Hoffmann
Gesetz zur Änderung des Thüringer Lehrerbildungsgesetzes
Sehr geehrte Frau Präsidentin, werte Kolleginnen und Kollegen Abgeordnete, liebe Zuschauer, für uns erreicht der Gesetzentwurf – und das hat Kollege Jankowski schon in der ersten Lesung verdeutlicht – die Abwertung der Fächer Heimat- und Sachkunde und Schulgarten. Schulgarten ist Thüringer Alleinstellungsmerkmal. Als bundesweit einzigartig wird bezeichnet, dass es dieses Unterrichtsfach hier gibt – so wird ein entsprechendes Schulprojekt zitiert, die Kinder lieben das Fach. Es vermittelt den Kindern das Anbauen und Ernten, die Grundkenntnisse der verschiedenen Obst- und Gemüsesorten, den Wert von Lebensmitteln und Umwelt und leistet damit auch einen wichtigen Beitrag zum Wissen über die Herkunft von Lebensmitteln und gegen ihre Verschwendung. Eine Verwässerung dieses wertvollen Schulunterrichts durch die Zusammenlegung mit einem anderen Fach in der ersten Phase der Lehrerausbildung würde unserer Ansicht nach der Sache keinen guten Dienst leisten.
(Beifall AfD)
Schulgartenunterricht kann den Grundstein für ein späteres Studium in den sogenannten MINT-Fächern oder in der Ausbildung für landwirtschaftliche oder naturwissenschaftliche Berufe legen. Es sollte eigenständiges Ausbildungsfach im Lehramtsstudium bleiben. Anfang Juli hatte ich eine Kleine Anfrage Nummer 7/894 zur Bedeutung des Fachs gestellt. Mit Erlaubnis der Präsidentin zitiere ich aus der Antwort in Drucksache 7/1479: „Der Schulgartenunterricht leistet einen Beitrag zur Allgemeinbildung, indem er die Lernkompetenzen des Schülers erweitert, seine Erlebnisfähigkeit differenziert, soziale Verhaltensweisen entwickelt und erprobt sowie sein Selbstwertgefühl stärkt. Die Natur, ihre im Schulgartenunterricht zugänglichen Objekte und Erscheinungen, Lebens- und Entwicklungsbedingungen, deren willkürliche Beeinflussbarkeit und die daraus erwachsende Verantwortung der Schülerinnen und Schüler sind unmittelbarer Unterrichtsgegenstand. Im Vordergrund stehen die vielfältigen Möglichkeiten, Kindern praktisch und hautnah die Grundlagen und das Allgemeinwissen von Natur und Umwelt nahezubringen. Durch die praktisch-gärtnerische Arbeit können sich die Schülerinnen und Schüler Kenntnisse zu einheimischen Pflanzen, Tieren und deren Lebensraum aneignen.“ Und eines darf man nicht unterschätzen: Die Kinder lernen nicht nur geistig, sie lernen auch haptisch und sensorisch. Sie erfahren Empathiebildung, sie sind an der frischen Luft, sie bekommen ein Gefühl für Pflanzen und Tiere. Sie lernen Respekt und Demut vor der Natur, sie lernen über gesunde Ernährung und Ökosysteme. Diese Erfahrung, die nur Thüringen bietet, darf nicht verwässert werden.
(Beifall AfD)
Kurios ist, dass diese Thüringer Besonderheit nun als Argument für die Zusammenlegung mit dem Fach Heimat- und Sachkunde in der Ausbildung genutzt wird. Angehende Lehrer könnten sich abgeneigt fühlen, dieses Fach oder in Thüringen zu studieren, weil es nur hier existiert, es wäre ein Hemmnis. Ein Hindernis der Mobilität von Lehrkräften durch Beibehaltung als eigenständiges Ausbildungsfach ist aber genauso wenig vorhanden wie eine etwaige Forderung einer solchen Ausbildungszusammenlegung in der KMK-Rahmenvereinbarung. Das Fach Heimat- und Sachkunde wiederum, welches in allen Bundesländern in der Grundschule unterrichtet wird, lehrt den Bereich Umwelt nur als einen Inhaltsteil. Dazu gibt es noch Demokratie, Geschichte, Kultur, Geographie und Technik. Es ist das fächerverbindende und fächerintegrierende Element des Stundenplans. Etwas so Umfassendes, das Zusammenhänge lehrt, das Kinder weitreichend bildet, in der Lehrerausbildung als Pflichtfach abzuschaffen, kritisieren wir deutlich.
