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Matthias Hey

SPD 30.09.2020 Sitzungen 7/24

b) auf Antrag der Fraktion der SPD zum Thema: „Schließung des Druckzentrums Erfurt verhindern und Arbeitsplätze sichern“

Vielen Dank. Frau Präsidentin, meine sehr geehrten Damen und Herren, was ich hier hochhalte, ist nicht einfach nur eine Tageszeitung, das ist ein Kulturgut. Das sage ich nicht, weil ich Offsetdrucker und diesem Produkt sehr verbunden bin, sondern weil eine Zeitung seit mehr als dreieinhalb Jahrhunderten ein Medium ist, das mit Buchstaben, also buchstäblich diese Welt prägt und verändert. Das tut sie auch von Erfurt aus. Unweit von hier, in Erfurt-Bindersleben, werden täglich mehr als 200.000 dieser Tageszeitungen gedruckt, 800.000 pro Woche an Anzeigenblättern in übrigens sehr guter Qualität. Aber das Ganze soll Ende 2021 ein Ende haben. Die FUNKE Mediengruppe hat die Beschäftigten dort informiert: Das Druckhaus soll geschlossen werden. Der Grund, so sagt das die Geschäftsleitung, ist ein eher strategischer. Man will bei sinkenden Auflagezahlen nicht mehr mit einer zweistelligen Millionenhöhe in eine neue Drucktechnik, in neue Druckmaschinen investieren. In Erfurt gibt es teilweise Technik, die leider schon fast drei Jahrzehnte alt ist. Jetzt werden Sie fragen: Woher kommt dann unsere Zeitung? Auch da gibt es eine Antwort. Die wird dann beispielsweise in Braunschweig oder einem weiteren Standort gedruckt. Thüringen würde damit zu einem weißen Fleck bei der Herstellung von Tageszeitungen hier in der Bundesrepublik. Aber dieses Vorgehen wirft auch Fragen auf. In anderen Druckereien der FUNKE Mediengruppe wurde nämlich in den letzten Jahren sehr wohl investiert – allein in Hagen unseres Wissens 20 Millionen Euro in den letzten Jahren. Trotz der relativ hohen Auflage hat man an anderen Standorten, zum Beispiel in Thüringen, kein Geld angefasst. Warum? Wenn man Zeitungen außerhalb Thüringens produzieren lässt, wird es außerdem zu einem Qualitätsunterschied kommen. Nicht etwa, weil die Zeitung dann auf schlechterem Papier oder mit schlechterer Farbe gedruckt wird, aber es wird ein Problem mit der Auslieferung geben, weil sie die von A nach B bringen müssen. Das bedeutet, dass sie entweder zwei Varianten haben: Sie können die Zeitung in ihrem Mantel früher andrucken, dann fehlen aber zum Beispiel bestimmte Sportereignisse, die am Abend stattfinden. Oder sie landet eben später in den Briefkästen. Und unternehmerisch stellen sich weitere Fragen, die wir auch haben: Kann die Gesamtauflage – 200.000 Tageszeitungen täglich, 800.000 Anzeigenblätter – tatsächlich problemlos ohne weitere Investitionen an anderen Standorten einfach so übernommen werden? Denken Sie bitte auch mal an die tagtäglichen Kosten der Logistik. Sie müssen 200.000 Stück ja ständig mit einer Flotte quer durch die Republik fahren. Da gibt es einen interessanten Fakt. Die Gewerkschaft hat das schon mal durchgerechnet. Die sagt: Eine Investition in eine neue Druckmaschine würde sich nach rund sechs Jahren durch die Abschreibung amortisieren. Wenn man aber alle Kosten bei Verlagerung des Druckstandorts mit in Betracht zieht, wäre diese Amortisation erst in sieben Jahren möglich. Und das Allerwichtigste: Es stehen 270 Arbeitsplätze auf dem Spiel. 270 Menschen mit ihren Familien hier in der Region sind betroffen. Das sind Leute, die sich identifizieren mit dem, was sie da täglich machen, und die auch sagen: Das ist fast wie ein Familienunternehmen. Ich habe mit Leuten gesprochen, die gesagt haben: Mein Vater war damals dabei, als Helmut Kohl dieses Druckzentrum, dieses Druckhaus mit eröffnet hat. Da bin ich bei einem sehr schönen Thema. Wir haben in den beiden nächsten Aktuellen Stunden wieder das Thema „30 Jahre deutsche Einheit“ mit allem Für und Wider. Und drei Jahrzehnte später haben wir wieder dieselbe Geschichte: So eine Zeitung kostet 1,70 Euro am Tag, die „Thüringer Allgemeine“. Da soll also im Westen demnächst etwas produziert werden, was dann hier im Osten verkauft werden soll. Das heißt, im Westen wird investiert, hier werden Arbeitsplätze abgebaut. Das ist dieselbe Leier, die die Leute auch jetzt noch im dritten Jahrzehnt der deutschen Einheit hören. Unser Appell an die Geschäftsführung der FUNKE Mediengruppe und auch an Frau Julia Becker ist daher: Überdenken Sie diese Entscheidung, die Sie den Beschäftigten dort mitgeteilt haben, noch einmal dringend – vor allem in einer Hinsicht: Printmedien sind aktuell unter Druck. Wir wissen, dass die Auflagen sinken, wir wissen aber auch, dass Zeitungen mittlerweile digital gedacht werden. Genau da bin ich an dem Punkt, weil dieses Bundesland dafür die richtige Antwort hat. Wir sind mit unseren Fachschulstandorten, mit unseren Universitäten, mit erfolgreichen Startup-Unternehmen auch im Bereich der Medientechnologie und des Mediendesigns für genau dieses Thema ein exzellenter Standort. Deswegen unsere Aufforderung an die FUNKE Mediengruppe: Denken Sie bitte diese beiden Schienen unbedingt zusammen, kombinieren Sie klug eine Investition im Printbereich im Druckhaus in Bindersleben, aber auch Innovationen im digitalen Bereich. Das gilt übrigens für die gesamte Produktpalette der FUNKE Mediengruppe. Dafür stehen wir sehr gern Gewähr. Dafür wären im Übrigen, glaube ich, auch bestimmte Fördermittelinstrumentarien hier im Freistaat Thüringen mit da und die Politik steht da ohnehin dahinter. Wir können hier an dieser Stelle versichern, meine sehr geehrten Damen und Herren, dass wir jetzt im Arbeitskampf fest an der Seite derer stehen, die in Erfurt-Bindersleben diesen Standort erhalten wollen, weil wir der festen Überzeugung sind: Diese Zeitung ist von Thüringern für Thüringer gemacht worden und sie muss deshalb auch weiterhin in Thüringen gedruckt werden. Wir danken Ihnen. (Beifall DIE LINKE, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

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