Dirk Bergner
b) auf Antrag der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN zum Thema: „Die Klimakrise macht keine Corona-Pause – EURatspräsidentschaft auch in Thüringen für Investitionen in eine krisenfestere Zukunft nutzen“
Werte Präsidentin, liebe Abgeordnete, liebe Zuschauer am Livestream, ich möchte sagen, danke, dass Sie dieses Thema heute auf die Tagesordnung gebracht haben. Mir persönlich ist es ein Herzensbedürfnis, hier in diesem Zusammenhang darauf hinzuweisen, dass wir ganzheitliche Ansätze brauchen, um hier zu handeln. Die Corona-Krise und auch die Klimadiskussion haben aus meiner Sicht etwas gemeinsam. Aus Angst treffen Menschen emotional angeheizt Entscheidungen, die Aktionismus darstellen. Stattdessen ist es wirklich wichtig, fakten- und datenbasiert einen offenen Diskurs ohne Vorurteile zu führen. Lassen Sie mich das am Beispiel unserer Thüringer Wälder betrachten. Ich habe das hier in diesem Hause schon einmal gesagt: CO ist kein Schad2 stoff, CO ist ein Rohstoff. CO muss in den Kreis2 2 lauf gebracht werden und dazu benötigen wir Bäume. Ein Drittel bis knapp die Hälfte des in Thüringen entstehenden CO wird durch unsere Wälder 2 absorbiert. Daher muss ich sagen, es ist für mich erschreckend, was ich in den letzten Tagen gelernt habe, zu erfahren, dass die Investitionen zur Walderneuerung unter der rot-rot-grünen Regierung von 5 Millionen Euro in 2014 auf 2,3 Millionen Euro in 2019 gesunken sind, und das, obwohl wir einen angestiegenen Schädlingsbefall und eine starke Erkrankung unserer Wälder haben. Für mich ist das Klimaproblem nur in den Griff zu bekommen, wenn wir die Komplexität der Fragestellung ins Auge fassen. Hier muss differenziert gehandelt werden. Es gibt kein Allheilmittel. Wir brauchen ein ganzheitliches Konzept „Mensch, Natur und Technik“. Was können wir aus der Corona-Krise lernen? Die Pandemie hat einen noch nie da gewesenen industriellen Lockdown, einen Lockdown der Wirtschaft produziert. Und was haben wir festgestellt? Dass zum Beispiel der Feinstaub beim Lockdown an den Messstellen überhaupt nicht zurückgegangen ist. Hier muss ich als Naturwissenschaftlerin sagen: Wir müssen die Annahmen, die bisher getroffen sind, auf den Prüfstand stellen und wir müssen neu denken, wir müssen herauskriegen, wo denn die wirklichen Stellschrauben sind, um unser Klima zu retten. Es ist wichtig, dass mit den Erkenntnissen, den Zahlen, Daten, Fakten neue Wege beschritten werden. Ganzheitliche Ansätze sind ganz wichtig. Und, Herr Gleichmann, an der Stelle bin ich bei Ihnen: Kleiner, dezentral, das ist ein guter Lösungsansatz. Das kann für uns hier in Thüringen ein Weg sein, denn wir haben hervorragende Voraussetzungen für klein und dezentralisiert. Es ist auch wichtig, dass wir nicht an alten Beschlüssen festhalten, nur um an den Beschlüssen der Sache wegen festhalten zu müssen.
(Zwischenruf Abg. Schubert, DIE LINKE:
Welche meinen Sie denn da?) In diesem Zusammenhang möchte ich noch mal an alle appellieren, den Beitrag in Thüringen zu erneuerbaren Energien nicht durch Rodungen von Bäumen und Betonieren von Waldböden zugunsten von Windenergieanlagen zu realisieren, sondern
