Astrid Rothe-Beinlich
Keine Experimente mit unseren Kindern – Lernmethode „Lesen durch Schreiben“ abschaffen!
Frau Präsidentin, meine sehr geehrten Damen und Herren, die Lese- und Schreibkompetenzen unserer Schülerinnen, unserer Kinder bewegen tatsächlich viele Menschen im Land. Wir hatten hier auch schon vielfach die Debatte im Thüringer Landtag. Schließlich sind Sprechen, Zuhören, Lesen und Schreiben die wichtigsten Grundlagen für Verständigung und Verstehen. Sprache bildet auch Bewusstsein und Sprache ist natürlich auch ein Ausdruck einer bestimmten Haltung, auch das erleben wir hier immer und immer wieder. Die Frage allerdings, mit welchen Methoden in den Schulen Sprache und auch Rechtschreibung vermittelt werden, ist keine politische Frage, sondern vielmehr eine fachdidaktische und auch eine pädagogische Fragestellung. Vorweg: Mir geht es da ähnlich wie dem Kollegen Wolf, die Anträge der FDP und der CDU wollen wir auch gern in den Ausschüssen weiterberaten. Uns ist es nämlich ernst damit, dass die Schülerinnen und Schüler bestmöglich auf die Welt von Morgen vorbereitet sind. Dazu gehört selbstverständlich auch das Beherrschen des Lesens und des Schreibens. Der AfD-Antrag geht darüber hinaus auch mehr oder weniger ins Leere, denn wenn wir uns genau anschauen, wie die Realität in Thüringen ist, dann werden wir feststellen, dass die sogenannte Lesendurch-Schreiben-Methode gerade einmal in 15 von 407 Grundschulen angewendet wird. Das macht der Verweis auf den Bericht des Ministeriums zur IQB-Länderstudie aus 2016 sehr deutlich. Das TMBJS hat ja hierzu die Daten hinlänglich erhoben. Wir plädieren dafür, das Thema umfassender in den Blick zu nehmen. Ich will dabei auf den Bildungsplan bis 18 verweisen, der auch den Sprachund Schrifterwerb sehr ausführlich beschreibt. Die Anträge fokussieren im Wesentlichen auf den Bereich Schule; Lese- und Schreibkompetenzen entstehen aber auch schon vor der Schule, nämlich im Kindergarten beispielsweise beim Vorlesen und natürlich auch in nonformalen Bildungszusammenhängen, beispielsweise zu Hause. Thüringen war in den vergangenen Jahren auch nicht untätig. Wir können verweisen auf viele Fachtagungen zu dieser Fragestellung, auf Fortbildungen und Workshops mit Lehrkräften – der Minister oder auch die Staatssekretärin wird dazu sicher ausführen. Wir haben hier sehr großes Vertrauen in die Kompetenzen unserer Pädagoginnen und Pädagogen, auch in die pädagogische Verantwortung. Herr Wolf hat es eben ausgeführt: Die Methodenfreiheit ist schulgesetzlich garantiert und ein hohes Gut. Tatsächlich macht jede und jeder unterschiedliche Erfahrungen damit. Auch unsere Kinder haben unterschiedliche Grundschulen besucht und auch wir mussten uns mit unterschiedlichen Methoden auseinandersetzen. Was aber ist zu tun? Es gilt – darauf hat Herr Wolf schon verwiesen –, auch die Lehrerinnen- und Lehrerausbildung an den Hochschulen in den Blick zu nehmen. Der Schriftspracherwerb jedenfalls, meinen wir, muss verpflichtender Bestandteil der Lehrerinnenbildung, und zwar in allen Phasen, sein. Das hat auch etwas damit zu tun, dass die Anzahl an funktionalen Analphabetinnen und Analphabeten immer noch extrem hoch ist. Das tatsächliche Verstehen von dem, was geschrieben/gelesen wird, funktioniert eben leider manchmal noch weniger als das pure Aufschreiben. Es braucht außerdem – und das wünsche ich mir wirklich von Herzen – auch einen neuen Schwung für die Leseförderung an unseren Schulen. Wir kennen diese Vorlesetage, die immer sehr gern von den Schulen angenommen werden, wahrgenommen werden. Wir alle wissen, dass viel zu wenig vorgelesen wird. Unser Ziel jedenfalls ist es, dass es Schulen gibt, die den Schülerinnen und Schülern Lust auf das Lesen machen, gut ausgestattete Schulbibliotheken, moderne Raumkonzepte an Schulen und auch vielfältige Kooperationen mit außerschulischen Partnern. Ich will hier auch mal die Zeitungsgruppen benennen, die teilweise solche Abos für Schulen beispielsweise zur Verfügung stellen. Auch das ist etwas, womit Schülerinnen und Schüler für das Lesen begeistert werden können. Die Schulentwicklung muss auch wieder mehr in den Fokus. Dazu braucht es mehr Ressourcen für die Schulaufsicht, aber auch einen zeitgemäßen Qualitätsrahmen. All das wollen wir gern im Ausschuss zu den Anträgen diskutieren, die dazu auch tatsächlich die inhaltliche Grundlage liefern. Vielen herzlichen Dank.
(Beifall DIE LINKE, CDU, BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN, FDP)
