thueringer-landtag.de ↗

Hoffmann

AfD 12.03.2021 Sitzungen 7/39

Schutz von Rehkitzen, Junghasen und anderen Tieren bei der Grasmahd in Thüringen

Frau Präsidentin, Kolleginnen und Kollegen, liebe Zuschauer am Livestream! Zunächst zum Herrn Bergner, er hat sich auf die alte Fassung bezogen, das haben wir inzwischen geändert. Nur zur Kenntnisnahme. Und dann, Frau Maurer: Ich finde es ganz enorm, mit welchen Ausflüchten Die Linke hier sagt, sie will nicht zustimmen. Wenn Ihnen das Thema so wichtig ist, hätten Sie ja selbst einen Antrag zu diesem Thema machen können. (Beifall AfD) Mein Kollege Dr. Lauerwald und ich haben seit letztem Jahr an diesen Kitz-Rettungsverein in Gera gespendet. Ich setze mich bei mir im ländlichen Raum auch dafür ein. Also Sie brauchen mich jetzt nicht belehren! Und Frau Klöckner hat das schon Ende letzten Jahres angekündigt, dass es diese Förderrichtlinie jetzt gibt, nur kommt man mit 3 Millionen Euro bundesweit auch nicht besonders weit. (Beifall AfD) Die Vermeidung von Schmerz bei Tieren, das Verbot der Schädigung und der Schutz wildlebender Arten sind im Bundesnaturschutzgesetz, im Tierschutzgesetz und im Thüringer Naturschutzrecht festgeschrieben. Es greifen beim Thema „Mahd und Wildtiere“ auch das Bundesjagdgesetz, welches das Recht auf Jagd mit der Pflicht zur Hege verknüpft, und das Thüringer Jagdgesetz, das Maßnahmen zur Erhaltung und Verbesserung der Lebensgrundlagen des Wildes vorsieht. Die Hege von Wildtieren umfasst dabei nicht nur Gebote und Maßnahmen, sie entspricht auch dem Selbstverständnis der Jäger. Sie müssen unterstützt werden. (Beifall AfD) Zum effizienten Schutz der Wildtiere braucht es die technische Methode der Drohne mit Wärmebildkamera. Sie ist zeitsparend und ein effektives Mittel gegen den Sterbefaktor „Mähen“. Auf diese Weise ist dem Tierschutz, dem Landwirt und natürlich auch der Hegepflicht des Jägers gedient. Die Deutsche Wildtier Stiftung geht von mindestens 90.000 durch Mähtod getöteten Rehkitzen jährlich aus und hat unter dem Titel „Stoppt den Mähtod!“ eine Broschüre zum Thema veröffentlicht. Nicht nur durch solche Publikationen werden Rettungsteams organisiert, die Einsätze auf einer Karte angezeigt und Kontakte zur gemeinsamen Rettung geknüpft. Immer mehr Freiwillige setzen sich auf diese Weise für den Tierschutz ein, kooperieren mit Jagdberechtigten und Landwirten. Wie schon ausgeführt, ist es für Landwirte enorm wichtig, kein durch Tierkadaver vergiftetes Futtermittel zu verwenden. Ist das Toxin des Bakteriums Clostridium botulinum, eines der stärksten natürlich vorkommenden Gifte, erst einmal in den Organismus des Nutztiers gelangt, stehen die Therapiechancen schlecht. In jedem Fall führt Botulismus zu Tierleid und wirtschaftlichen Schäden des Nutztierhalters. Bisher haben neben den Jägern und Bauern also vor allem Ehrenamtliche und spezielle Vereine diesen Dienst geleistet, auch in Thüringen, so in Gera, Weimar, Eichsfeld und im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt. Einige haben sich über das Internet vernetzt und bieten dort ihre Hilfe an. So wurden in mehreren Bundesländern viele Tiere mittels Bambicopter vor dem Tod gerettet. Von den vielen Veröffentlichungen zum Thema möchte ich den Bericht vom 9. Juli 2020 in der „Thüringer Allgemeine“ mit Titel „Hochsaison für Rehkitzretter“ erwähnen. Er stellt einen Verein vor, der sich der Rettung von Tieren vor der Mahd angenommen hat und Wärmebilddrohnen nutzt. Die Mitglieder nehmen sich dafür Urlaub, sie spenden ihre Freizeit und Geld für das Retten der Tiere und hoffen auf Hilfe durch die Politik. (Beifall AfD) Sie konnten bei bis dahin 19 Einsätzen 33 Rehkitze retten, aber auch Junghasen und adulte Tiere sowie Dachse und Füchse – eine großartige Hilfe, die sie für jedes Tier einsetzen, denn jedes Tier ist wichtig. Ich zitiere aus der Kleinen Anfrage „Situation und Bestandsentwicklung der Feldhasen und Rebhühner in Thüringen“ in Drucksache 7/959: „Danach hat sich die Strecke des Feldhasen in den letzten zehn Jahren in etwa halbiert. Die Strecke des Rebhuhns ist in den letzten zehn Jahren auf einem gleichbleibend niedrigem Niveau und hängt sehr stark von der Frühjahrswitterung ab.