Franziska Baum
Thüringer Regelschule als Herzstück der Schullandschaft stärken – Fundament für die Fachkräfte von morgen sichern
Vielen Dank. Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete, liebe Zuschauer am Livestream, wir Freie Demokraten – und das ist kein Geheimnis – bekennen uns zu einem vielfältigen Schulsystem, in dem alle Schularten, von der Regelschule über das Gymnasium ebenso wie die Gesamtschulen und auch die Thüringer Gemeinschaftsschulen, gleichermaßen gewertschätzt werden. Auf politischer Ebene müssen wir das aus meiner Sicht auf drei Wegen ausdrücken. Das Erste – das ist für uns das Wichtigste –: Die Schulen müssen frei und mit Blick auf ihre individuellen, lokalen Bedingungen vor Ort entscheiden können, ob sie sich als Regelschule oder als Gemeinschaftsschule organisieren.
(Beifall FDP)
Das darf nicht durch – das muss ich sagen – politische Rahmenbedingungen eingeschränkt werden. Als Beispiel sei hier die unterschiedliche Berechnungsgrundlage von Lehrerwochenstunden zwischen Regelschulen und Gemeinschaftsschulen genannt.
(Zwischenruf Abg. Wolf, DIE LINKE: Können
Sie das mal erörtern?) Das kann ich gern erörtern. Diese aus meiner Sicht ungleiche Behandlung führt dazu, dass in einem Jahrgang der 7. Klasse in der Gemeinschaftsschule 9,5 Lehrerwochenstunden mehr zugeteilt werden als in einer Regelschule. Wenn das anders ist, können wir gern noch einmal darüber reden, wie das in der VVOrg geschrieben ist. Die Schulleiter, mit denen ich gesprochen habe, haben das genauso verstanden.
(Beifall FDP)
Das setzt sich in den Berechnungen für die anderen Jahrgangsstufen so weiter fort. Da kann man jetzt sicher über den Unterschied zwischen einer Binnendifferenzierung und einer Gemeinschaftsschule und dem Unterrichten in verschiedenen Kursen auf der Regelschule sprechen. Aber diese unterschiedliche Behandlung wird von den Regelschulen als Nachteil empfunden,
(Beifall CDU)
denn auch in der Regelschule lernen Kinder in heterogenen Gruppen und auch die Einrichtung von differenzierten Kursen erfordert Lehrerwochenstunden. Bei zentralen Themen wie „Lehrerzuteilung“, „Ganztagsbetreuung“ und „Schulsozialarbeit“ darf es aus unserer Sicht keine ungleiche Differenzierung nach Schulformen geben, sondern der Bedarf vor Ort muss entscheidend sein.
(Beifall CDU, FDP)
Ein zweiter Weg, diese vielfältigen Bildungswege und vor allem die verschiedenen Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler zu wertschätzen, müsste sich darin ausdrücken, dass Kinder und Eltern transparent beraten werden. Auch das ist Teil des Antrags von der CDU-Fraktion. Eltern müssen vor der Entscheidung für eine Schulform eine Schullaufbahnberatung erhalten, die deutlich macht, was die vielfältigen Möglichkeiten aller Schulformen sind, die vor allem mit den Bedürfnissen und Präferenzen des jeweiligen Kindes abgeglichen werden müssen. Gleichzeitig müssen wir aber auch erleichtern, zwischen den verschiedenen Schulformen zu wechseln. Jeder und jedem in diesem Land muss es möglich sein, seine und ihre Biografie selbst zu schreiben. Das gilt vor allem für die Bildungsbiografie.
(Beifall FDP)
Drittens muss es allen Schulen, egal welcher Schulform, möglich sein, das eigene Profil frei auszugestalten. Dazu braucht es Handlungsspielraum, denn nicht die Politik, sondern die Schulleitung und die pädagogischen Fachkräfte vor Ort kennen die Herausforderungen und Potenziale ihrer Schule. Gerade in den Regelschulen können die Verzahnung von Schule mit Wirtschaft und die Integration von beruflicher Praxis besondere Merkmale sein. Grundlage dafür aber sind ausreichende finanzielle und personelle Ressourcen. Dadurch entstehen Spielräume, in denen sinnvolle, passgenaue Konzepte vor Ort entwickelt werden, und zwar unabhängig von der Schulform. Um die Vielfalt in unserem Bildungssystem zu erhalten, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, müssen wir die richtigen Fragen stellen. Da sind einige in dem Antrag enthalten. Aber ich glaube, es gibt noch mehr, die wir gerade zum Thema „Regelschulen“ stellen können: An welchen Stellen müssen wir die Regelschulen unterstützen, damit sie gleichwertig an dieser Vielfalt teilnehmen können? Wo können und müssen wir neue Rahmenbedingungen schaffen, damit Schülerinnen und Schüler in den jeweiligen Schulformen ihren Bedürfnissen entsprechend gefördert werden? Wie können wir die Vielfalt im Bildungssystem durchlässiger gestalten und so auch besser nutzen? Welche Freiräume und Impulse brauchen Schulen, um ihre Profile zu schärfen, beispielsweise durch die stärkere Verzahnung mit der Praxis? Abschauen können wir uns das sicher in anderen Bundesländern. Wir freuen uns auf die Diskussion im Ausschuss, der hoffentlich konstruktiv und ergebnisorientiert in die Zukunft gerichtete Antworten oder Fragen bringt. Vielen Dank.
(Beifall CDU, FDP)
