Dirk Bergner
Schutz von Rehkitzen, Junghasen und anderen Tieren bei der Grasmahd in Thüringen
Vielen Dank, Frau Präsidentin. Meine sehr verehrten Damen und Herren, beschäftigen wir uns also nun mit dem Thema „Wildrettung“. Der Titel des Antrags der AfD „Schutz von Rehkitzen, Junghasen und anderen Tieren bei der Grasmahd in Thüringen“ klingt erst mal toll, da kann man ja grundsätzlich kaum was dagegen haben, nicht wahr? Aber es ist ja so: Rehkitze und Junghasen sind verletzliche Kreaturen und müssen geschützt werden. Und Sie haben recht, jedes Jahr werden etwa 100.000 Jungtiere bei der Grasmahd von Landmaschinen getötet oder verletzt. Es ist der Instinkt der Jungtiere, sich bei Gefahr still zu verhalten, sich zu ducken und bewegungslos zu verharren, eine Strategie, die gegen ihre Fressfeinde wirkungsvoll ist, gegen ein modernes Hochleistungsscheibenmähwerk mit Schnittbreiten über 10 Metern eben leider nicht. Wie kann man nun diesem Problem begegnen? Das Absuchen der zu mähenden Flächen zu Fuß oder mittels Hunden ist in einer Zeit, in der die Flächen immer größer werden, personell, aber auch zeitlich nicht zu leisten. Die Ausrüstung der Landmaschinen selbst mit Sensoren, Detektoren und Wärmebildkameras lieferte in Feldversuchen keine befriedigenden Ergebnisse. Auch unterbindet es ein flüssiges und unterbrechungsfreies Arbeiten auf dem Feld. Vielversprechender ist das Projekt „Wildretter“. Die Projektpartner, die sich hier zusammengefunden haben, sind unter anderem der Landmaschinenhersteller CLAAS, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt, die Technische Universität München sowie der Bayerische Jagdverband. Gefördert vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft ist das Ziel, eine drohnenbasierte Ortung von Rehkitzen zu ermöglichen. Dadurch können die Tiere vor der Mahd aufgespürt und umgesetzt werden, um Verluste zu vermeiden. Das ist im eigenen Interesse der Bauern und der Jägerschaft. So kann das Unterlassen von Maßnahmen zur Wildrettung erstens strafrechtliche Konsequenzen nach dem Tierschutzrecht für den Landwirt haben und zweitens wirkt sich auch das – so im Fachjargon genannte – „Einarbeiten von Tieren in den Grünschnitt“ negativ auf dessen Qualität aus. Doch kommen wir zu Ihren konkreten Forderungen. Sie möchten das Thüringer Landesamt für Landwirtschaft und Ländlichen Raum mit Drohnen ausstatten. Diese sollen dann den Kreisjägern und Kreisbauernschaften zur Verfügung gestellt werden, um damit vor der Mahd gezielt nach Rehkitzen, Junghasen und anderen Tieren zu suchen. Vergessen haben Sie den Punkt der Ausbildung und Schulung, handelt es sich doch dabei nicht um Spielzeuge oder günstige Gerätschaften, sondern vielmehr um hochpreisige Spezialtechnik. Auch wird von Ihnen nicht erwähnt – wie üblich bei den Anträgen der AfD –, mit welchen Kosten durch die Beschaffung und für den Unterhalt zu rechnen ist. Laut „agrarheute“ kostet eine gute Drohne zwischen 15.000 und 20.000 Euro, eine zugehörige Wärmebildkamera 7.000 Euro bis 10.000 Euro. Das rechnet sich nur, wenn man die Drohne als Grundgerät analog zur Landmaschine sieht und sie mit verschiedenen Aufgaben über das ganze Jahr auslastet. Die Wildrettung ist für viele Menschen ein hoch emotionales Thema. Trotzdem wäre es gut und sinnvoll, sich über die Auswirkungen und die Praktikabilität noch einmal in der Tiefe zu unterhalten. Beispielsweise ist das Anmähen von Flächen mit anschließender Ruhephase über Nacht eine günstige und in der Praxis bereits erprobte Lösung. Durch diese Maßnahme fühlen sich die Muttertiere durch die Veränderungen auf der Wiese gestört und führen ihre Jungen in Sicherheit. Auch sprechen Sie, verehrte Kollegen der AfD, in den Plenardebatten immer wieder von der Förderung und der Stärkung des Ehrenamts. In Thüringen gibt es bereits Initiativen und Vereine, die sich die Rettung von Wildtieren zur Aufgabe gemacht haben. Diese zu unterstützen, steht aber offensichtlich nicht auf Ihrer Agenda. Ihr Antrag ist auch nach neun Monaten und trotz Neufassung in unseren Augen nicht ausgereift, nennt keine Kosten, benennt keine Details zur Ausbildung und Ausrüstung. Wir lehnen daher diesen Antrag ab und werden auch einer Überweisung an den Ausschuss nicht zustimmen. Herzlichen Dank, meine Damen und Herren.
(Beifall SPD, FDP)
