Dr. Heesen
Weitere Stärkung und Entwicklung der pädagogischen Arbeit an den Thüringer Regel-, Gemeinschafts- und Gesamtschulen
Herr Präsident, sehr geehrte Abgeordnete, im Mittelpunkt der Arbeit meines Hauses steht die beste Bildung für alle, für alle Schülerinnen und Schüler in allen in Thüringen vorhandenen Schularten. Dazu zählen selbstverständlich die Regelschulen, die Gemeinschafts- und die Gesamtschulen. Wir wollen im Rahmen der schulischen Bildung jede Schülerin, jeden Schüler optimal und individuell auf das Leben nach dem Schulabschluss, auf die berufliche Ausbildung oder das Studium vorbereiten. Aus diesem Grund freuen wir uns auf die intensiven Beratungen im Bildungsausschuss über die Grundsätze und Schwerpunkte der Schulpolitik. Bereits heute möchte ich kurz auf verschiedene Punkte des Antrags eingehen. Ich hatte allerdings dazu aus meinem Haus 59 Seiten Redemanuskript, die werde ich nicht vollständig vortragen.
(Beifall DIE LINKE)
Sie verzeihen, dass ich nur zu einzelnen Punkten Stellung nehme.
(Zwischenruf Abg. Bergner, FDP: Alter Trick!)
Ich beginne also mit Punkt 2 des Antrags, dem fächerübergreifenden, praxisorientierten Unterricht. Wir fördern und unterstützen das individuelle praxisorientierte Lernen und kooperieren dazu auch mit außerschulischen Partnern. Zurzeit gibt es insbesondere einen handlungs- und projektorientierten Praxisunterricht in den Klassenstufen 7 und 8 sowie in der individuellen Abschlussphase in den Klassenstufen 9 oder im zusätzlichen 10. Schuljahr. Gern prüfen wir, ob und wo genau eine weitere Stärkung dieses praxisorientierten Unterrichts sinnvoll wäre. Zu der Nummer 4 des Antrags, den Fachleitern: Dazu als Hintergrund, es gibt derzeit zwei Arten von Fachleitern, die sich von ihren Aufgaben her unterscheiden. Das sind einerseits die Fachleiter für die Ausbildung in den Ausbildungsfächern und andererseits die Fachleiter für Pädagogik. Die Fachleiter für Ausbildungsfächer sind im dreistelligen Bereich. Das halten wir für ausreichend. Allerdings ist die Anzahl der Fachleiter für Pädagogik kleiner. Und wenn wir uns – was wir begrüßen – auf die Agenda setzen, die Studienseminare zu stärken, müssten wir den Fachleitern für Pädagogik Stellen an den Studienseminaren schaffen. Dazu sind eine Änderung des Thüringer Besoldungsgesetzes und die Ausbringung entsprechender Stellen im Haushaltsplan und im Stellenplan bei den Studienseminaren unabweisbare Grundvoraussetzung. Das bitte ich, in den anstehenden Haushaltsberatungen zu beachten. Ich komme zu Ziffer 6, Vorschlag für ein Landesprogramm „Erfolgreich zum Abschluss“ und die Problematik der beruflichen Orientierung. Dazu möchte ich kurz sagen: Derzeit arbeiten wir nach der „Landesstrategie zur praxisnahen Berufsorientierung“ mit verschiedenen Bausteinen. Klar ist auch für unsere Arbeit: Die berufliche Orientierung erzielt dann die größten Erfolge, wenn alle Angebote aufeinander abgestimmt sind. Die Ziele, die im Antrag genannt werden – zusätzliches Personal für Praxisklassen bzw. -kurse, Schwerpunktbildung und Vernetzung und Zusammenarbeit der Schulen –, teilen wir und prüfen gern, ob sie sich im Rahmen eines Landesprogramms besser als heute verfolgen lassen. Wozu ich hier auch noch kurz etwas sagen möchte, ist die Nummer 7 des Antrags, die Sozialindexbasierte Ressourcenzuweisung: Wir haben das Thema „Sozialindex“ bereits im Dialog Schule 2030 bearbeitet und sehen, dass die Einführung einer sozialindexbasierten Ressourcenzuweisung neben den für die Kommunen vorliegenden Faktoren – Anzahl der Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf Lernen und Deutsch als Zweitsprache – Berücksichtigung finden soll. Welche konkreten Faktoren dabei berücksichtigt werden müssen, ist noch genauer zu analysieren. Wir würden das gern auch mit den Entwicklungen