thueringer-landtag.de ↗

Christian Tischner

CDU 18.06.2020 Sitzungen 7/17

Weitere Stärkung und Entwicklung der pädagogischen Arbeit an den Thüringer Regel-, Gemeinschafts- und Gesamtschulen

Herr Präsident, meine sehr geehrten Damen und Herren, ich will mal zurückkommen auf den Antrag und versuchen, auch zum Antrag zu sprechen, nicht irgendwo in der Geschichte herumzuwühlen und das zu erzählen, was einem gerade so durch den Kopf geht. (Beifall DIE LINKE, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Der vorliegende Antrag der regierungstragenden Fraktionen lehnt sich ja an eine Thematik an, die wir als CDU-Fraktion bereits seit zwei, drei Jahren sehr intensiv hier begleiten. Wir sind froh, dass die Koalitionsfraktionen jetzt auch einen eigenen Antrag zum Thema „Regelschulen, Gemeinschaftsschulen, Ganztagsschulen, Gesamtschulen“ vorlegen, und freuen uns – das ist ja das Ziel –, dass wir das dann im Ausschuss gemeinsam mit dem Antrag beraten können, den wir bereits vor einigen Monaten vonseiten der CDU-Fraktion hier vorgelegt haben. Deswegen möchte ich auch auf die Debatte verweisen, die wir vor einigen Monaten geführt haben, wo wir uns als CDU-Fraktion noch mal sehr intensiv starkgemacht haben für das Herzstück unseres Schulsystems, nämlich für die Thüringer Regelschule. Die Thüringer Regelschule, aber auch die Gemeinschafts- und Gesamtschulen, die ja zum Großteil eigentlich Regelschulen sind bzw. auf diesen aufbauen, stehen in vielen Bereichen – und das ist schon gesagt worden, interessanterweise auch im Antrag von Rot-Rot-Grün benannt – vor großen Herausforderungen. Genau darauf haben wir jahrelang hingewiesen, dass gerade diese Schulart mit Inklusion, mit Lehrermangel, mit der Integration von Kindern mit Migrationshintergrund, aber auch gerade mit der heterogenen Schülerschaft stark herausgefordert ist. Aus diesem Grund müssen wir ein besonderes Augenmerk auf das Herzstück unseres Schulsystems legen. Das sind aus unserer Sicht die Regelschulen. Ich habe in der letzten Debatte schon gesagt, dass ich das Gefühl habe, wir reden hier manchmal nur über die Begrifflichkeit, die wir „Schule“ nennen, und meinen eigentlich im Kern das Gemeinsame. Vielleicht sollten wir uns einfach darauf verständigen: Wir haben die Thüringer Regelschule. Sie hat das Thüringer Bildungssystem stark gemacht. Aber es sind natürlich mittlerweile auch in unserer Regelschule viele Konzepte drin, die auf Gemeinsames Lernen, die auf Ganztag orientiert sind. Wenn wir in dieser Richtung – glaube ich – auch im Ausschuss argumentieren und trotzdem unsere Regelschule nicht fallen lassen, kommen wir auch sehr schnell zu gemeinsamen Ergebnissen. Der Fokus in den letzten fünf Jahren unter Rot-RotGrün lag klar auf dem weiteren Ausbau der Thüringer Gemeinschaftsschule. Das haben wir öfter kritisiert. Wenn wir jetzt den Blick stärker auf die Regelschulen lenken, unterstützen wir das sehr. In einer vielfältigen Schullandschaft, wie sie sich in Thüringen in den letzten 30 Jahren etabliert hat, hat jede Schulart auch tatsächlich ihre Berechtigung. Der vorliegende Antrag nimmt einige Forderungen der CDU-Fraktion aus den letzten Monaten bzw. Jahren auf wie beispielsweise eine verstärkte Praxisorientierung des Unterrichts und die Einrichtung eines Zentrums für Lehrerbildung an den lehrerbildenden Hochschulen. Das ist vielleicht