Cornelia Klisch
c) auf Antrag der Fraktion DIE LINKE zum Thema: „Bedeutung des 8. März für Thüringen – Mehr als Blumen und Applaus“
Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Damen und Herren, ich bin gerade von den Frauen in meiner Fraktion gebeten worden, eine kurze Replik auf die Frage zu geben: Suche ich mir den Namen aus, mache ich die Wörter selbst? Ich fange einfach mal mit einem ganz komplizierten Satz an, den mir gerade Frau Marx gesagt hat. Ich habe einen Moment gebraucht, ihn zu verstehen, er lautet: Das generische Maskulinum versteckt eine Frau mehr als eine Burka.
(Beifall DIE LINKE, BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
NEN) – Es haben welche zugehört. – Damit ist gemeint, ein Beispiel: Es gab vor circa einem Jahr eine eingeschlossene Jungengruppe in einer Höhle, die gerettet werden musste. Taucher haben versucht, diese Gruppe zu retten, samt ihrem Lehrer, glaube ich. Wenn man an bestimmten Dingen nicht erkennt, ob Mann oder Frau, wird automatisch davon ausgegangen, dass Männer das leisten. In dem Fall könnten Sie mir wahrscheinlich auch nicht sagen, wie viele oder ob überhaupt Frauen dabei waren, die diese Jungs gerettet haben. Aber in dem Fall waren Frauen dabei, nur hat man das gar nicht erkannt, weil es für uns Außenstehende in keiner Form erkennbar war. So viel als Replik von meiner Fraktion auf die Vorrede.
(Beifall SPD)
Jetzt komme ich aber zu meinem Teil der Rede, den ich mir im Vorfeld überlegt habe. Natürlich ist jetzt auch schon viel gesagt worden. Am 8. März hatten wir zum 110. Mal Frauentag. Er ist Clara Zetkin zu verdanken, einer deutschen Sozialistin. Sie hat zumindest viele Frauen davon überzeugt, dass das eine gute Idee wäre. Leider ist es heute immer noch so, dass wir diesen Tag auch im Sinne eines Frauenkampftags brauchen, an dem wir – zumindest an diesem Tag – ganz prominent daran erinnern, dass es leider immer noch Diskriminierung und Ungleichheit im beruflichen wie auch im privaten Alltag von Frauen gibt. Ja, natürlich, meine Vorredner haben es gesagt: Es ist in den letzten 110 Jahren dank unserer Urgroßmütter, Großmütter, Mütter – wem auch immer –, auch dank vieler Männer, gelungen, dass sich einiges für die Frauen verbessert hat. Trotzdem müssen Frauen immer noch deutlich mehr Hürden oder auch deutlich höhere Hürden nehmen, wenn es im Laufe ihres Lebens um berufliches Fortkommen oder andere Dinge geht. Und leider – das wurde auch gesagt – haben wir Frauen nicht nur mit Ungerechtigkeiten zu kämpfen, sondern im Alltag auch deutlich mehr mit Gewalt. Was mich persönlich als Frau immer wieder – ich möchte fast sagen – wütend macht: Wir werden ganz oft automatisch in Schubladen gesteckt. Es wurde gerade erwähnt – Corona: Wer kümmert sich um die Kinder, um das Lernen, den Einkauf und überhaupt alles irgendwie zu managen? Die Frauen. Es ist aber nicht nur in Corona-Zeiten so, dass Frauen dann gesagt wird, ihr könnt das besonders gut, sondern dieses Schubladendenken – dass Frauen bestimmte Dinge besonders gut können, Careberufe wurden gerade angesprochen – ist automatisch da. Was Frauen in manchen dieser Jobs leisten – ich nehme einfach mal die Altenpflege oder Pflegehilfskräfte, Krankenschwestern oder auch Verkäuferinnen –, ist manchmal in Form von harten Jobs wesentlich härter als für manchen Mann in der Autoindustrie oder in sogenannten schweren Berufen. Insofern leisten Frauen hier Großes, doch sie bekommen nicht immer den gleichen Lohn dafür. Sie kriegen vielleicht mittlerweile maximal ein Dankeschön – das ist gerade en vogue –, sie werden als Superheldinnen oder als multitaskingfähig bezeichnet und geehrt. Daraus wird manchmal sogar eine Huldigung gemacht. Das ist ja auch nett, das freut uns auch alle. Frauen freut es, wenn sie zumindest gesehen werden. Aber es wäre noch viel besser, wenn wir mehr dafür bekommen würden, und zwar nicht nur Respekt und Solidarität, sondern auch mehr Lohn; das wurde angesprochen. Es geht um gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit. Es geht nicht darum, dass wir mehr als jemand anderes wollen. Aber wir wollen gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit. Wir wollen eine Fifty-Fifty-Regelung, wenn es darum geht, Führungspositionen zu besetzen, auch Führungspositionen in der Wirtschaft, in der Verwaltung, in der Politik. Wir wollen – das sprach ich schon an – weniger Gewalt. Wir wollen weniger Angst. Wir wollen auch jederzeit ganz frei durch Straßen laufen dürfen, insbesondere auch nachts – egal ob man einen Minirock trägt oder einen langen Lodenmantel. Wir wollen einfach mehr Leben und freies Leben.
(Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Deshalb, liebe Frauen und, natürlich, liebe Männer, lassen Sie uns gemeinsam für diese echte und ernst gemeinte Gleichberechtigung und Gleichstellung eintreten! Denn ich glaube, hiervon profitieren am Ende nicht die Einzelnen, sondern wir alle als Gesamtgesellschaft. Deshalb lassen Sie uns das angehen – gemeinsam. Vielen Dank.
(Beifall DIE LINKE, SPD, BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN)
