Dirk Bergner
c) auf Antrag der Fraktion DIE LINKE zum Thema: „Bedeutung des 8. März für Thüringen – Mehr als Blumen und Applaus“
Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen Abgeordnete, liebe Zuschauer am Livestream, ich stehe für Vereinbarkeit von Beruf und Familie und zu diesem Thema bin ich mit sehr, sehr vielen Frauen im Gespräch, deshalb möchte ich hier einige Gedanken zum 8. März äußern. Bis 1990 war ich Physiker, danach wurde ich Physikerin. Was hat das „-in“ für mich verändert? Meine Qualifikation ist dieselbe geblieben, meine Fähigkeiten sind dieselben. Ich habe mich damals gefragt: Was soll das? Pragmatisch habe ich mich entschieden, unwesentliche Dinge nicht ernst zu nehmen. Ich habe mitgemacht. Aus heutiger Sicht die Frage: War das ein Fehler? Was hat sich 1990 für mich wirklich verändert? In Thüringen wurden damals Betriebskindergärten verboten. Die Öffnungszeiten der Kindergärten wurden eingeschränkt. Ich konnte nicht mehr an wissenschaftlichen Seminaren an der Uni teilnehmen, weil ich die Kinder abholen musste und mich teilweise mit meinem Mann da reingeteilt habe. Ich wurde also in meinen Entwicklungsmöglichkeiten ausgebremst. Das „-in“ an meiner Berufsbezeichnung hat mir da nicht weitergeholfen.
(Beifall AfD)
Ich hatte auch Kinder in der Schule. Da wurden Lesetexte ausgetauscht, statt „Wenn Mutti früh zur Arbeit geht“ kam: Meine Mutti ist gleichberechtigt; das drückt sich darin aus, dass sie einen Doppelnamen trägt. – Ich habe damals nur den Kopf geschüttelt.
(Beifall FDP)
Denn ich präge den Namen und nicht der Name mich.
(Beifall AfD)
Also: nur Nebenkriegsschauplätze – was übrigens aus meiner Beobachtung ein sehr negativer Trend in unserer Gesellschaft heute ist. Wir konzentrieren uns auf Nebenkriegsschauplätze und lassen das Wesentliche außen vor. Aus dem alten Volksmärchen „Rotkäppchen“ hat offensichtlich keiner etwas gelernt. Und trotzdem bin ich meinen Weg gegangen. Ich habe mich entwickelt, ich habe ein Unternehmen aufgebaut mit heute über 350 Beschäftigten.
(Beifall CDU, AfD, FDP)
Wir zeichnen uns durch Alleinstellungsmerkmale unserer Produkte und Dienstleistungen auf dem Weltmarkt aus. Oft musste ich den Spagat zwischen Beruf und Familie meistern. Und ich habe daran gearbeitet, dass die Mitarbeiter in meiner Firma es vielleicht leichter haben sollten als ich. Ich habe einen Betriebskindergarten gegründet.
(Beifall AfD, FDP)
Das war nicht einfach. Dass eine Tagesmutter und eine Erzieherin unter einem Dach arbeiten, ist bis heute auch in Thüringen noch verboten – für mich eigentlich unfassbar.
(Beifall AfD, FDP)
Als es um den Vorsteuerabzug beim Betriebskindergarten ging, sagte mir damals Frau von der Leyen, sie habe kein Verständnis dafür, warum ein Betrieb sich mit Kindergärten beschäftigen muss. Und schauen wir jetzt auf die jüngsten Maßnahmen in der Corona-Krise: Dass wir unseren Kindergarten schließen mussten bzw. im Notbetrieb fahren mussten, wo es gar keine Infektionen bei den Kindern gab und die Eltern sowieso tagtäglich miteinander arbeiten, das hat Stress bei den Müttern und bei den Familien bedeutet. Ich wünsche mir aus Anlass des Internationalen Frauentags: Lasst uns wirkliche Gleichberechtigung leben und vergesst die kräftezehrenden Nebenkriegsschauplätze wie zum Beispiel diesen Genderwahn in unserer Sprache.
(Beifall AfD, FDP)
Akzeptieren wir, dass wir Frauen anders sind. Lasst uns Frauen stolz darauf sein, Frauen zu sein. Wir haben unsere Alleinstellungsmerkmale.
