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Franziska Baum

FDP 18.06.2020 Sitzungen 7/17

Weitere Stärkung und Entwicklung der pädagogischen Arbeit an den Thüringer Regel-, Gemeinschafts- und Gesamtschulen

Herr Präsident, sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete, der vorliegende Antrag beinhaltet eine ganze Reihe interessanter Vorschläge, Schule zu verbessern: Berufsorientierung, Karriereoption für Lehrkräfte, Digitalisierung, Lehrerausbildung. Wir sind jetzt nicht von allen Vorschlägen überzeugt, zum Beispiel ob die schulstufenbezogene Ausbildung für ein Mehr an Lehrkräften in den Regelschulen, Gesamtschulen und Gemeinschaftsschulen sorgen wird, da lasse ich mich dann gern von den Leuten aus der Praxis eines Besseren belehren. Wovon ich aber überzeugt bin, ist, dass erkennbare Profile in den Regelschulen, den Gemeinschaftsschulen und Gesamtschulen dafür sorgen, dass sie für Lehrkräfte wieder interessant werden. Und Berufsorientierung und die Förderung von Berufsorientierung gehört aus meiner Sicht genau zu solch einer Art Profilbildung. Die Verzahnung von Schule und Praxis, die Kooperation mit der Thüringer Wirtschaft ist ein Thema, das uns freien Demokraten schon immer besonders am Herzen liegt und gelegen hat. Wir schaffen mit dieser Verbindung eine Grundlage für die Zukunft der Wirtschaft in Thüringen und wir schaffen vor allem auch Perspektiven für die jungen Menschen, die hier in der Heimat ein Berufsleben aufbauen wollen und nun dadurch auch erfahren, welche Möglichkeiten ihnen in Thüringen da zur Verfügung stehen. Insofern unterstützen wir es sehr, dass hier über den Fokus der Berufsorientierung weiter nachgedacht und dieser gestärkt wird. Aktuell lebt Berufsorientierung wie auch viele andere Sachen, die nicht direkt zum Lehrplan gehören, vom persönlichen Engagement der Lehrkräfte – einem Engagement, das nicht selbstverständlich ist. Wir wollen aber gerade in diesen Schulen engagierte Lehrerinnen und Lehrer und deswegen ist es uns wichtig, die Attraktivität des Lehrerberufs zu steigern. Das haben wir schon bei dem Antrag der CDU im letzten Plenum besprochen. Auch Lehrkräfte brauchen aus unserer Sicht Karriereoptionen. So wie Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in allen Bereichen wollen auch Lehrerinnen und Lehrer wachsen und sich weiterentwickeln, vorankommen im eigenen Berufsfeld, ohne sofort in ganz andere administrative Aufgaben rutschen zu müssen. (Beifall FDP) Wenn auch nur ganz knapp, sprechen Sie das Thema „Digitalisierung“ an, ein Thema, das uns – das wissen wir seit der Corona-Krise – schon viel eher und viel intensiver hätte beschäftigen müssen. Wir haben dazu auch in diesem Plenum einen Antrag eingebracht, den wir als ersten Aufschlag verstehen, wie das digitale Unterrichten im Anschluss an die Erfahrungen aus den Schulschließungen in einen Rahmen gepackt werden können. Aus unserer Sicht ist aber für die Entwicklung dieser Digitalisierung in den Schulen besonders wichtig, die Zusammenarbeit mit den Lehrerinnen und Lehrern anzustreben. (Beifall FDP) Ich habe mit Freude gehört, dass das Ministerium die Eltern und Schüler befragt hat, wie sie denn das Distanzlernen erlebt haben. Ich weiß es nicht, aber ich hoffe, dass auch die Lehrer dazu befragt worden sind, denn deren Erfahrungen und Erkenntnisse brauchen wir unbedingt. Was unsere Bildungslandschaft braucht, ist in der Tat außerdem eine Einrichtung, ein Institut, ein Netzwerk, in dem die Innovation des Schulsystems vorangebracht werden kann. Ich freue mich, dass die Rahmenverbindungen aus dem vorigen Tagesordnungspunkt den Aufschlag bringen, um die Zusammenarbeit zwischen ThILLM und den Thüringer Hochschulen einen Schritt voranzubringen. In einem vorigen Gespräch dazu habe ich leider erfahren müssen, dass sich das ThILLM zwar mit Innovationen in der Schule beschäftigt, aber nur in Zusammenarbeit mit Hochschulen aus anderen Bundesländern und nicht mit denen aus Thüringen. Ich fände es schade, wenn das so bleibt. Sie wissen es, wir Freie Demokraten stehen für das Konzept der selbstverantwortlichen Schule, eine Schule, die weitgehend pädagogische, finanzielle und personelle Freiräume hat, eine Schule, die ihr eigenes Profil gestaltet. Und wir stehen für ein vielfältiges Schulsystem, das sicherstellt, dass jedes Kind eine Schule findet, die wirklich gut zu ihm oder ihr passt. Eine solche Schule hat den Freiraum, selbst über Fragen wie jahrgangsübergreifenden Unterricht oder Schaffung von multiprofessionellen Teams zu entscheiden. Das Schulbudget ist dazu im Prinzip ein Schritt in die richtige Richtung, also in Richtung Selbstverantwortlichkeit, aber auch da sehen wir in der Praxis noch einige Schwächen. Dadurch dass zum Beispiel Lehrkräfte selbst nicht berücksichtigt werden können, ist die Frage, ob das nicht ihr Engagement im Zusammenhang mit Arbeitsgemeinschaften zumindest etwas dämpfen kann. Darüber hinaus kritisieren wir deutlich – das wird Sie jetzt nicht wundern – den bürokratischen Aufwand, der im Zusammenhang mit dem Schulbudget steht. Damit meine ich jetzt gar nicht mal die grundlegende Frage, warum die Schule das Geld nicht selbst verwalten kann, sondern erstens den Aufwand im Zusammenhang mit Honorarverträgen und den damit verbundenen Ausschreibungen für den Nähzirkel und zweitens auch die Tatsache, dass die Gelder zum Beispiel nach Haushaltsjahren abgerechnet werden und nicht nach Schuljahren. Mir ist klar, irgendeiner muss das umrechnen, die Frage ist: Muss das die Schule sein oder nicht vielleicht die Verwaltung? Ja, wir müssen Schule neu denken, Schule insgesamt, Regelschule, Gesamtschule, Gemeinschaftsschule, aber auch Gymnasium – nicht, das einer denkt, die gäbe es nicht mehr. Alle unsere Schulen brauchen Flexibilität und Freiraum, um Innovationen vorantreiben zu können, sei es im Bereich der Schulentwicklung oder auch in meinem Lieblingsbereich, in der Digitalisierung. Danke schön. (Beifall FDP)

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