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Denny Jankowski

AfD 30.09.2020 Sitzungen 7/24

e) auf Antrag der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN zum Thema: „Lernen für die Welt von morgen – Umsetzung des Digitalpaktes in Thüringen voranbringen“

Sehr geehrter Herr Präsident, werte Abgeordnete, liebe Eltern, Schüler am Livestream! Sehr geehrte Fraktion der Grünen, Sie sind die Fraktion, die sich in meinen Augen politisch am meisten gewandelt hat. Zumindest ist für mich nicht nachvollziehbar, wie Sie den Pfad beschreiten konnten, auf dem Sie jetzt stehen, insbesondere in Bezug auf Digitalisierung im Bildungssystem. Die FDP, die Union und auch die Linken sind bis jetzt immer sehr pragmatisch gewesen, Sie als Grüne waren das früher nicht immer. Sie nehmen aber mittlerweile eine Position ein, die ich nicht nachvollziehen kann. Damit Sie mich vielleicht ein bisschen besser verstehen, will ich mal kurz den Blick auf die Kindheit im Wandel der Zeit in Europa skizzieren. Zunächst haben wir da die Antike und ein Zitat von Cicero: Kindheit kann nicht gepriesen werden, nur ihr Potenzial. – Kinder wurden damals als kleine Erwachsene betrachtet, das zog sich durch das komplette Mittelalter. Kinder sollten möglichst früh auf das Erwachsenenleben vorbereitet werden. Sie sollten möglichst früh alles lernen, was sie für ihre spätere Rolle als Mann oder Frau brauchen, vor allem aber auch im Arbeitsleben. Dann kam die Aufklärung und hier ein richtiger Gedanke von Rousseau: „Die Weisesten halten sich an das, was für die Erwachsenen wichtig ist zu wissen, nur das soll unterrichtet werden; diese Weisen ziehen nicht in Betracht, was die Kinder zu lernen imstande sind. Sie suchen immer nach dem Erwachsenen im Kinde und denken nicht an das, was ein Kind ist, bevor es erwachsen wird“ – ein Kind. Sie, die Grünen, die eigentlich ursprünglichen Befürworter der Reformpädagogik, argumentieren hier mit der Notwendigkeit des Arbeitslebens und der Digitalität in der Lebenswelt der Erwachsenen. Sie stellen sich an die Speerspitze der Digitalisierung im Bildungssystem und sind kaum noch von der FDP darin zu unterscheiden. (Beifall AfD) (Zwischenruf Abg. Rothe-Beinlich, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Sie unterschätzen die Kinder!) Ja, digitale Medien und Computer sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken, sei es auf Arbeit oder auch im Privaten. Man kann stundenlang darüber reden, was man alles Tolles damit machen kann, und durch den ganzen Digitalisierungshype hier im Landtag werden wir darüber sicherlich noch die eine oder andere Stunde reden. Doch was alle Parteien von den Linken bis zur CDU machen, ist, sie übertragen die Erfahrungen, welche Erwachsene mit der Nutzung digitaler Medien sammeln, fast eins zu eins auf Kinder und Jugendliche. (Zwischenruf Abg. Henfling, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: So ein Quatsch!) Sie sehen den späteren Nutzen im Kind, das Humankapital und die angebliche Notwendigkeit, das Erwachsenenleben später nur meistern zu können, wenn man möglichst früh an viel aus der Erwachsenenwelt herangeführt wird. (Zwischenruf Abg. Rothe-Beinlich, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Haben Sie Kinder?) Sie sehen den Erwachsenen im Kind, aber nicht das Kind an sich. Ihr Impuls geht da in die falsche Richtung. Zunächst sollte man sich doch fragen, welchen Nutzen wir uns durch den Ausbau der Digitalisierung im Schulsystem versprechen, und nicht die Digitalisierung um der Digitalisierung willen vorantreiben, wie es die FDP so ganz gerne macht. (Zwischenruf Abg. Baum, FDP: Die Antwort gibt es schon, die Antwort ist schon da!) Obwohl viele Länder weltweit schon deutlich weiter sind, was die Digitalisierung im Bildungssystem angeht, konnte keine Studie bisher einen positiven Effekt von Digitalisierung im Schulsystem auf die Lernerfolge signifikant und vor allem nachhaltig nachweisen. Es konnten lediglich kurzfristig höhere Motivationen festgestellt werden, sich mit neuen Geräten zu beschäftigen und damit auch ein bisschen mehr mit den Lerninhalten. Langfristig jedoch konnte nur festgestellt werden, dass im besten Fall die Digitalisierung keine negativen Auswirkungen auf die Schülerleistung hat. (Zwischenruf Abg. Rothe-Beinlich, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Schreien Sie nicht so!) Digitale Medien bieten halt kein ganzheitliches Lernen. Sie funktionieren vor allem visuell und bieten keine Haptik. Und konsumierte Inhalte bieten vor allem keinen Spielraum für Konzentration und Vorstellungsvermögen. Aber alles, über das man weniger nachdenken muss, prägt sich schlechter ein und wird umso weniger gelernt und auch verstanden. (Zwischenruf Abg. Rothe-Beinlich, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Sie nutzen Ihren Laptop auch nur als Buchstütze!) Deswegen ist es auch ein Irrglaube, dass die Herausgabe von Tablets an alle Schüler zu mehr sozialer oder auch mehr Bildungsgerechtigkeit führen würde. Genau das Gegenteil ist der Fall – Sie tun den Kindern damit nichts Gutes. (Beifall AfD) (Zwischenruf Abg. Rothe-Beinlich, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Schützt die Kinder vor den Laptops!) Vor allem darf man die Digitalisierung nicht unter dem Vorwand der Schulschließungen infolge des Corona-Lockdowns vorantreiben. Wenn die Schulschließungen eins gezeigt haben, dann, dass nicht die mangelnde Digitalisierung das größte Problem gewesen ist. Probleme waren die Distanz zwischen den Schülern und den Lehrern, dass die Kinder und Jugendlichen keinen Kontakt zueinander hatten, und vor allem der Austausch und das Gespräch fehlte. Die Schüler brauchen den direkten Kontakt zueinander und vor allem brauchen sie den Kontakt zu ihren Lehrern. Da hilft kein unpersönliches und steriles Lernen am Bildschirm. (Beifall AfD) Ja, man sollte vorbereitet sein für den Fall, dass die Schulen wieder geschlossen werden müssen – aus welchen Gründen auch immer. Aber der bisher einmalige Vorgang der Schulschließung darf nicht der Maßstab sein, um daran unser ganzes Bildungssystem auszurichten. Vielen Dank. (Beifall AfD) (Unruhe BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

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