Dirk Bergner
e) auf Antrag der Fraktion der CDU zum Thema: „Berufsschulschließungen verhindern – Thüringer Berufsschulnetz nicht gegen kommunale Träger planen“
Vielen Dank, Frau Präsidentin. Meine sehr verehrten Kolleginnen und Kollegen, eigentlich ist eine Aktuelle Stunde für dieses Thema viel zu kurz. Aber es ist derzeit, bei der vollen Tagesordnung, die einzige Möglichkeit, dieses brennende Thema auf die Tagesordnung zu bringen. Insofern bin ich dankbar, dass dieses Thema heute eine Rolle spielt.
(Beifall FDP)
Die Aktuelle Stunde in diesem Teil bezieht sich auf den bürokratischen Planungsprozess des Berufsschulnetzes. Dazu komme ich gleich. Wir sollten uns aber vorher noch einmal klarmachen, worum es hier geht. Es geht darum, dass die Thüringer Unternehmen Fachkräfte brauchen. Sie sind der Motor unserer Wirtschaft. Gleichzeitig bleibt ungefähr jede fünfte Ausbildungsstelle unbesetzt. Für gut ausgebildete Fachkräfte, liebe Kolleginnen und Kollegen, brauchen wir aber gute Schulen, die eine vernünftige Nähe zum Wohnort und zur Ausbildungsstätte der Azubis aufweisen.
(Beifall FDP)
Deswegen brauchen wir ein Berufsschulnetz, das möglichst überall im ländlichen Raum präsent ist, weil sonst die Unternehmen und die lokale Wirtschaftskraft den Azubis hinterher in die Stadt ziehen. Meine Damen und Herren, Berufsschulen sind ein Standortfaktor, vor allem im ländlichen Raum. Arbeitsplätze der öffentlichen Hand – das ist meine feste Überzeugung – gehören in strukturschwache Räume. Wenn ich das an dieser Stelle mal sagen darf: Wenn man beispielsweise an einem traditionellen Holzstandort die Berufsschule, die duale Ausbildung wegnimmt, dann bedeutet das, dass dort auch dieser Wirtschaftszweig auf Dauer sterben wird, und das können wir uns nicht leisten.
(Beifall FDP)
Meine Damen und Herren, die Schulträger haben einen Umgang mit der Politik auf Augenhöhe verdient. Aktuell sind aber die Verhandlungen zum Thema „Berufsschulnetz“ festgefahren und schwierig. Kein Landkreis kann ein Interesse daran haben, den Standort einer Fachklasse abzugeben, damit der Unterricht abgesichert werden kann. Aber das wird immer schwieriger, weil es das Land nicht geschafft hat, in den letzten Jahren ausreichend Lehrkräfte auszubilden und vor allem einzustellen. Die Decke, an der sie ziehen, ist zu klein. So, wie das Bildungsministerium an die Sache herangeht, werden einige Standorte auf dem Land wohl ziemlich frösteln müssen. Wir Freien Demokraten haben zu diesem Plenum einen Antrag mit konstruktiven Ansätzen eingebracht, um die festgefahrene Situation zu lösen. Wir brauchen Innovationen, mehr Personal und mehr Flexibilität, meine Damen und Herren.
(Beifall FDP)
Und zur Innovation braucht es Vernetzung und Ausstattung. Ein Zentrum für berufliche Bildung und Unternehmertum, wie wir uns das vorstellen, ist ein Konzept, um das richtige Leben in die Schule zu bringen. Wenn an einem Standort Räume frei sind, können und sollen diese genutzt werden, beispielsweise für die Fort- und Weiterbildung, für Gründerberatung und Berufsorientierung. Außerdem braucht es eine in die Zukunft gerichtete Ausstattung. Industrie 4.0, meine Damen und Herren, finden wir heute quasi in allen Berufen. Wenn die Auszubildenden in ihren Betrieben sehen, was Digitalisierung alles kann, dann darf die Berufsschule nicht hinterherhinken.
(Beifall FDP)
Wir sind aber momentan in einem Bereich, wo wir teilweise erst beim WLAN im Klassenraum anfangen müssen. Zweitens brauchen wir mehr Lehrerinnen und Lehrer an den Berufsschulen, damit wir Standorte abdecken können. Wir haben in einer Kleinen Anfrage gefragt, was die Landesregierung in diesem Bereich tut. Sie erwähnen vor allem ein paar Plakate, Videos und Social-Media-Posts. Das zeigt aus unserer Sicht, wie wenig die Landesregierung an den entscheidenden Punkten arbeitet, um Probleme wirklich anzugehen.
(Zwischenruf Abg. Schubert, DIE LINKE: Un-
verschämt!) Sich im bestehenden System abzukämpfen, bringt uns nicht weiter. Wir müssen neu denken, meine Damen und Herren, wir müssen neue Gruppen von Fachkräften erschließen, beispielsweise mit dem Master Professional „Geprüfter Berufspädagoge“. Solchen Fachkräften müssen wir flexible und attraktive Einsatzmöglichkeiten geben und Schulen die Möglichkeit, sie eigenverantwortlich einzustellen. Drittens brauchen wir mehr Flexibilität bei der Klassenbildung. Statt die Einzugsbereiche für Fachklassen auszuweiten und die Klassen an wenigen Standorten zu konzentrieren, brauchen wir Ideen, um sie effizient abzusichern. Wir Freien Demokraten möchten Ihnen bessere Lösungen vorschlagen, Distanzunterricht ist eine. Schulen haben damit in letzter Zeit viele Erfahrungen gemacht, daraus kann man lernen. Dann können sich zwei Schulen, die im selben Fach eine zu kleine Klasse haben, zusammentun, und eine Lehrkraft unterrichtet beispielsweise parallel zwei Klassen oder mehr. Beide sind in ihrem Klassenraum, am besten arbeitet man mit einer digitalen Tafel, die sich in beiden Räumen beschreiben lässt. Meine Damen und Herren, da eine Aktuelle Stunde tatsächlich, wie ich eingangs gesagt habe, viel zu wenig Zeit bietet, kann ich Ihnen selbstverständlich nicht alle unsere Ideen, die wir zu dem Thema haben, vortragen und will da auch auf unseren Antrag verweisen, der noch zu behandeln ist. Aber Sie sehen, wir haben hier Etliches mit einzubringen. In diesem Sinne bedanke ich mich bei Ihnen und freue mich auf eine sehr intensive und vor allem konstruktive Debatte für die Zukunft. Danke schön.
(Beifall FDP)
