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Denny Jankowski

AfD 12.03.2021 Sitzungen 7/39

Ursachen für fehlende Rechtschreibkompetenzen erkennen – Schul- und Unterrichtsentwicklung in der Primarstufe nachhaltig stärken

Sehr geehrter Herr Präsident, werte Kollegen Abgeordnete, sehr geehrte Zuschauer im Livestream! Lieber Herr Wolf, Sie hatten es zu Recht befürchtet, nach Ihnen bin ich an der Reihe. Der Schriftspracherwerb hat eine besondere Bedeutung in unserem Schulsystem und vor allem liegt darin auch eine besondere Verantwortung den Kindern gegenüber. Dieses Thema ist natürlich untrennbar mit der Frage verbunden, welche Lehrmethode wir in Thüringen für das Erlernen dieser wichtigen Kulturtechnik einsetzen. Deswegen kann ich Ihnen hier auch keine Methodendiskussion ersparen, Frau Rothe-Beinlich. Meine Fraktion brachte bereits in das März-Plenum im letzten Jahr einen Antrag ein, der sich mit der Lehrmethode „Lesen durch Schreiben“ kritisch auseinandersetzte. Diese Lehrmethode ist schon lange Zeit wissenschaftlich höchst umstritten. Bei dem hier vorliegenden Antrag wird aber gleich zu Beginn versucht den Ergebniskorridor einzuengen, indem man den Landtag feststellen lässt, ich zitiere: „[…] dass das hohe Gut der eigenen pädagogischen Verantwortung und die Methodenfreiheit an den Thüringer Schulen durch alle politischen […] Akteure und die Zivilgesellschaft zu wahren ist“. Die Antragsteller können natürlich der Meinung sein, dass die Methodenfreiheit über allem steht und die erzielten Ergebnisse damit zweitrangig sind. Und natürlich kann das der Landtag auch feststellen. Nur ist es etwas völlig anderes, diese Feststellung auch auf die Zivilgesellschaft ausdehnen zu wollen und quasi einen Maulkorb zu erlassen. Was in der Zivilgesellschaft diskutiert wird, welche Lehrmethoden dort hinterfragt oder kritisch betrachtet werden, das haben wir definitiv nicht zu entscheiden, auch wenn Sie es vielleicht anders haben wollten. Und um ehrlich zu sein, ist die von Ihnen geforderte Feststellung in meinen Augen auch etwas scheinheilig. Denn in einer Analyse zum IQB-Bericht stellt das Ministerium bereits 2017 fest, dass die kontrovers geführten Debatten in der Gesellschaft leider dazu führen würden, dass die Schulen sich auf altbewährte Methoden zurückzögen und hier gegenzusteuern sei, mit anderen Worten, dass die von Rot-Rot-Grün vielbeschworene pädagogische Freiheit nur dann schützenswert ist, wenn sie ihren Vorstellungen entspricht. Wenn der Lehrer aber entscheidet, verstärkt altbewährte Methoden anwenden zu wollen, dann müsse nach Meinung von RotRot-Grün durch Beratung und Fachaufsicht da gegengesteuert werden. Ungeachtet dieser in meinen Augen unehrlichen Herangehensweise: Ja, der pädagogische Freiraum für Lehrer bei der Wahl ihrer Lehrmethoden ist ein wichtiges Gut. Aber auch hier müssen Grenzen gesetzt werden. Und vor allem müssen Grenzen gesetzt werden, wenn damit die Erreichung von Lernzielen gefährdet wird oder sogar die Beeinträchtigung der Qualität des Bildungs- und Leistungsniveaus insgesamt. Die Antragsteller wollen den Landtag weiter feststellen lassen, dass es keine wissenschaftlichen Erkenntnisse gibt über den Zusammenhang zwischen den angewendeten Lehrmethoden und der Erreichung von Leistungen der Schüler hier in Thüringen. Mag sein, dass es keine Studie speziell für Thüringen gibt, da gebe ich Ihnen recht. Aber sehr wohl gibt es ausreichend Studien, die den Nachteil der Lehrmethode „Lesen durch Schreiben“ belegen, und zwar aus Bundesländern, in denen solche Methoden schon länger und viel früher eingesetzt wurden. Wir haben die Meta-Studie von Prof. Reinold Funke von der Pädagogischen Hochschule Heidelberg, die schon 2014 triftige Hinweise geliefert hat. Das eindeutige Fazit der Studie ist, dass Kinder mit Migrationshintergrund oder auch mit starkem Dialekt massive Nachteile mit dieser Lernmethode erleiden würden. Wir haben aber allen voran die Studie der Universität Bonn aus dem Jahr 2018. Im Rahmen dieser Studie wurden die Rechtschreibleistungen von 3.000 Grundschulkindern in Nordrhein-Westfalen zwischen 2013 und 2017 untersucht. Dabei wurde eine Längsschnittstudie an 300 Schülern durchgeführt und – um das Ergebnis abzusichern – eine Querschnittstudie an 2.800 Kindern. Also was möchten Sie denn noch haben an Erkenntnissen? (Beifall AfD) Zusammengefasst kommt die Studie zum Ergebnis der eindeutigen Überlegenheit des Fibel-Ansatzes gegenüber der Schreibmethode „Lesen durch Schreiben“. So waren bei der Fibel-Methode