der einzelnen Schulen verknüpfen. Zu Ziffer 9 – das wurde hier auch angesprochen –, früheres Einsetzen des Fachs Sozialkunde: Herr Minister Holter hat bereits im Jahr 2018 einen Prüfauftrag ins Haus gegeben, ob und in welcher Ausprägung die Unterrichtszeiten für die Fächer Sozialkunde und Geschichte in den Regelschulen, Gemeinschaftsschulen und Gesamtschulen ausgeweitet werden sollten. Wir sehen, dass es dafür wissenschaftlich fundierte Befunde braucht, und deshalb untersucht der Lehrstuhl für Didaktik der Politik an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, Herr Prof. Michael May, derzeit an 20 allgemeinbildenden und weiterführenden Thüringer Schulen folgende Frage: Gibt es empirische Indizien dafür, dass eine Erhöhung der Unterrichtszeit des Fachs Sozialkunde zu einem besseren Lernerfolg führt? Diese Untersuchung läuft. Wir rechnen im Herbst mit Ergebnissen und werden daraus weitere Maßnahmen zur wirksamen Stärkung der Demokratie- und Menschenrechtsbildung ableiten. Wir sind ja aufgefordert, einen Bericht zum Ende des Jahres zu erstatten, den wir natürlich auch gern erstatten und in dem wir dann die Untersuchungsergebnisse und unsere Schlussfolgerungen hoffentlich vorstellen können. Letzter Punkt und gerade in den letzten Monaten auch von besonderer Dringlichkeit – Sie haben dazu im Haus auch noch einen eigenen Antrag zu besprechen, zu dem wir auch reden werden: Digitalisierung. Unabhängig von Corona ist der Stellenwert der Medienbildung gewachsen. Wir haben das Ziel, Schülerinnen und Schülern im Unterricht die erforderlichen Kompetenzen zu verschaffen, um im digitalen Zeitalter erfolgreich teilzuhaben und das auf fachlich hohem Niveau. Deshalb werden derzeit die allgemeinen Grundsätze moderner Medienbildung überarbeitet und angepasst. Das ThILLM hat dazu bereits Leitgedanken entwickelt. Allerdings hat sich die Veröffentlichung dieser Leitgedanken verzögert und ist nun für das III. Quartal 2020 geplant. Diese neuen Leitgedanken orientieren sich an den Zielen der KMK-Strategie „Bildung in der digitalen Welt“. Die Leitgedanken werden die Kompetenzen beschreiben, die die Schülerinnen und Schüler in einer digitalen Welt brauchen. Parallel dazu erarbeitet das ThILLM ein Konzept und auch schon die Eckpunkte für den Lehrplan für ein neues Fach mit dem Arbeitstitel Medienkunde/Informatik. Auch da sind Ergebnisse bis Ende des Jahres 2020 zu erwarten und können auch Teil des von uns geforderten Berichts sein. Das sind Schritte für die Zukunft. Ich möchte nicht unerwähnt lassen, dass bereits heute in allen Schularten das Fach Medienkunde Pflichtfach ist und das Fach Informatik Wahlpflichtfach und dass außerdem digitale Kompetenzen im Fachunterricht vermittelt werden. Allgemein werden wir die Inhalte der Digitalstrategie Thüringer Schulen fortführen und evaluieren und daraus Schlüsse für die weitere Entwicklung aller Schulen ziehen. Ein weiterer wichtiger Baustein ist das Angebot einer Bildungsplattform. Hierzu werden wir noch bei dem gezielten Antrag zum digitalen Lernen sprechen. Dieses Angebot ist durch die aktuellen Ereignisse bereits jetzt über den zunächst angedachten Projektstatus weit hinausgeschritten und steht allen Thüringer Schulen zur Verfügung. Jetzt bleibe ich sogar unter der Redezeit. Wie gesagt, ich könnte zu allen Punkten noch deutlich mehr sagen, aber ich komme jetzt zum Schluss. Wir werden das im Ausschuss auch alles ausführlich beraten und mit Experten und Expertinnen sprechen. Ich freue mich auf diese Diskussion und versichere Ihnen, dass alle Punkte, die im Antrag genannt werden, von uns ernst genommen und bearbeitet werden und Sie werden das Ende des Jahres unserem Bericht hoffentlich entnehmen können. Danke schön.
(Beifall DIE LINKE, SPD, BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN)
