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Christian Tischner

CDU 12.03.2021 Sitzungen 7/39

Ursachen für fehlende Rechtschreibkompetenzen erkennen – Schul- und Unterrichtsentwicklung in der Primarstufe nachhaltig stärken

Herr Präsident, meine sehr geehrten Damen und Herren, in der Tat greift der heute vorliegende Antrag der Koalitionsfraktionen ein Thema auf, das wir hier im Thüringer Landtag in den letzten Jahren bereits sehr häufig und intensiv diskutiert haben. Aber angesichts auch dessen, was wir gerade in unseren Schulen erleben, ist es – glaube ich – nie zu spät und nie verkehrt, über Qualität zu reden. Ich glaube auch, dass wir gerade nach der Corona-Pandemie sehr intensive Qualitätsdebatten über Bildung erleben werden und uns als Politik dann hoffentlich auch nicht in unseren Gräben verkämpfen, sondern dann braucht es wirklich pragmatische Lösungen, um die Qualität hochzuhalten. Der Antrag ist aus unserer Sicht zu unterstützen, insbesondere, dass wir ihn vertiefen wollen im Ausschuss für Bildung, Jugend und Sport, denn der Schriftspracherwerb ist als Entwicklungs- und Lernprozess zu verstehen, der bereits lange vor der Einschulung beginnt. Fehler sind dabei notwendige Annäherungsformen an die Schriftsprache. Erzieherinnen und Erzieher, Lehrkräfte oder Lehrer können so den Entwicklungs- und Lernprozess des Kindes einschätzen und dann auch entsprechende Hilfs- und Förderangebote machen. Das Erlernen einer konkreten Ausdrucks- und Schreibweise ist die Grundvoraussetzung für den Bildungserfolg unserer Kinder und Jugendlichen. Die Lehrerinnen und Lehrer an den Grundschulen tragen in diesem Bereich eine große Verantwortung. Wir nehmen auch wahr, dass sie das mit größter Sorgfalt tun. Beim IQB-Bildungstrend 2016 schnitt Thüringen im Bereich der Orthografie leider vergleichsweise schlecht ab. Mit dem vorliegenden Antrag soll die Landesregierung nun aufgefordert werden, im Ausschuss für Bildung, Jugend und Sport umfassend über die Auswertung dieser Studie und über bereits getroffene Schlussfolgerungen im Haus und die ergriffenen Maßnahmen zu berichten. Das ist gut, das begrüßen wir. Auch die von den rot-rot-grünen Fraktionen geforderten fachwissenschaftlichen Studien zu den Zusammenhängen zwischen an den Schulen angewandten Methoden, den genutzten Lehr-/Lernmaterialien, der Kompetenzentwicklung im Bereich des Schriftspracherwerbs und den Ursachen der Entwicklung und Tendenzen des Kompetenzerwerbs im Primarbereich sind sicher wahnsinnig interessant. Sie merken, das ist ein ziemlich komplexes Thema, deswegen ist es, glaube ich, auch sehr sinnvoll und notwendig, im Bildungsausschuss die Details zu besprechen. Die Debatte darüber, welche empirischen Datengrundlagen es bereits gibt und ob diese ausreichen, möchten wir gern mit Ihnen vertiefen. Was Sie in Ihrem Antrag allerdings völlig ausblenden, ist die Frage der verbindlichen Verankerung der Schreibschrift im Lehrplan für die Grundschulen. Eine Umfrage des Instituts des Deutschen Lehrerverbands und der Pädagogen hat gezeigt, dass die Schülerinnen und Schüler immer häufiger – und das kriegen wir ja auch eigentlich fast täglich von den Lehrern zurückgemeldet – Probleme mit der Handschrift haben. 83 Prozent der befragten Grundschullehrerinnen und Grundschullehrer gaben an, dass sich die Kompetenzen, die Schüler als Voraussetzung für die Entwicklung der Handschrift mitbringen, in den vergangenen Jahren deutlich verschlechtert haben. Nach Einschätzung der an der Umfrage beteiligten Lehrkräfte haben die Hälfte der Jungen, 51 Prozent genauer gesagt, und ein Drittel der Mädchen, 31 Prozent, Probleme mit der Handschrift. Ich denke, desto älter man wird, desto größer werden dann wahrscheinlich auch wieder die Zahlen, aber es ist ja gut, wenn wenigstens im Kindesalter diese grundlegende Kulturtechnik auch eingeübt wird und dann gepflegt werden kann. Dass Kinder lernen mit der Hand zu schreiben, ist aus unserer Sicht nach wie vor dringend notwendig und geboten. Im Gegensatz zur Druckschrift lässt sich die Schreibschrift mit ihren weichen Schwungbewegungen fließender und somit für die Hand entspannter und schneller schreiben. Gleichzeitig ist das Schreiben auch für die Ausbildung der Feinmotorik ein wichtiger und sinnvoller Bestandteil. Abschließend kann ich für meine Fraktion also sagen: Der Antrag geht definitiv in die richtige Richtung. Eine gemeinsame Beratung in dem bereits genannten Ausschuss ist aus unserer Sicht dringend notwendig und dies werden wir auch unterstützen. Danke schön. (Beifall CDU)

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