Franziska Baum
d) auf Antrag der Fraktion der CDU zum Thema: „Belastung der Thüringer Eltern beenden – Rückkehr zur Normalität in Kindergärten und Schulen ermöglichen“
Vielen Dank. Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete, liebe Zuschauerinnen und Zuschauer, das Schöne an solchen weiten Überschriften bei den Aktuellen Stunden ist ja, jeder kann sich so den Punkt herausnehmen, den er besonders interessant findet. „Rückkehr zur Normalität in Kindergärten und Schulen ermöglichen“ – die erste Frage, die sich mir dazu auftat, war die Frage: Zurück in welche Normalität darf es denn sein? In die Normalität, wo wir sanitäre Anlagen in den Schulen haben, die definitiv nicht an die Anforderungen einer pandemischen Lage angepasst sind? Oder in der es Computerkabinette mit Rechnern gibt, die schon seit drei Jahren keiner mehr hochgefahren hat, weil gar keiner das Passwort kennt, geschweige denn sich auf die fünf Stunden Update einstellen möchte? Oder die Normalität, in der die Schülerinnen und Schüler am Schultor das Smartphone abgeben und damit auch die digitale Welt komplett außen vor bleibt? Das wäre jetzt aus meiner Sicht nicht so richtig die Normalität, in die ich zurückkehren wollen würde. Wie wäre es denn mit einer Normalität, in der sich die Erfahrungen, die wir in den letzten Wochen gemacht haben, wiederfinden? Schulen mit funktionierenden Warmwasserwaschgelegenheiten zum Beispiel oder offizielle datenschutzkonforme Kanäle für die Kommunikation zwischen Lehrkräften, Eltern und Schülern, ohne dass der Datenschutzbeauftragte da auf der Matte steht, oder eine Normalität, in der Lehrerausfall damit kompensiert werden kann, dass Aufgaben in digitaler Form übergeben werden, dass digitale Tafelbilder auch nach der Unterrichtsstunde noch zur Verfügung stehen, dass der Lernentwicklungsstand zum Beispiel digital abgefragt werden kann oder Experten per Videokonferenz in den Unterricht eingebunden werden? Das ist eine Normalität, die ich ganz schön fände, wenn wir dazu vorangehen und nicht zurückkehren. Corona war eine harte Zeit für alle, die Schule gestaltet haben: Eltern, Schülerinnen und Schüler, die Pädagoginnen und Pädagogen vor Ort. Kreativität und Einsatz auf allen Seiten haben gezeigt, was möglich ist, was geht. Und natürlich können wir es uns jetzt einfach machen und die Schulen wieder so öffnen, als hätte es Corona nicht gegeben und als wäre es nicht noch da. Es gibt mittlerweile Studien, die das Risiko ein bisschen relativieren. Einer MDR-Umfrage entnehme ich, dass die große Mehrheit der Bevölkerung einer vollständigen Öffnung der Schulen durchaus positiv gegenübersteht. Auch wir Freien Demokraten wünschen uns, dass Schule wieder Schule ist und die Familien wieder auf Kindergartenbetreuung in vollem Umfang zurückgreifen können. Nur dieses Thema „Rückkehr“ gefällt mir in der Sache nicht. Dafür sind die Erkenntnisse, die wir sowohl in Sachen „Pandemie“ als auch in Sachen „neue Unterrichtsformen“ gewonnen haben, einfach zu wertvoll. Lassen Sie uns die bitte lieber nutzen. Lassen Sie uns eine Schule kreieren, die modern ist, die digital ist, die vor allem aber sicher ist, und zwar sicher in Sachen „Datenschutz“, sicher in Sachen „Gesundheitsschutz“ und sicher in Sachen „Chancengerechtigkeit“. Wir haben gesehen, woran es hängt. Lassen Sie uns die Schulen jetzt auf Vordermann bringen und damit eine – in Anführungszeichen – Normalität schaffen, die Zukunft atmet. Eine schnelle Umsetzung von Schulbaumaßnahmen wäre eine Sache, damit wir sanitäre Anlagen haben, mit denen die Hygienevorkehrungen sichergestellt werden können; eine digitale Infrastruktur, Internetanschlüsse, aber auch Ausstattung für die Implementierung digitaler Unterrichtsmethoden. Dann braucht es auch noch viel Organisatorisches: Raum und Zeit für die Lehrkräfte, sich weiterzubilden, die Ideen, die entwickelt worden sind, auf fundierte Füße zu stellen, sich auszutauschen und auch einfach mal Sachen in der Schule auszuprobieren. Vieles wird ein bisschen länger dauern. Manche Dinge können wir kurzfristig umsetzen. Sommerferien sind ja immer so eine Zeit, wo man versäumten Stoff nachholt. Liebe Landesregierung, liebe Kolleginnen und Kollegen, nutzen wir die Sommerpause für die strategischen Weichenstellungen, aber auch für die Planung des neuen Schuljahres. Die Schulleitungen und die Kitaleitungen vor Ort brauchen jetzt Klarheit und Sicherheit. Es muss so schnell wie möglich klargestellt werden, wie das neue Schuljahr organisiert werden soll, vor allem welche Szenarien es gibt, falls die Infektionszahlen steigen, also einmal einen Plan für gutes Wetter und einen Plan für schlechtes Wetter. Der mögliche Übergang zum Distanzunterricht zum Beispiel braucht einen neuen und diesmal einen einheitlichen Rahmen, der auf den Erfahrungen der letzten Wochen basiert. Welche digitalen Möglichkeiten können wir darüber hinaus einbinden, um Schülern zu helfen, die in den letzten Wochen ein bisschen zurückgefallen sind, damit sie verpasste Lerninhalte aufholen können? Es gibt eine ganze Reihe Vorschläge von den Verbänden. Sechs Wochen gehen schnell vorbei. Fangen wir also besser früh an und nutzen die Chance, die uns die Pandemie geboten hat, damit die Rückkehr zur Normalität doch eher ein Aufbruch in die Zukunft ist. Vielen Dank.
