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Franziska Baum

FDP 15.05.2020 Sitzungen 7/14

Attraktivität des Lehrerberufs erhöhen und Eigenverantwortung der Schulen stärken

Herr Präsident, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen Abgeordnete! Mit motivierten und gut ausgebildeten Lehrkräften steht und fällt der Alltag von Tausenden Schülerinnen und Schülern in Thüringen (Beifall FDP) und mit ihnen steht und fällt das Thüringer Schulsystem. Dass wir in Thüringen unglaublich motivierte und engagierte Lehrerinnen und Lehrer haben, das haben wir – ich glaube, da sind wir uns alle einig – in den letzten Wochen deutlicher gesehen als zuvor, zumindest sehr deutlich gesehen. (Beifall FDP) Das Problem ist, es sind nicht genug, um alle Stunden zu halten, alle Fächer zu geben und in allen Fächern Noten auf dem Zeugnis zu haben. Und es sind nicht genug, um Erkrankte zu ersetzen und all die Zusatzaufgaben zu erfüllen, die sich gerade jetzt auch in der Krise gezeigt haben, zum Beispiel Medienkonzepte für den Digitalpakt, Schulwebseiten, dann sich gleichzeitig fortbilden und Anwärter oder Seiteneinsteiger anlernen. Da hat die Politik in den letzten Jahren keine zufriedenstellenden Lösungen gefunden. Insofern begrüße ich den vorliegenden Antrag der Kollegen von der CDU grundsätzlich sehr. Im Gegensatz zu Herrn Jankowski kann ich gut damit leben, wenn die Probleme jetzt angegangen werden, denn für das Gewesene gibt einem bekanntlich keiner etwas. (Beifall CDU, FDP) Auch wenn ich sagen muss, dass es sich hier um einen ziemlichen Rundumschlag handelt, liebe Kollegen, und ich auch nicht mit allen Punkten mitgehen kann, aber als interessante Diskussionsgrundlage für den Bildungsausschuss eignet er sich allemal, und daran beteiligen wir uns sehr gern. Es ist auf viele der Punkte bereits eingegangen worden. Lassen Sie mich bitte ein Thema aufgreifen, das mir am Herzen liegt, weil ich dazu in den letzten Wochen viele persönliche Gespräche hatte und wozu leider immer gesagt wird: Ja, das läuft schon, das haben wir schon im Griff und da geht es voran. Menschen, die Thüringen als Lehrkraft bereichern können – junge Lehrer – müssen auch spüren, dass sie hier gewollt, gebraucht und geschätzt werden. (Beifall FDP) Die Listen der offenen Stellen und die Aussagen von Schulleiterinnen und Schulleitern sprechen weiterhin die Sprache des Lehrermangels bzw. auch des Bewerbermangels. Daher kann es aus meiner Sicht nicht sein – auch wenn das Ministerium am Einstellungsverfahren gearbeitet hat oder noch arbeitet –, dass ich immer noch von Fällen höre, in denen Lehrerinnen und Lehrer seit Längerem vergeblich versuchen, in Thüringen Stellen anzutreten. Und es ist nicht so, dass das nur auf Bewerberinnen und Bewerber zutrifft, die es auf die Lieblingsgymnasien in den großen Städten abgesehen haben. Ich kenne Beispiele von Lehrern im Altenburger Land, die in Sachsen unterrichten, und nicht nur bereit wären, im ländlichen Raum im Altenburger Land zu unterrichten, sondern auch eigentlich die Rückmeldung von Schulleitungen haben, dass das Stundendeputat zur Verfügung stünde. Wo ist hier jetzt also das Problem? Gern gehörtes Argument: falsche Fächerkombination. Nehmen wir ein anderes Beispiel: Gymnasiallehrerin, mehrjährige Unterrichtserfahrung in der Grundschule und ein Zusatzstudium in Schulpsychologie: Mit der Kombination würden Sie eigentlich von jedem Schulleiter und jeder Schulleiterin in Thüringen mit Kusshand eingestellt werden. Im Verfahren mit dem Schulamt sind aber Teile der Kompetenzen gar nicht abgefragt und werden nicht berücksichtigt. Verstehen Sie mich jetzt bitte nicht