“ Aber nicht nur Vereine haben sich inzwischen dieser guten Sache angenommen, auch Hochschulen wie die Universität für Bodenkultur in Wien haben Abschlussarbeiten im Rahmen des Lehrgangs Jagdwirt vorgestellt. In einer solchen Arbeit namens „Einsatz neuer Technologien in der Jagd am Beispiel Kitzrettung mittels Drohne mit Wärmebildkamera“ von Dirk Sachon wurde die Effektivität der einzelnen Maßnahmen gegen den Mähtod untersucht. Dabei wurde herausgestellt, dass die Effizienzrate und die Rettungsrate höher als bei anderen Methoden sind, insbesondere bezogen auf die Suchgeschwindigkeit, was für zukünftiges Wildmonitoring und der verlangten Digitalisierung in der Landwirtschaft eine Rolle spielen dürfte. Das Thüringer Landesamt für Landwirtschaft und Ländlichen Raum – TLLLR – führte 2013 unter dem Titel „Entwicklung eines neuen Verfahrens zur Qualitätssicherung bei der Silagebereitung durch Reduzierung des technologisch bedingten Kadavereintrages“ das Projekt „WildFinder“ durch. In Zusammenarbeit mit Agrarunternehmen wurde das Auffinden mittels Drohne erprobt und alle Zielstellungen wurden erfüllt. In Thüringen fanden zudem Studien zum Einsatz von Robotik und Drohnen an Forschungszentren, Hochschulen und Fachhochschulen für den Bereich Land- und Forstwirtschaft statt, unter anderem in Gotha, Jena, Erfurt und Ilmenau. Der Einsatz von unbemannten Fluggeräten wird laut Landesregierung als praxisreife Technologie angesehen. Es dient bereits der Wildzählung, der Kartierung und Pflegemaßnahmen. Das Schwarzwild-Kompetenzzentrum testete im Rahmen der Bekämpfung der afrikanischen Schweinepest den Einsatz von Drohnen mit Wärmebildkamera. Die Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft hat Erfahrungen mit Multicoptern im Rahmen des Projekts „Wildmanager“ in den Jahren 2016 und 2017 gesammelt. Wir beantragen deshalb, dass das Land Thüringen den Erwerb entsprechender Technik unterstützt, und fordern, zusätzlich zu den bereits bestehenden Fördermöglichkeiten auf Landesebene für die Anschaffung von Drohnen mit Wärmebildkameras für Jäger zum besseren Schutz von Wildtieren bei der Wiesenmahd im Haushalt 2022 mindestens 200.000 Euro bereitzustellen, zusätzlich zu den bereits bestehenden Fördermöglichkeiten den Erwerb des sogenannten Drohnenführerscheins für Jäger zu fördern und sich auf Bundesebene dafür einzusetzen, dass weitere Finanzmittel zur Verhinderung von Tötung von Tieren bereitgestellt werden, (Beifall AfD) sodass zum Beispiel über die Thüringer Richtlinie zur Förderung des Jagdwesens aus der Jagdabgabe die Anschaffung von Drohnen für Jagdberechtigte gefördert werden könnte, es Jagdgenossenschaften sowie Jägern möglich ist, sich Drohnen anzuschaffen, und die vom Bund beschlossene Förderung des Schutzes von Wildtieren durch Drohnen auch auf Landesebene ausgebaut wird durch Schaffung eines Haushaltspostens oder Nutzung des Titels 538 96 des EP 10. Der Erwerb einer solchen Drohne liegt bei 5.000 bis 15.000 Euro, geht man von der Technik erfahrener Rettungsteams aus, inklusive Kamera und Funk, plus Akkuverbrauchskosten. Zuzüglich der Aufwendungen für den großen Drohnenführerschein – der kleine ist noch kostenfrei – ist finanzielle Unterstützung der Jäger dringend geboten. Wie ich bereits sagte, liegt in Thüringen die Besatzdichte des Feldhasen, beobachtet an der Zuwachsrate vom Frühjahr zum Herbst, weit unter dem bundesweiten Durchschnitt. Für das Rebhuhn sieht es auch ungünstig aus, und entgegen mancher Meinung sind Rehe keine Schädlinge. Es zählt jedes gerettete Tier, ob nun Rehkitz, Feldhase, Feldlerche, Kiebitz oder Bekassine. (Beifall AfD) Die Unterstützung durch das Land Thüringen ist nötig, damit Jäger, Tierschützer, Landwirte auf diese Weise ihren Beitrag leisten können. Gerade als Land mit ausgeprägter artenreicher Natur besteht für Thüringen eine besondere Verantwortung. Tierschutz ist als Staatsziel verankert. Vermeidung von Tierleid ist darüber hinaus ein moralisches Gebot. Tierschutz durch den Einsatz hocheffektiver Technik sollte deshalb in Thüringen einen größeren Raum einnehmen. Ich zitiere aus der Antwort der Landesregierung auf meine Kleine Anfrage 7/979: „Die Vorteile von Drohnen sind: schnelle Detektion [...], hohe Präzision der Methode [...], hohe Flächenleistung“ und „gering invasiver Eingriff der Technik“. Meine Damen und Herren Abgeordneten, ich hätte mich gefreut, wenn bei diesem Thema fraktionsübergreifende Einigkeit bestünde im Sinne des Natur- und Tierschutzes, Unterstützung der Landwirte und Jäger. (Beifall AfD) Wir beantragen die Überweisung an den Ausschuss für Infrastruktur, Landwirtschaft und Forsten federführend und mitberatend an den Haushaltsund Finanzausschuss und an den Ausschuss für Umwelt, Energie und Naturschutz. Vielen Dank für die Aufmerksamkeit. (Beifall AfD)

Protokoll ↗