Franziska Baum
c) auf Antrag der Fraktion der AfD zum Thema: „Dringlichkeit der Öffnung von Schulen und Kindergärten in Thüringen auch in der Corona-Krise – Notwendige Entlastung unserer Kinder und Familien“
Vielen Dank an die Damen für die Dienstleistung an dieser Stelle in Sachen Hygiene.
(Beifall FDP)
Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen Abgeordnete, liebe Zuschauerinnen und Zuschauer am Livestream, wir stehen hier und sprechen über Öffnung von Kitas und Schulen. Ich bin Herrn Hartung sehr dankbar, dass er ein paar Punkte vorweggenommen hat, die ich sonst auch hätte richtigstellen müssen. Aber vielleicht löst Herr Jankowski das Problem ja und wir machen einfach alle Horte auf und er übernimmt dann die Betreuung, denn unsere Erzieherinnen und Erzieher …
(Unruhe BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Ja gut, okay, da ist was dran. Ich bleibe vielleicht lieber bei meinem Redeskript. Es gibt Bereiche, da haben wir gar keine andere Chance, als tatsächlich über Öffnung von Kitas oder Schulen zu sprechen. Das sind genau die Bereiche, wo wir Kinder schützen müssen, wo es darum geht, Kindern Ansprechpartner außerhalb der Familie zu geben, wo es einfach einen Grund gibt, dass Kinder irgendwo hingehen dürfen und mit anderen als mit ihren Eltern sprechen können, ohne dass sie sich dafür rechtfertigen müssen. Das sind Bereiche, da ist es durchaus berechtigt, darüber zu sprechen, dass wir die Kitas in Pandemiezeiten in irgendeiner Form aufmachen müssen, dass man in irgendeiner Form Ansprechpartner stellen muss in Schulen und Kindergärten. Es gibt aber auch Bereiche und Themen, wo wir über Öffnung sprechen, nicht, weil es die einzige Möglichkeit ist, sondern weil es aktuell die einzige Möglichkeit ist, weil in den letzten Jahren und Jahrzehnten ein Thema verschlafen worden ist und auch in den letzten Monaten der Rückstand da nicht aufgeholt werden konnte und auch die Chancen, die eigentlich in der Zeit lagen, nicht aufgegriffen wurden. Ich spreche hier vom Distanzunterricht. Ich möchte nicht mal über den digitalen Distanzunterricht sprechen. Die Schulcloud ist ausreichend hier debattiert worden. Es zeigt sich in Gesprächen sowohl mit Lehrern als auch mit Eltern, dass in den Schulen, in denen schon digitale Systeme vorhanden waren, in denen Lernmanagementsysteme existiert haben, der Distanzunterricht bzw. der Übergang in den Distanzunterricht um einiges besser funktioniert hat als an anderen Schulen. Das lag aber sicher nur zum einen an der Ausstattung und an der Software, es lag zum anderen aber auch daran, dass die Vorstellung, dass Lernen mit Klassenräumen verbunden ist, in den Köpfen nicht so präsent war, wie wir das aktuell bei uns im System haben. Wenn Sie sich mit Initiativen auseinandersetzen, die sich mit dem Thema „Schule der Zukunft“ beschäftigen, dann werden Sie ganz schnell feststellen, dass gerade diese Punkte, die dort immer wieder aufgegriffen werden – eine Unterscheidung zu machen zwischen einer frontalen Wissensvermittlung und dem, was Lernbegleitung bedeutet –, ein Schlüssel gewesen wären, um den Distanzunterricht auf eine solide Basis zu stellen.
(Zwischenruf Abg. Wolf, DIE LINKE: Hört,
hört!) Das ist nun leider in der Form nicht gemacht worden, dabei hat eine ganze Reihe guter Ideen im Raum gestanden. Wir haben die Frage im Raum: Warum haben wir eigentlich kein Bildungsfernsehen für Thüringen gemacht – gemeinsam mit dem ThILLM –, wo zum Beispiel gerade diese frontale Wissensvermittlung unabhängig von Tablets oder Laptops in die Wohnzimmer hätte gestrahlt werden können? Wir hatten die Idee im Raum, das Thema „Schule“ weg vom Haus Schule zu nehmen und andere Räumlichkeiten zu nutzen, um begleitetes Lernen zu ermöglichen. Wir hatten Ideen im Raum, die Präsenzphasen in den Schulen mit intensivem Distanzlernen zu koppeln. Das wäre aber alles nur möglich, wenn wir langfristige Konzepte fahren, das heißt, wenn wir uns entscheiden: Wir werden die nächsten vier, fünf, sechs Monate in einem neuen, eingeschränkten Regelbetrieb arbeiten, wo wir auf lange pädagogische Konzepte setzen, die einplanen, dass diese eine Klasse oder dieser eine Kurs alle vier Wochen zu einer Präsenzphase in die Schule kommt und ansonsten diese Distanzphasen ausgebaut werden. Das ist in der Form nicht gemacht worden. Ich möchte gar nicht den Einsatz schmälern, der beim ThILLM und in den Schulen erfolgt ist, um die aktuelle Situation, die Pandemie zu bewältigen und Distanzunterricht zu ermöglichen. Wenn wir ganz ehrlich sind, werden wir feststellen, dass genau dort, in den Schulen, das Problem bewältigt worden ist. Die hätten das auch geschafft, wenn wir ihnen gesagt hätten: Ihr müsst jetzt die nächsten vier bis sechs Monate einen eingeschränkten Regelbetrieb gewährleisten, der auf Distanzunterricht basiert und der Präsenzphasen berücksichtigt. Denn das wäre sicher die bessere und pädagogisch sinnvollere Variante gewesen als das, was sie die letzten Monate bewältigt haben, nämlich alle 14 Tage was anderes.
(Beifall FDP)
Das ist nicht passiert. Wir sind jetzt momentan an einem Punkt, dass die Familien einfach durch sind. Jetzt haben wir nur noch die Chance, nach Öffnung zu rufen – leider. Die Schule der Zukunft wartet dann noch ein bisschen. Aber ich möchte noch die paar Sekunden nutzen, auf das einzugehen, was Herr Hoff in dem vorherigen Punkt gesagt hat. So sehr wir hier alle zusammenhalten müssen, um die Pandemie zu bewältigen und die Probleme gemeinsam zu lösen, dürfen wir auch nicht vergessen, dass wir auch die Aufgabe haben, in diesem Haus die Sorgen aufzugreifen, die die Menschen da draußen bewegt – ob uns das gefällt oder nicht.
(Beifall FDP)
