Dr. Thadäus Rudolf König
f) auf Antrag der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN zum Thema: „Equal Pay Day – Lohnlücken endlich schließen!“
Sehr geehrte Frau Präsidentin, werte Kolleginnen und Kollegen, Frau Wahl hat schon begründet, warum die Aktuelle Stunde gerade heute stattfindet, weil heute, am 10. März, der Equal Pay Day in diesem Jahr ist. Je früher dieser Equal Pay Day im Jahr stattfindet, umso geringer ist die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen. Das ist die Begründung. Wenn wir in die vergangenen Jahre schauen – letztes Jahr waren wir am 17. März, im Jahr davor am 18. März –, sieht man, dass die Lohnlücke kleiner geworden ist.
(Zwischenruf Abg. König-Preuss, DIE LINKE:
Das hat was mit Kurzarbeitergeld zu tun, meine Güte!) Frau König-Preuss, lassen Sie mich doch mal ausreden. – Wir als CDU-Fraktion teilen das Anliegen des Equal Pay Day als Zeichen gegen die weiterhin bestehenden Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen. Für uns ist inakzeptabel, dass bei beispielsweise gleicher Qualifikation und der gleichen beruflichen Situation Frauen weniger verdienen als Männer. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit muss für uns gelten. Ich kann mich dieser Forderung gerade auch in meiner Funktion als Vorsitzender der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft in Thüringen anschließen. Wir stehen von Anfang an bei Equal Pay Days zum Beispiel in Erfurt am Anger, unterstützen das Anliegen und machen dort auf die bestehende Lohnlücke zwischen Männern und Frauen aufmerksam. Sehr geehrte Damen und Herren, wie ich eben schon gesagt habe, teilen wir das Anliegen des Equal Pay Day. Aber wir sagen auch deutlich – das ist der Unterschied zu Frau Wahl –, dass für uns der bereinigte Gender-Pay-Gap die aussagekräftigere Größe ist und nicht der unbereinigte. Denn der unbereinigte Gender-Pay-Gap setzt lediglich die absoluten Bruttostundenverdienste von Männern und Frauen ins Verhältnis, ohne die ursächlichen Faktoren wie beispielsweise Branchen und Positionen zu berücksichtigen. Außerdem – was aus unserer Sicht noch gravierender ist – werden beim unbereinigten Gender-Pay-Gap unter anderem die Bereiche Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, öffentliche Verwaltung, Sozialversicherung oder Unternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten nicht berücksichtigt. Der bereinigte Gender-Pay-Gap bietet hingegen validere Daten, da er die Verdienstunterschiede herausrechnet, die auf strukturelle Unterschiede zwischen den Geschlechtergruppen zurückzuführen sind wie zum Beispiel Unterschiede zwischen den Berufen, Beschäftigungsumfang, Bildungsstand, Berufserfahrung oder der Anteil der Frauen in Führungspositionen. Genau an diesen strukturellen Unterschieden müssen wir arbeiten, anstatt weiterhin nur zu betonen – wie heute auch wieder die Thüringer Gleichstellungsbeauftragte Frau Ohler –, dass Frauen im Schnitt immer noch über zwei Monate länger arbeiten müssen als Männer, um ein vergleichbares Gehalt zu bekommen, zumal diese Aussage – wir haben die Zahlen schon gehört – für Thüringer nur bedingt zutrifft. Hier verdienen Frauen unbereinigt 5 Prozent weniger als Männer – im Bund sind es 18 Prozent – und bereinigt 5,7 Prozent, im Bund sind es 5,9 Prozent. Allein diese zwei Werte zeigen doch deutlich, dass wir mit dem bereinigten Gender-Pay-Gap arbeiten müssen und nicht mit dem unbereinigten. Das ist auch das Problem bei der Erhebung dieser Statistik: Wir haben die kleinen Unternehmen mit unter zehn Beschäftigten nicht mit drin, die aber in Thüringen sehr stark vertreten sind, wir haben auch die öffentliche Verwaltung nicht mit dabei. Deswegen kommen auch die großen Unterschiede zustande.
(Beifall FDP)
Dann müssen wir natürlich auch in die soziostrukturellen Daten schauen, wo natürlich die Erwerbstätigkeit der Frauen in den neuen Bundesländern höher ist als in den alten Bundesländern. Lohnunterschiede sind auch da, das steht außer Frage. Genau wie ich gesagt habe: Diese strukturellen Probleme gilt es zu lösen. Die sind unter anderem, dass Frauen in bestimmten gut bezahlten Berufen oder Branchen oder auf bestimmten Stufen der Karriereleiter teilweise komplett fehlen, dass Vereinbarkeit von Familie und Beruf oft zulasten der Frauen geht, dass keine Gehaltstransparenz besteht und dass Berufe, in denen vorrangig Frauen arbeiten, teilweise generell schlechter bezahlt werden als etwaige männerdominierte Berufe. Das ist zum Beispiel auch, wenn wir über die Arbeit an Menschen im Vergleich zur Arbeit an Maschinen sprechen. Deswegen lassen Sie uns doch gemeinsam diese strukturellen Probleme angehen und dadurch die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern schließen. Wie Herr Montag bin auch ich optimistisch, dass es dort in den nächsten Jahren einen Wandel geben wird, dass es eine stärkere Angleichung geben wird, weil sich einfach auch Biographien ändern werden.
(Beifall FDP)
Das ist ein guter Weg. Wie gesagt: Lassen Sie uns da optimistisch in die Zukunft blicken. Was die Politik machen kann, soll sie machen. Aber – wie gesagt – die Gesellschaft ändert sich und deswegen wird sich auch die Lohnlücke in Zukunft weiter verringern. Vielen Dank.
(Beifall CDU, FDP)
