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Franziska Baum

FDP 12.03.2021 Sitzungen 7/39

Ursachen für fehlende Rechtschreibkompetenzen erkennen – Schul- und Unterrichtsentwicklung in der Primarstufe nachhaltig stärken

Vielen Dank. Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Lehrerinnen und Lehrer, Schülerinnen und Schüler, wenn wir über Rechtschreibung sprechen, dann lässt sich die Bedeutung eigentlich immer relativ einfach begründen: Richtig lesen können, richtig schreiben können, rechnen können, das sind grundlegende Kulturtechniken, die jedes Kind, das die Grundschule verlässt, beherrschen sollte. Die Struktur von Worten zu erkennen, ist nicht nur für das Lesen und für das Schreiben notwendig, sondern das brauchen wir auch in ganz vielen anderen Bereichen. Ein Beispiel – ich nehme mal wieder als Beispiel das Digitalisieren, das habe ich so gern – ist, dass auch bei Programmiersprachen ein kleiner Fehler im Ablauf der Worte das Grundproblem für ein Programm ist. Das funktioniert dann einfach nicht mehr, wenn da Rechtschreibung und Grammatik dieser jeweiligen Computersprache nicht eingehalten wird. (Beifall FDP) Es ist also auch klar: Wenn wir hier nicht in den ersten Schuljahren eine gute Grundlage für das Sprachverständnis und für die Rechtschreibekompetenz legen, dann haben es die Schülerinnen und Schüler im weiteren Leben, sowohl im Bildungsleben als auch im beruflichen und privaten Leben schwer, das wieder aufzuholen. (Beifall FDP) Deswegen werden ja auch die Methoden, die dafür genutzt werden, immer gern mal kontrovers diskutiert. Aber da sind wir als FDP-Fraktion auch immer auf der Seite der Pädagogen, die genau dafür ausgebildet sind, zu wissen, welche Methoden sich eignen, und sie müssen wir dabei unterstützen. Wir sprechen jetzt hier über einen Antrag der regierungstragenden Fraktionen aus dem Mai 2020, das Thema liegt also schon eine Weile hier auf der Tagesordnung. Wir hatten im März dazu auch einen Antrag eingebracht, in dem es darum ging, den Rechtschreibunterricht zeitgemäß zu gestalten. Wir werden – um das gleich vorwegzunehmen – dem Antrag zustimmen, um ihn damit also auch mit in den Bildungsausschuss zu nehmen, damit er dort mit den anderen Themen, die wir dort schon haben, besprochen werden kann. Lassen Sie mich also hier kurz darauf eingehen, welche neuen Aspekte sich durch diesen Antrag mit in die Diskussion übernehmen lassen. Wir Freie Demokraten hatten in unserem Antrag gefordert, dass die Landesregierung die Methoden evaluiert, die momentan in Thüringen im Einsatz sind, um Rechtschreibung zu vermitteln. Außerdem sollten diese Studien, die es dazu in ganz Deutschland gibt, in einem Gremium mit Expertinnen und Experten diskutiert werden. Das ist ein Aspekt, der uns sehr wichtig ist, dass alle an Bildung beteiligten Akteure an der Stelle mit einbezogen werden. Der Antrag von Rot-Rot-Grün fordert jetzt hier eine bundesweite Studie, die länderscharf auswertet, wie die angewandten Unterrichtsmethoden mit den Rechtschreibkompetenzen der Schülerinnen und Schüler zusammenhängen, und eine Studie für Thüringen, warum Schülerinnen und Schüler unsere Schulen, unsere Grundschulen teils mit mangelnden Rechtschreibkenntnissen wieder verlassen. Das kann sich mit der Evaluation der Methoden überschneiden, kann aber auch was sehr Unterschiedliches sein. Das kommt sicherlich auf die genaue Forschungsfrage an. Was für mich auf jeden Fall und auch für meine Fraktion wichtig ist, ist, dass diese Erkenntnisse mit den Praktikern diskutiert werden – das habe ich gerade schon gesagt –, aber vor allem auch, dass die Schlussfolgerungen daraus gemeinsam am Ende dazu führen, dass wir was in der Umsetzung verbessern. Das Ziel muss also nicht nur die Erkenntnis sein, warum manche Schülerinnen und Schüler am Ende der Grundschule nicht richtig lesen und schreiben können, sondern vor allem, was wir tun können, um das zu verhindern. Ziel der Studien soll nach dem vorliegenden Antrag sein, die Lernmaterialien, die in Thüringen verwendet werden, zu validieren. Dabei habe ich ein bisschen das Gefühl, dass in der Formulierung hier das Ergebnis – alles wird gut, wir machen es genauso weiter, wie es bisher gemacht wird – dem etwas vorwegnimmt. Wir hatten in unserem Antrag formuliert, dass die Lehrpläne entsprechend aktualisiert werden sollen. Das ist aus meiner Sicht ein bisschen konkreter und kann natürlich auch auf die zugelassenen und verwendeten Lernmaterialien ausgeweitet werden. (Zwischenruf Abg. Wolf, DIE LINKE: Nehmen Sie nicht das Ergebnis vorweg, Frau Kollegin!) Das können Sie dann gern noch tiefer erläutern, Kollege Wolf. Die regierungstragenden Fraktionen schlagen hier jetzt auch vor, den Schriftspracherwerb als Pflichtfach in die Ausbildung für Grundschullehrerinnen und Grundschullehrer aufzunehmen. Das erscheint mir schon wieder so offensichtlich, dass ich fast ein bisschen erschrocken bin, dass das noch nicht der Fall sein soll. (Beifall FDP) Die Frage ist natürlich noch: Woran erkennt man jetzt an der Stelle, das Schriftspracherwerb am Ende gemessen werden kann oder erfolgreich ist? Da hatten wir vorgeschlagen, einen Grundwortschatz einzuführen oder zu definieren, den am Ende der Grundschule jedes Kind können soll. Wir orientieren uns da an einem Vorschlag, der auch in Nordrhein-Westfalen umgesetzt ist. Da geht es weniger darum, dass die Worte auswendig gelernt und bekannt sind, sondern eher, dass die unterschiedlichen Rechtschreibphänomene einfach im Laufe der Grundschullaufbahn erkannt und gelernt werden. Wenn man das als Ziel so festschreibt, ließe sich daran ziemlich klar messen, ob das Lernziel erreicht ist, und es lässt aber dann auch wieder relativ viel Spielraum für die Lehrerinnen und Lehrer, im Rahmen ihrer pädagogischen Freiheit den Weg zu wählen, wie sie genau zu diesem Grundwortschatz am Ende kommen. Die Vorschläge sollten wir vor allem mit den Bildungswissenschaftlern, aber eben auch mit den Praktikern – den Lehrerinnen und Lehrern vor Ort – diskutieren. Im Ziel sind wir uns einig: Alle Schülerinnen und Schüler, die eine Thüringer Grundschule verlassen, sollen sicher lesen und schreiben können. Jetzt ist es an der Zeit, möglichst konkret die Ideen zu diskutieren – gern im Ausschuss, gern auch in einer Anhörung mit den Bildungsakteuren des Landes –, und dann können wir auch gern bewerten, ob das zuständige Ministerium die richtigen Schlüsse aus den IQB-Bildungstrends gezogen hat, wie das der vorliegende Antrag suggeriert. Vielen Dank. (Beifall FDP)

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