auch ein Punkt, der sich auf das bezieht, was wir gerade im vorhergehenden Tagesordnungspunkt besprochen haben, nämlich die Lehrerausbildung in der ersten Phase. Wir unterstützen die Forderung, die wir hier auch immer aufgemacht haben: zumindest eine Prüfung hinsichtlich der Schaffung von mehr Funktionsstellen in diesem System. Dass das noch einmal in einem Antrag von dir kommt, Torsten, hätte ich gar nicht so erwartet. Aber Funktionsstellen sind der richtige Weg, genauso wie die Ausweisung von Stellen für Fachleiter. Eine gute Sache – es passt zwar eigentlich nicht ganz so hier hinein mit den Regelschulen, weil es alle Schulen betrifft – ist auch das, was wir in der Enquetekommission letztens intensiv diskutiert haben, nämlich eine Stärkung der politischen Bildung, hier in dem Fall der Sozialkundeunterricht. Gott sei Dank ist der Sozialkundeunterricht in den Regelschulen schon ab der achten Klasse vorhanden. Da haben wir sogar ein noch viel größeres Problem in den Gymnasien. Das sind alles richtige Forderungen. Ich hätte mir aber auch durchaus mehr Mut seitens der regierungstragenden Fraktionen gewünscht. In den entscheidenden Punkten zieht sich der Antrag auf Formulierungen wie „Prüfaufträge“ zurück. Gleichzeitig enthält der Antrag auch Punkte, die nicht ausschließlich auf Regel-, Gemeinschafts- und Gesamtschulen zu beziehen sind, wie die schon genannte Wiedereinführung des Amts der Fachleiter. Das fordern und unterstützen wir durchaus, aber es ist nicht nur für die Regelschulen und für die Gemeinschaftsschulen wichtig. Weitere Vorschläge sind zu begrüßen. Die Stärkung der Studienseminare hatte ich eben schon erwähnt. In der Forderung in Nummer II.2 zur Stärkung des fächerübergreifenden praxisorientierten Unterrichts wiederum werden alle allgemeinbildenden Schulen angeführt. Hier sehen wir den Bedarf jedoch eher im Bereich der Regelschulen als an den Gymnasien. Wir sollten die Profile und Bildungsziele der einzelnen Schularten nicht verwässern. Wir als CDU stehen klar für ein differenziertes Schulsystem, das die einzelnen Schularten kennt und nicht vermischt – auch nicht aus Gründen des Lehrermangels. Das Gymnasium hat das Ziel, die Schüler in acht Schuljahren optimal auf ein Studium vorzubereiten und intellektuelle Begabungen zu fördern. Die Regelschule bereitet auf die berufliche Bildung vor, wenngleich sie natürlich im Weiteren auch den Weg der Hochschulreife ermöglichen soll. Ausdrücklich begrüßen wir dagegen die Forderung nach einem Landesprogramm „Erfolgreich zum Abschluss“. Fakt ist, dass in Thüringen zu viele Schülerinnen und Schüler die Schulen ohne einen Schulabschluss verlassen. Das darf uns nicht zufriedenstellen, denn hier geht es um die Berufsperspektiven und um die Lebenschancen vieler Hunderter junger Menschen. Praxisklassen und auch die individuelle Abschlussphase sind gute Ansätze, die auch wir in unserem Antrag vor einigen Wochen hier thematisiert und vorgeschlagen haben. Wir wollen das gern weiter diskutieren. Wir stimmen der Überweisung an den Ausschuss zu und würden uns sehr über eine mündliche Anhörung mit vielen Praktikern im Ausschuss freuen, um für die Sekundarstufe I gemeinsam tatsächlich etwas Zukunftsfähiges auch im Sinne eines Thüringer Schulfriedens auf den Weg zu bringen. Vielen Dank. (Beifall CDU, FDP)

Alle Reden von Christian Tischner Protokoll ↗