Dr. Wolfgang Lauerwald
Die Situation der Apotheken in Thüringen – Apothekensterben im ländlichen Raum verhindern
Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Kollegen Abgeordnete, sehr geehrte Zuschauer auf der Tribüne und Zuhörer am Livestream! Im Unterschied zu dem von der FDP eingebrachten Antrag erachten wir es aufgrund der Komplexität der Thematik als zielführender, uns mit unserem Antrag konkret einem Empfänger zuzuwenden. Mit unserem Antrag fokussieren wir uns auf die Belange der Apotheker. Auch diese haben mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen. Das ist richtig und darin sind wir uns auch einig. Aber das ist nicht die einzige Sorge, mit der sich hiesige Apotheker herumtragen, meine sehr verehrten Damen und Herren. Wir haben es hier mit einer weitaus vielschichtigeren Problematik zu tun, auf die wir mit unserem Antrag aufmerksam machen wollen. Denn es gilt, sowohl die Situation der Apotheker in Thüringen in den Blick zu nehmen, als auch dafür zu sorgen, dass die Bürger in Thüringen auch in Zukunft wohnortnah mit Medikamenten versorgt werden und einen kompetenten Ansprechpartner vor Ort haben können. Die Covid-19-Epidemie führt uns ganz aktuell vor Augen, wovor Apotheker schon seit Langem warnen. Bereits jetzt gibt es in Deutschland Arzneimittellieferengpässe, die durch die Abhängigkeit von China bedingt sind. Aus Zentralchina importiert Deutschland 48 versorgungsrelevante Wirkstoffe, 17 davon werden in Wuhan, dem Ausbruchsort des Corona-Virus hergestellt. Bei weiterem Andauern der angespannten Lage wird sich die Situation weiter verschlechtern. Es stellt sich zwangsläufig die Frage, wie sich die Bundesregierung die Arzneimittelversorgung der Bürger in einigen Monaten vorstellt. Apotheker klagen aber auch über die mühevolle Suche nach einem Nachfolger, insbesondere in ländlichen Regionen, über fehlende Mitarbeiter und die Konkurrenz um den Nachwuchs mit der pharmazeutischen Industrie und öffentlichen Einrichtungen, die höhere Gehälter und lukrativere Arbeitszeiten bieten, über den ungleichen Wettbewerb mit dem ausländischen Versandhandel und damit verbundene Umsatzeinbußen, über unzählige Überstunden und unzureichende Notdienstvergütungen. Demgegenüber fürchten Patienten zunehmend Versorgungslücken. Erst hat der Hausarzt im Dorf seine Tür dauerhaft zugeschlossen und nun schließt auch noch die Apotheke vor Ort. Nicht wenige Kommunen in Thüringen haben in den letzten Jahren bereits die einzige Apotheke am Ort verloren. Die Apotheken vor Ort, meine sehr verehrten Damen und Herren, versorgen die Menschen nicht nur mit lebenswichtigen Medikamenten, sondern sie bieten auch eine hervorragende Beratung und Unterstützung an.
(Beifall AfD)
Gerade im ländlichen Raum sind es wichtige Anlaufstellen. Gerade für viele ältere Menschen geht es nicht nur darum, eben schnell mal ein paar Medikamente zu holen, sondern es geht vielmehr darum, sich fachlich beraten zu lassen, einen persönlichen Ansprechpartner zu haben, sich in guten Händen zu wissen. Die Sozialkontakte sind nicht zu unterschätzen. Der Weg zur nächsten Apotheke ist vielerorts heute schon sehr lang. Statistiken täuschen hier über die Realität hinweg. Pauschale Angaben zur Anzahl der Apotheken im Verhältnis zur Bevölkerung sagen nichts über deren Standorte aus. Hier müssen wir genau hinschauen. „Flächendeckende Versorgung“ ist das entscheidende Stichwort. Das bedeutet ganz konkret ein funktionierendes Apothekennetz – nicht nur in der Stadt, sondern auch auf dem Land.
(Beifall AfD)
Eine flächendeckende Versorgung mit Apotheken in Thüringen sicherzustellen, das ist unser Anliegen, das fordert die AfD mit diesem Antrag, meine sehr verehrten Damen und Herren. Anders als die Apotheke vor Ort bieten ausländische Versandhandelskonzerne keine persönliche Beratung an. Sie leisten keine Notdienste, sie stellen keine individuellen Rezepturen her und sie halten bestimmte Arzneimittel für den Notfall nicht immer bereit. Es besteht Grund zur Sorge, dass der Gesundheitsschutz auf der Strecke bleibt, wenn Patienten durch finanzielle Anreize der Versender auf den persönlichen Apothekenbesuch verzichten. Das große Apothekensterben kommt erst noch, meine sehr verehrten Damen und Herren. Lassen Sie uns daher jetzt handeln! Ich freue mich auf die Debatte. Vielen Dank.
(Beifall AfD)
