Franziska Baum
Gesetz zur Änderung des Thüringer Lehrerbildungsgesetzes
Vielen Dank. Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete, zu dem Gesetzentwurf selbst hat der Kollege Schaft schon ausreichend ausgeführt, das muss ich nicht weiter erläutern. Wir begrüßen diese Initiative, tragen den Gesetzentwurf also in der Form auch mit, wir möchten sie aber auch zum Anlass nehmen, um noch mal genauer in Sachen Lehrerbildung hinzuschauen. Deswegen haben wir einen Entschließungsantrag eingebracht. Erlauben Sie mir, dass ich dazu ein paar Worte verliere – so viele sind es bei unserer Fraktion auch nicht. Die Themen der Zukunft in der Ausbildung der Lehrerinnen und Lehrer betrifft natürlich – das haben wir auch in der ersten Debatte bereits gesagt – nicht nur das Grundschullehramt, sondern auch alle anderen Schularten. Das betrifft das Studium genauso wie das Referendariat, auch die Fortbildung und die Weiterbildung. Damit Schule relevant bleibt und den Schülerinnen und Schülern die Fähigkeiten vermittelt, die sie brauchen, um in der Welt von morgen und vor allem auch in der Welt von übermorgen klarzukommen, müssen die Lehrkräfte in ihrer professionellen Karriere mit diesen Themen auch aufwachsen und an den neuesten Entwicklungen dranbleiben. Sie müssen mit ihnen umgehen und sie in ihren Unterrichtsalltag einbinden können. Jetzt nicht unbedingt als besonderen Block, aber zumindest als Teil der Lebensrealitäten müssen sie mitgedacht und begriffen werden. Wir wollen, dass lebenslanges und zukunftsorientiertes Lernen im Schulsystem auch bei der Lehrerbildung angelegt ist. Die Art, wie wir Schule denken, hat sich seit Generationen nicht grundlegend verändert. Wenn Sie sich vor Augen führen, wie ein Klassenzimmer aussah, in dem Sie gesessen haben, dann wird sich das wahrscheinlich nicht groß von dem unterscheiden, was Ihre Eltern noch vor Augen haben. Aber die Transformationen, die wir heute erleben, sind so grundlegend, dass sie sich auch auf Schule auswirken und dass sie sich auch auf Schule auswirken müssen. Deshalb brauchen wir Lehrkräfte, die diesen Prozess fachlich begleiten, kritisch hinterfragen und positiv steuern. Das tun sie schon heute mit hohem Engagement, aber es ist in dem System der Ausbildung und der Weiterbildung so nicht angelegt. Wir Freien Demokraten wollen, dass die Landesregierung sich die gesetzlichen Rahmenbedingungen nicht nur im Zusammenhang mit dem Grundschullehramt, sondern generell einmal anschaut und dahin gehend analysiert, wo überall Themen, die uns in Zukunft beschäftigen werden, verankert gehören. Vielleicht steht das Gesetz einer Transformation der Lehrerbildung auch gar nicht überall entgegen und man kann ziemlich einfach abbilden, was schon Praxis ist. Die Uni Jena plant, ebenfalls die bildungswissenschaftlichen Inhalte zu erweitern und der Regelschulausbildung ein ähnliches Update zu verpassen. Solche Initiativen müssen systematisch unterstützt werden und sich im gesamten Bereich der Lehrerbildung konsistent auch abbilden lassen. Für uns Freie Demokraten heißt beste Bildung eben auch beste Bildung für unsere Lehrerinnen und Lehrer.
(Beifall FDP)
Dafür müssen diejenigen an Bord sein, die Lehrerinnen und Lehrer in ihrer Ausbildung betreuen. Das sind die Unis, das ThILLM, die Staatlichen Studienseminare, aber auch die Lehrkräfte und die Studierenden selbst, denn sie sollen sich gegenseitig unterstützen und bestärken. Dass die Arbeit der Zukunft in der Wirtschaft eine der Zusammenarbeit ist, darf auch an der Schule so sein. Gerade an den Thüringer Unis gibt es zukunftsweisende Forschungen in den Bildungs- und Erziehungswissenschaften. Davon profitieren natürlich die Studierenden, davon könnten aber auch die Lehrerinnen und Lehrer profitieren, die schon viel Erfahrung in der Praxis haben. Auch Frau Prof. Kirchhoff von der Uni Erfurt hat erst in diesen Tagen bei einer Anhörung im Bildungsausschuss betont: Egal, wie lange man in der Praxis arbeitet, um wirklich etwas Neues zu lernen, braucht es auch mal theoretische Impulse,
(Beifall FDP)
denn sonst bleibt man in der eigenen Erfahrung, so wertvoll sie auch ist, stehen. – Man braucht also Gelegenheit, die eigene Praxis zu hinterfragen und zu reflektieren. Das bringt tatsächlich neue Impulse und ist für jeden von uns wertvoll. Diese Chance müssen wir den Lehrerinnen und Lehrern auch geben. Dazu gehört natürlich auch, dass sich die Angebote in der Weiterbildung an der Lebensrealität von Lehrerinnen und Lehrern orientieren. Das heißt, auch zu akzeptieren, dass gerade die engagierten Lehrer unter ihnen ungern für Fortbildung Unterricht ausfallen lassen. Denn auch ihnen liegt es am Herzen, Unterrichtsausfall auf ein Minimum zu reduzieren. Somit müssen sich die Weiterbildungsangebote genau an diesen Zeiten orientieren. Mit unserem Entschließungsantrag wollen wir eine Anregung leisten, alle Akteure in Sachen Lehrerbildung für eine erfolgreiche und zukunftsweisende Reform derselben zusammenzubringen. Ich werbe für Ihre Zustimmung zu unserem Entschließungsantrag. Wir wollen, dass Lehrerbildung nicht nur zeitgemäß, sondern ruhig seiner Zeit ein bisschen voraus ist, damit in Schule Begeisterung für Zukunft und das eigene Wirksamwerden im Stoff, aber vor allem auch einfach pädagogisch zwischen den Zeilen vermittelt werden kann. Vielen Dank.
(Beifall FDP)
