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Dr. Wolfgang Lauerwald

AfD 23.04.2021 Sitzungen 7/44

Krankhaftes Übergewicht bei Heranwachsenden – Präventi ons maßnahmen ausbauen und die Anzahl adipöser Kinder und Jugendlicher durch wirksame Maßnahmen reduzieren

Sehr geehrter Herr Präsident, werte Kollegen Abgeordnete und Zuhörer am Livestream, der Lockdown und der damit verbundene Bewegungsmangel haben gravierende Folgen für die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. Zu dieser Einschätzung kommt die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin. Ein Sprecher sagte der „Welt am Sonntag“, fast jedes zehnte Kind unter 14 Jahren, das bisher normalgewichtig gewesen sei, habe im vergangenen Jahr Übergewicht entwickelt. Davon seien besonders Kinder aus sozial benachteiligten Familien betroffen. Nach Angaben der Aachener Uniklinik nimmt auch die Zahl der Essstörungen zu. Allein im vergangenen Quartal sei die Zahl der Magersüchtigen um 25 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum gestiegen. Zudem wirken sich das fehlende Sportangebot und die mangelnde Tagesstruktur auf die seelische Gesundheit der Heranwachsenden aus. Das sind brandaktuelle Nachrichten aus der Forschung zu den katastrophalen Folgen, welche die Regierungspolitik den Schwächsten unserer Gesellschaft nun schon seit Monaten zumutet. (Beifall AfD) Ein Ende dieser Schädigungen, welche bewusst in Kauf genommen werden, ist nicht absehbar. 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland haben Überwicht. Bei rund einem Drittel von ihnen ist es so ausgeprägt, dass man von Adipositas spricht. Die Zahl der Betroffenen steigt dabei immer weiter an. Der Anteil übergewichtiger Kinder und Jugendlicher hat sich gegenüber den 1980er- und 1990er-Jahren um 50 Prozent erhöht. Übergewicht kann bereits bei Kindern zu Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen oder Diabetes mellitus führen und leistet zahlreichen Spätfolgen im Erwachsenenalter Vorschub. Jungen und Mädchen aus sozial benachteiligten Familien sind dreimal so häufig adipös wie Kinder und Jugendliche mit höherem Sozialstatus. Das höchste Risiko für Übergewicht haben Kinder, deren Eltern bereits übergewichtig sind. Kinder und Jugendliche haben ein hohes Risiko, dass ihre Adipositas im Lebensverlauf bestehen bleibt, vor allem ab dem Grundschulalter und darüber hinaus und somit kein vorübergehendes Phänomen ist. Umso wichtiger ist es daher, dass mit dem Ausbau von Ganztagsschulen und Kindertagesstätten auch verstärkt gesundheitsfördernde Konzepte umgesetzt werden. Dazu gehören vor allem täglich gesunde Mahlzeiten und ausreichende Bewegungsräume und -zeiten. Junge Familien mit besonderem Unterstützungsbedarf bedürfen der Beratung und konkreter Hilfe zu den Themen „Schwangerschaft“, „Stillen“, „Ernährung“, „Bewegung“ und „Stressregulation“ sowie der Vermittlung von konkreten Angeboten in der näheren Umgebung. Adipositas ist eine chronische Krankheit, die auch in Deutschland ein zentrales und häufig vorkommendes Gesundheitsproblem darstellt. Sie kann zu schwerwiegenden Begleit- und Folgeerkrankungen führen, ist häufig mit einer Einschränkung der Lebensqualität und Verkürzung der Lebenszeit verbunden, und oftmals nicht zuletzt mit einem höheren Risiko für Mobbing. Was sind die Auswirkungen auf die Gesellschaft? Menschen mit schwerem Übergewicht belasten die deutsche Volkswirtschaft erheblich. Die Kosten der Adipositas setzen sich aus direkten und indirekten Kosten zusammen. Die direkten Kosten umfassen die Kosten der Adipositas-Therapie unter Behandlung der assoziierten Komorbiditäten. Unter den indirekten Kosten werden die Kosten verstanden, die beispielsweise durch den Verlust von Lebensqualität, Produktivitätsverlust, durch krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit oder durch vorzeitige Verrentung hervorgerufen werden. Aus der Krankheitskostenstudie von Knoll und Hauner ergeben sich für das Bezugsjahr 2003 direkte Behandlungskosten für Adipositas in Höhe von 85,71 Millionen Euro, für assoziierte Komorbiditäten 11,3 Milliarden Euro. Die indirekten Kosten betragen 1,4 bis 1,6 Milliarden Euro, auf die nationale Produktivität bezogen bedeutet das einen Verlust von ca. 500.000 Erwerbsjahren im Jahr. Für das deutsche Gesundheitssystem bedeutet das für das Jahr 2003 eine Gesamtkostenbelastung von mindestens 13 Milliarden Euro. Die Zahl der Betroffenen mit Adipositas und auch die damit verbundenen Kosten sind seitdem weiter gestiegen. Schätzungen zufolge beläuft sich die Gesamtkostenbelastung für das deutsche Gesundheitssystem im Jahr 2020 auf mindestens 25,7 Milliarden Euro. Das heißt also, in weniger als 20 Jahren sind die Kosten um das Doppelte explodiert – Tendenz steigend. Wir müssen handeln. Ich freue mich auf den sachlichen Austausch. Vielen Dank. (Beifall AfD)

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