die Rechtschreibleistungen in jeder Klassenstufe signifikant besser. Am Ende des vierten Schuljahrs machten Lesen-durch-Schreiben-Kinder sogar 55 Prozent mehr Fehler als die Vergleichsgruppe mit dem Fibel-Ansatz. Und es mag sein, dass sich die Bevölkerungszusammensetzung in NordrheinWestfalen von der in Thüringen leicht unterscheidet, besonders wahrscheinlich im Hinblick auf den Migrationsanteil. Das Lernverhalten der Kinder in Nordrhein-Westfalen wie in Thüringen ist aber vergleichbar und bei der Eindeutigkeit der erzielten Ergebnisse besteht kein Zweifel der Untauglichkeit der Lehrmethode „Lesen durch Schreiben“. Die Studien stellen auch ganz klar heraus, dass auch Kinder aus sozial schwächeren oder bildungsfernen Bevölkerungsgruppen deutliche Nachteile durch „Lesen durch Schreiben“ und verwandte Methoden erleiden. Hinzu kommen auch Schwierigkeiten bei Kindern mit Hör- und Sprechbeeinträchtigungen. Doch es interessiert Sie nicht, was für Probleme die Kinder eigentlich erleiden. Sie pochen darauf, dass die altbewährten Methoden den Anforderungen heute nicht mehr gerecht sein würden, und wollen Ihren ideologischen Weg weiterverfolgen und Sie nehmen dabei Kollateralschäden billigend in Kauf. (Zwischenruf Abg. Wolf, DIE LINKE: Haben Sie unseren Antrag überhaupt gelesen?) Aufgrund der Studienergebnisse haben schon viele Bundesländer die Anwendung der Lehrmethode „Lesen durch Schreiben“ untersagt bzw. empfehlen ausdrücklich nicht ihren Einsatz, unter anderem Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Bayern, Schleswig-Holstein oder Brandenburg. Und Sie haben richtig gehört, auch rote und grüne Regierungen haben hier gehandelt. Es ist Zeit, dass wir auch in Thüringen diesem Beispiel folgen und die Anwendung der Lehrmethode „Lesen durch Schreiben“ endlich untersagen. (Beifall AfD) Im Antrag wird auch auf die schlechten Ergebnisse im IQB-Bildungstrend eingegangen und angemahnt, dass Ergebnisse nicht nur an der Lehrmethode hängen würden. Da gebe ich Ihnen sogar mal recht, Herr Wolf. Sicherlich ist die Anwendung der Methode „Lesen durch Schreiben“ nicht allein verantwortlich für die schlechten Ergebnisse im IQB-Bildungstrend. Da mag es sicherlich viele andere Faktoren geben, zum Beispiel die größeren Klassengrößen durch Lehrermangel, zum Beispiel das Voranschreiten der Digitalisierung und dass man sich daran gewöhnt hat, dass die Wörter schon automatisch irgendwie korrigiert werden, Hauptsache, sie sind halbwegs erkennbar geschrieben. Dies hat dazu geführt, dass der Wert der Rechtschreibung insgesamt in den Elternhäusern nachgelassen hat und auch grüne Ministerpräsidenten sind ja der Meinung, dass kluge Maschinen dies alles schon korrigieren können und die Rechtschreibung heutzutage nicht mehr so wichtig ist. Auch die höhere Heterogenität der Schüler in den Klassen, gefördert durch Migration und Inklusion, wird einen wesentlichen Anteil zum schlechteren Abschneiden im IQB-Bildungstrend beigetragen haben, wie schon auch in der Analyse des Ministeriums zum IQB-Bericht 2016 festgehalten wurde. Doch trotz allen anderen sehr großen Problemen ist eins sicher: Die Anwendung der Lehrmethode „Lesen durch Schreiben“ wirkt sich auf keinen Fall positiv auf die Rechtschreibleistung in Thüringen aus. In Ihrem Antrag wird eine länderscharfe Längsschnittstudie gefordert, die die Entwicklung des Schriftspracherwerbs hier in Thüringen genauer untersuchen soll. Die Durchführung einer solchen Studie begrüße ich grundsätzlich. Nur sind Längsschnittstudien halt auch sehr zeitaufwendig. Wir reden hier von wenigstens fünf Jahren, bis belastbare Zahlen vorliegen, eher noch länger. Deswegen sage ich Ja zu dieser Studie, die das ganze Feld des Schriftspracherwerbs ausführlich untersucht, aber trotzdem muss schnell über den weiteren Umgang mit der Lehrmethode „Lesen durch Schreiben“ entschieden werden. Zu dieser Lehrmethode gibt es genug Studien und die Ergebnisse der Studien sind eindeutig. Deswegen ist es verantwortungslos, weiterhin diese ungeeignete Methode hier einzusetzen. (Beifall AfD) Man muss immer bedenken, dass der Schaden, der durch solche Methoden entsteht, dann in der Regel erst sehr spät erkennbar ist. Und wird der Schaden erkannt, kann man bei den Kindern, die davon betroffen sind, auch nicht mehr korrigieren. Der Einsatz der Lehrmethode „Lesen durch Schreiben“ muss deswegen zum Wohle der Thüringer Kinder endlich an den Grundschulen untersagt werden. Vielen Dank. (Beifall AfD)

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