Hoffmann
Schutz von Rehkitzen, Junghasen und anderen Tieren bei der Grasmahd in Thüringen
Sehr geehrte Frau Präsidentin, werte Kolleginnen und Kollegen Abgeordnete, liebe Zuschauer am Livestream, jedes ahr sterben Tausende Rehkitze, J Junghasen und Bodenbrüter bei der Grasmahd. Die Tiere werden verstümmelt und getötet, die Gelege der Wiesenbrüter wie Rebhuhn, Feldlerche und Kiebitz werden zerstört. Das Absetzen der Kitze fällt mit den ersten Grünlandschnitten zusammen. Den Rehkitzen wird dabei das natürliche Schutzverhalten zum Verhängnis: Sie drücken sich an den Boden, statt zu flüchten; ihre Kinderstube wird zur Todesfalle. Die Nester der Wiesenbrüter sind wie beim Kiebitz farblich getarnt, was die Auffindung erschwert. Jedes getötete Tier und jedes zerstörte Gelege ist eines zu viel und gefährdet auf Dauer das Überleben der Art.
(Beifall AfD)
So liegt die Besatzdichte des Feldhasen in Thüringen deutlich unter Bundesdurchschnitt, wie eine Kleine Anfrage unserer Fraktion ergeben hat. Ich zitiere aus der Antwort der Landesregierung auf diese Kleine Anfrage mit der Nummer 7/495 in Drucksache 7/959: „In Thüringen liegt die Zuwachsrate im Jahr 2019 bei 6,3 [im Frühjahr] bzw. 7,1 [im Herbst]. Damit liegen die Werte für Thüringen deutlich unter den Durchschnittswerten für Deutschland von 12,4 [im Frühjahr] bzw. 13,3 [im Herbst].“ Der Kiebitz, ein Bodenbrüter, ist nach jüngsten Pressemeldungen in Deutschland vom Aussterben bedroht. Hier besteht dringend Handlungsbedarf. Keiner kann wollen, dass Tiere auf diese Weise verletzt oder getötet bzw. vermäht werden. Den Bauern ist auch deshalb an der Wildtierrettung gelegen, weil das durch die verletzten oder toten Tiere eingetragene Botulinumtoxin eine Gefahr ist. Wird die vergiftete Ernte an Nutztiere verfüttert, verenden diese. Sie versterben meist innerhalb weniger Tage durch typische Lähmungserscheinungen, dem sogenannten Botulismus. Die Hegepflicht, welche Maßnahmen gegen Mähtod erfordert, obliegt dabei dem Jagdausübungsberechtigten. In Verantwortung stehen aber auch Grundstückseigentümer und Landwirtschafter. Darum werden die Wiesen durch Jäger, Landwirte und Freiwillige vor der Mahd beobachtet und abgegangen, zum Teil mit Vorstehhunden, es werden Scheuchen aufgestellt und es finden Abschreckungen über Geräusche und Geruchseinflüsse statt. Das ist nicht unbedingt vielversprechend, weil eine erfolgreiche Suche von Fläche und Zeit abhängig ist. Es ist die Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Manche Tiere lassen sich dauerhaft verscheuchen, andere nicht. Manche kommen an ihre Ablegeplätze zurück, andere nicht. Und die in den ersten Lebenswochen ohne eigenen Körpergeruch ausgestatteten Kitze werden durch Hunde kaum direkt gewittert. Zudem sind die Tiere und Nester so gut an ihre Umgebung angepasst, dass sie durch die Helfer nicht alle gesehen werden können. Die traditionellen Vergrämungsmaßnahmen und das Absuchen sind zeitaufwendige Methoden mit mittelmäßigem Erfolg. Wer glaubt, die Landwirte könnten die Tiere und Gelege von den Fahrzeugen aus sehen, der irrt. Die Maschinen fahren mit über 10 Meter breiten Mähwerkzeugen und einer Geschwindigkeit von 15 km die Stunde oder mehr. Die Tiere haben keine Chance. Hilfe ist geboten.
(Beifall AfD)
Denn der Mähtod geschieht trotz Vergrämung, trotz aufwendiger Absuchaktionen, trotz Sensoren und trotz Verzicht von Aufbereitern an den Erntefahrzeugen, wie Studien zeigen. Die Jäger und unsere Bauern müssen hier unterstützt und die Jungtiere und Gelege müssen geschützt werden, damit der Artenbestand in den Grünlandlebensräumen erhalten bleibt.
(Beifall AfD)
Dem Jäger, der Landwirtschaft, die zwischen Verpflichtung und Subvention gefangen ist, und dem Artenbestand müssen durch zusätzliche Maßnahmen geholfen werden. Eine solche sich inzwischen vielfach bewährte Methode gegen den Mähtod ist die Wildtierrettung durch Drohnen. Die an einen Multicopter angebrachte Wärmebildkamera lokalisiert Wärmequellen, sogenannte Thermoflecken. Bis zu 40 Hektar können auf diese Weise pro Tag abgeflogen werden. Die Drohne sucht die Mahdfläche nach Wärmeunterschieden ab und meldet sie. Der Helfer wird dann zu der Stelle geführt und kann das Jungtier oder Gelege retten. Ich zitiere aus der Antwort der Landesregierung auf meine Kleine Anfrage „Schutz von Jungtieren und Bodenbrütern vor der Mahd“ mit der Nummer 7/979 in Drucksache 7/1705: „Der Einsatz von Drohnen mit Wärmebildkamera zur Wildtierrettung stellt eine sinnvolle Ergänzung bzw. Alternative zu traditionellen Methoden dar.“ In unserem Antrag „Schutz von Rehkitzen, Junghasen und anderen Tieren bei der Grasmahd in Thüringen“, Drucksache 7/941 – Neufassung –, Neufassung aufgrund der neuen Drohnenverordnung der EU, fordern wir deshalb die Unterstützung der Jäger bei der Anschaffung von Wärmebilddrohnen, dadurch weiterführend die Unterstützung für Landwirte und freiwillige Helfer durch das Land Thüringen. Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.
(Beifall AfD)