falsch, ich will hier keine Aufarbeitung von Einzelfällen einfordern. Ich will auch nicht sagen, dass gar nichts passiert – der „Dialog Schule 2030“ wurde angesprochen –, aber wir sind noch nicht am Ziel. Und solange wir noch solche Fälle haben und immer noch von Lehrermangel sprechen, halte ich Nachbesserungen im Einstellungsverfahren für dringend erforderlich. (Beifall CDU, FDP) Von der Transparenz im Ranglistenverfahren sprechen wir erst mal ja noch gar nicht. Ich unterstütze eindeutig die Forderung der CDU, den Schulleitungen vor allem bei der Frage des Generationswechsels mehr Eigenverantwortung zu geben. Wenn eine ältere Kollegin der einen Schule und ein jüngerer Kollege, der an einer anderen Schule eingesprungen ist, einander kennen und wenn eine Übernahme der Aufgaben der älteren Kollegin für die Erfüllung des beruflichen Strebens des jüngeren Kollegen sorgen könnte, dann verstehe ich nicht, warum das nicht möglich ist. (Beifall FDP) Es ist mir völlig klar, dass wir oft Lehrerinnen und Lehrer an Stellen brauchen, wo es keine Bewerberinnen gibt, aber es ist nicht fair, junge Lehrer derart daran zu hindern, aus der Springerrolle in eine adäquate berufliche Zukunft zu wechseln. (Beifall FDP) Denn junge Lehrerinnen und Lehrer sind durchaus bereit, auch erst einmal an einer anderen als ihrer Wunschstelle anzufangen. Die Bereitschaft wird aber getrübt, wenn dann völlig unklar ist, wann das Unterrichten im gelernten Fach und in der gewünschten Schulform möglich ist und wenn sie sich ständig vertröstet fühlen. Aus meiner Sicht muss schon bei der Einstellung klar sein, wie es weitergeht, dann werden auch die Nervosität und der Druck auf das Schulamt nicht so groß. Wir können da nach Mecklenburg-Vorpommern schauen. Mecklenburg-Vorpommern hat sogenannte JuLe – Junglehrerstellen. Hier starten junge Lehrer für zwei Jahre als Springer und das Land verspricht, in der Zwischenzeit eine passende Stelle zu finden oder bietet sie sogar direkt bei der Einstellung im Rahmen des Altersnachfolgeprozesses an. Das Gute am Schulsystem ist, dass wir eigentlich – zumindest für einen Großteil der Stellen – relativ früh wissen, wann die wieder frei werden. Da spreche ich mich ganz ausdrücklich für die langfristige Herangehensweise aus, die auch Herr Tischner angesprochen hat, und auch langfristige Veröffentlichungen der Stellen. Das ist eine gute Idee, liebe CDU, denn es sollte in unser aller Interesse sein, dass Lehrerinnen und Lehrer ihr Leben auch langfristig in Thüringen planen können. Da freue ich mich sehr auf die Diskussion dieser Punkte und auch noch einiger weiterer. Wenn ich noch 2 Minuten habe, möchte ich vielleicht noch zwei Sachen anmerken zum Thema „Seiteneinsteiger“: Das Thema „Seiteneinsteiger“ ist kein unkritisches. Denn, was wir nicht unterschätzen dürfen, ist der Personalaufwand, der damit zusammenhängt, die Seiteneinsteiger einzulernen. Das Mentoring-Programm aufzubauen, das ist alles gut gedacht, aber auch dafür brauchen wir Lehrer. Was ich dazu auch noch deutlich machen möchte: Wir dürfen die Bedeutung eines voll ausgebildeten Lehrers nicht untergraben. Es gehört mehr dazu als Leidenschaft für ein Fach, um ein guter Lehrer zu sein. Das ist nichts, womit wir die Lehrer besonders glücklich machen, wenn wir so tun, als wäre es mal so eben einfach, dass man ganz nebenbei Lehrer wird. Darüber lassen Sie uns gern im Ausschuss diskutieren. Wir tragen auf jeden Fall die Ausschussüberweisung mit und bringen vielleicht die eine oder andere Idee sogar noch mit dazu, die uns alle ein Stück weiterbringt. Vielen Dank. (Beifall FDP)

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