(Beifall AfD)
Mit Erlaubnis der Präsidentin möchte ich aus „Sachunterricht in Schule und Lehrerbildung“ der Gesellschaft für Didaktik des Sachunterrichts zitieren: „Der Sachunterricht stellt jenen Lernbereich in der Grund- und Förderschule dar, der zur Entwicklung des Wissens über die soziale und natürliche Umwelt beiträgt und in der Schnittstelle zwischen Elementar- und Sekundarstufe entscheidende Voraussetzungen für ein erfolgreiches Lernen in den natur- und gesellschaftswissenschaftlichen Fächern schafft. Diese Funktion kann er nur erfüllen, wenn seine Eigenständigkeit weder durch konturlose Sammelfächer […], noch durch Tendenzen der Vorverlegung fachlichen Lernens […] bedroht wird. Im Wesentlichen geht es darum, Kindern mit Blick auf Natur, Technik und Gesellschaft grundlegende Orientierungen für ihre Welterschließung zu geben und sie gleichzeitig auf das fachliche Lernen in der Sekundarstufe vorzubereiten. Sie erfahren dadurch sinnstiftend, wie fachliches Wissen dazu beitragen kann, ihre Lebenswirklichkeit besser zu verstehen und ein höheres Maß an Handlungsfähigkeit mit Blick auf die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben zu erwerben.“ Heimat- und Sachkunde muss verpflichtendes Fach in der Lehrerausbildung bleiben, damit es auf einem hohen Level in der Stundentafel gelehrt werden kann. Wir kritisieren das Vorhaben auch deshalb, weil durch die Reduzierung und Abwertung der Fächer der spätere fachfremde Unterricht noch weiter zunehmen und ein flächendeckender Unterricht in Heimat- und Sachkunde nicht mehr gegeben sein wird. Unter anderem dies haben Zuschriften der Anhörungen im Ausschuss für Bildung, Jugend und Sport ausgesagt. Es wird die Beschneidung der Lehrerausbildung kritisiert, die Abschaffung des Thüringer Leuchtturms Schulgarten, eine fehlende Anpassung der Vorbereitungszeit und ihrer Prüfungsfächer nach oben, so die Zuschrift des Grundschulverbands. Verhalten sagt der Verband der Sonderpädagogik, dass durch den Gesetzentwurf das bestehende Gefüge stark verändert wird. Die Zahl der Pflichtfächer an die der Prüfungen in der Vorbereitungszeit anzupassen, ist kein richtiger Weg. Das sagt der Bundesarbeitskreis der Seminar- und Fachleiter und warnt vor gravierenden Folgen und vor der Zunahme des fachfremden Unterrichts, sollte der Gesetzentwurf verabschiedet werden. Er sieht in der Abschaffung des Heimat- und Sachkundeunterrichts als Pflichtfach eine Verschlechterung der Grundschule. Mit dem Überführen des Fachs Schulgarten in die Heimat- und Sachkunde verliere Thüringen später eine Bereicherung der Stundentafel. Andere Zuschriften fragten nach der konkreten Umsetzung der bildungswissenschaftlichen Anteile. Die GEW kritisiert die Verringerung der Qualität durch das Reduzieren der Prüfungsfächer und befürchtet eine schädliche Komprimierung des Lehrstoffs im Studium für das Grundschulamt. All diese Kritik sollte man ernst nehmen
(Beifall AfD)
und durch sie auf den Mobilitätsbeschluss der Kultusministerkonferenz vom März 2013 zurückschließen, der das Thüringer Bildungssystem nicht benachteiligen darf, was aber nun der Fall wäre. Andere Bundesländer setzen den Mobilitätsbeschluss der KMK jedenfalls weniger strikt um. Die AfD-Fraktion wird dem Gesetzentwurf nicht zustimmen, auch nicht dem Entschließungsantrag der FDP. Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.
(Beifall AfD)
