Robert-Martin Montag
f) auf Antrag der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN zum Thema: „Equal Pay Day – Lohnlücken endlich schließen!“
Sehr verehrte Frau Präsidentin, werte Kolleginnen und Kollegen Abgeordnete, Thüringen – das wurde schon gesagt – ist das Bundesland mit dem niedrigsten Gender-Pay-Gap. Das kann uns erst mal freuen, ausruhen sollten wir uns darauf nicht. Es wurde ja auch schon gesagt, dass bei uns in Thüringen eigentlich im Januar der Gender-Pay-Day sein müsste. In Baden-Württemberg beispielsweise wäre er erst am 26.03. Aber, wie gesagt, ausruhen auf Lorbeeren gilt nicht, denn der Gender-Pay-Gap entsteht ja vor allen Dingen dadurch, dass tatsächlich Frauen strukturell weniger in Führungspositionen zu finden sind als Männer. Aber, Frau Wahl, das kann man beklagen, muss es, glaube ich, zu Recht jedenfalls kritisieren und darauf aufmerksam machen. Ich bin da aber viel optimistischer als Sie. Wir haben einen gesellschaftlichen Wandel, der auch an Zahlen ablesbar ist. Denn ich bin der Überzeugung, dass sich das ändern wird. Schauen wir doch mal: Frauen schließen die Schule besser ab. Frauen studieren häufiger.
(Zwischenruf Abg. Rothe-Beinlich, BÜNDNIS
90/DIE GRÜNEN: Das ist aber nichts Neues!) Ich will nur mal die medizinischen Berufe beispielsweise ansprechen: Zahnmedizin 70 Prozent, in der Allgemein- und Humanmedizin ansonsten 63 Prozent, gemischte Teams bringen bessere Ergebnisse – Stichwort Diversity. Deswegen, glaube ich, ist das schon längst angekommen. Die Frage ist: Wie können wir da weiter unterstützen, was brauchen Frauen, um weiterhin den Weg Richtung Chancengleichheit zu gehen? Da setzen wir auf Bildung und Bildung heißt dann ausreichend Lehrerinnen und Lehrer, die sie ermutigen, ihre Stärken auszuspielen und zu vertiefen, ausreichend Lehrerinnen und Lehrer, die sie ermutigen, beispielsweise Mathematik, Informatik und Naturwissenschaft eine Chance zu geben. Und man braucht auch Respekt für Lebensentscheidungen, ob man sich für eine Handwerkerinnenausbildung entscheidet, ein Informatikstudium macht oder freischaffender Künstler oder Künstlerin wird,
(Beifall FDP)
aber auch bei der Frage Ehe ja/nein, Kinder ja/nein, Elternzeit ja/nein – am besten und am Ende Respekt vor der individuellen Entscheidungsfreiheit des Menschen. Aber, und das gilt auch: Man braucht positive Geschichten und Vorbilder. Ich persönlich kenne – und auch Sie alle kennen – viele erfolgreiche Unternehmerinnen, und deswegen ist es so wichtig und gehört auch zur Förderung dazu, dass wir eine digitale Infrastruktur in diesem Land vorhalten, die auch funktioniert, die nämlich allen die Möglichkeit für das Start-up gibt und technisch nicht ausbremst. Der Punkt ist übrigens geschlechtsneutral zu verstehen.
(Beifall FDP)
Wir brauchen auch eine Landesregierung, die endlich die Corona-Krise in den Griff bekommt, damit auch Frauen ihre Läden wieder öffnen können.
(Beifall FDP)
Was Frauen in Thüringen nicht brauchen, wenn es um Chancengleichheit geht: Sie brauchen nicht die Darstellung ausschließlich als Opfer, dem geholfen werden muss. Das Narrativ der Frau, die vom System unterdrückt wird, ist falsch.
(Beifall FDP)
Es ist nach meiner Empfindung auch ein Stück weit respektlos, weil es Menschen klein macht.
(Beifall FDP)
Frauen brauchen keine Einmischung in ihre unternehmerische Freiheit, denn auch Frauen – das habe ich schon gesagt – sind Unternehmerinnen. Auch sie wollen eigenständig mit ihren Mitarbeiterinnen Gehaltsverhandlungen führen.
(Beifall FDP)
(Zwischenruf Abg. Schubert, DIE LINKE: Wie
stehen Sie denn zur Frauenquote?) Sie brauchen nicht den Unterrichtsausfall an den Schulen, weil es die Bildungschancen verschlechtert. Und sie brauchen nicht die Reduktion auf ihr Geschlecht, wie es beispielsweise liberale Kandidatinnen in Baden-Württemberg vonseiten der Jusos letztlich und vor ein paar Tagen erst erleben durften. Zu guter Letzt brauchen Frauen auch keine Geldstrafen, wenn sie andere Frauen über Schwangerschaftsabbrüche informieren wollen. Stichwort: § 219a.
(Beifall FDP)
Es bleibt für uns dabei: Chancengleichheit und damit am Ende die gleiche Bezahlung bei gleicher Qualifikation und Tätigkeit sind vor allen Dingen eine Mindset-Fage. Das haben Sie im Übrigen, liebe Frau Wahl, vorhin bei der Rede schon einmal sehr präzise, wie ich finde, formuliert. Unser Mindset, unsere Art, über ein Thema zu denken, bestimmt am Ende auch ein Stück weit Lebensrealität, ein Stück weit gesellschaftliche Kultur und Umgang. Das zu ändern ist gesamtgesellschaftliche Aufgabe, zu deren Bewältigung die Politik einen Beitrag leisten kann.
