und Jugendlichen. Wir haben schon viel gehört, was gesundheitliche Kosten anbetrifft. Ja, das kann man natürlich immer voranstellen, das ist auch so. Aber vor allem schränkt es natürlich häufig, gerade wenn es krankhaft ist, die individuellen Chancen auf Wahrnehmung der eigenen Lebensmöglichkeiten beträchtlich ein. Das ist vielschichtig, das sind nicht nur individuelle, persönliche Kosten und Benachteiligungen, sondern daraus erwächst im Grunde auch eine Verarmung an Chancen für die Gesellschaft. Für die Person selbst ist es natürlich auch eine Gefahr. Diabetes ist eben ein Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und auch manche Krebsarten. Es wurde, glaube ich, schon gesagt, dass die Anzahl an Diabetes-Patienten ungefähr seit dem Jahr 2000 um 40 Prozent gestiegen ist. Das hat nicht alles etwas mit Adipositas zu tun, weil die Bevölkerung deutlich älter geworden ist und Adipositas auch ein Stück weit eine Alterskrankheit ist, aber es erkranken eben jährlich eine ganze Menge weiterer Menschen daran. Es war jetzt aber die Frage, wie man sich tatsächlich dem Problem widmet. Das kann man machen, indem man das Fleisch in Kantinen oder zuckerhaltige Angebote in Schulen verbietet. Wir Liberale gehen da einen etwas anderen Weg. Wir halten nach wie vor den Menschen für ein vernunftbegabtes Wesen. Das heißt, für uns ist am Ende die Gesundheitskompetenz das Entscheidende, was zu stärken ist. (Beifall FDP) Denn mit einer hohen Gesundheitskompetenz in der Bevölkerung werden staatliche Lenkungseingriffe – so gut gemeint sie auch immer sein mögen – aus unserer Sicht unnötig. Warum ist es so? Nur gute Präventionsarbeit hilft, die individuelle Krankheitslast zu minimieren. Der Einzelne profitiert – bessere Lebenschancen, weniger Einschränkungen –, die Sozialversicherung auch, der Beitragszahler durch vermiedene Kosten natürlich auch. Jetzt gucken wir uns einfach mal an, wie es denn um die sogenannte Gesundheitskompetenz in Deutschland bestellt ist. Da sollten die Alarmglocken genauso schrillen, wie wenn es um den Anstieg von Diabetes geht. Die Gesundheitskompetenz ist nämlich sinkend. Was bedeutet das oder wann spricht man von Gesundheitskompetenz? Es ist das Verstehen, das Auffinden, das Anwenden von Gesundheitsinformationen und die Teilhabe an Gestaltungs- sowie Entscheidungsmöglichkeiten in Gesundheitsfragen. Das ist sozusagen die Frage danach, ob es mir eigentlich guttut, was ich gerade tue. Das heißt, ich kenne die Konsequenzen meines eigenen Handelns. Es gibt genügend Untersuchungen – letztens erst eine Studie der Universität Bielefeld, meine ich, aus dem Jahr 2020, zumindest die Datenerhebung im Jahr 2020 –, wonach die Gesundheitskompetenz immer weiter absinkt und mittlerweile über 65 oder 66 Prozent der Bürgerinnen und Bürger ihre Gesundheitskompetenz selbst eher als schlecht einschätzen. Und das ist auch so. Das heißt, mit einer guten Gesundheitskompetenz steigt natürlich das Wissen – habe ich schon angedeutet – über die Auswirkungen einer richtigen bzw. falschen Ernährung. Aus unserer Sicht bleibt es dabei: Die Verpflichtung einer Regierung ist es nicht, Menschen zu erziehen und Produkte zu verbieten, sondern die Menschen letzten Endes dazu zu befähigen, sich ihres eigenen Verstands zu bedienen und für sich selbst zu entscheiden, was gut und richtig für sie ist. Das ist die Übernahme von Eigenverantwortung bei der Gesundheit. (Beifall FDP) Wenn Sie dazu ein Stück weit mehr wissen wollen, ein bisschen detailliertere Ausführungen und noch deutlich mehr Maßnahmen, als das hier der Fall ist, verweise ich gern auf unseren Antrag 7/3067, der frisch eingereicht ist. Letzten Endes kann ich jetzt schon ein Fazit dafür ziehen: Wir wollen Menschen die Fähigkeiten verschaffen, selbstbestimmt, eigenverantwortlich Entscheidungen über ihre Gesundheit zu treffen und das am besten schon bei Kindern und Jugendlichen. Vielen Dank. (Beifall FDP)

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