Dr. Wolfgang Lauerwald
Patientensicherheit stärken – effektives MRE-Netzwerk Thüringen schaffen
Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Kollegen Abgeordnete! Lassen Sie mich unsere Forderungen noch einmal unterstreichen. Obwohl das Thema „MRE“ im medizinischen Bereich seit vielen Jahren präsent ist, gibt es Unsicherheiten im Umgang mit multiresistenten Erregern und betroffenen Patienten. Multiresistente Erreger sind nicht nur ein Problem von Krankenhäusern. Auch der Umgang mit multiresistenten Erregern in stationären Pflegeeinrichtungen ist ein wichtiges Thema. Multiresistente Erreger werden aber auch im ambulanten Bereich nachgewiesen. Sie sehen also, wir haben es hier mit einer sehr komplexen Problematik zu tun. MRE-Netzwerke leisten hier hervorragende Arbeit, indem sie Betroffenen, deren Angehörigen und medizinischen Einrichtungen eine neutrale, fachlich kompetente Beratung sowie eine Anlaufstelle bei Fragen und Problemen im Umgang mit MRE bieten. Betroffen sind zum Beispiel auch Kinder. Eltern sind verunsichert. Mitarbeiter für MRE-Netzwerke helfen, die Diagnose MRE-Besiedlung richtig einzuordnen und unbegründete Ängste abzubauen. Die Übertragung von multiresistenten Erregern erfolgt in den meisten Fällen durch Handkontakte. Die wichtigste Maßnahme ist deshalb eine sorgfältige Händehygiene in Verbindung mit einer gut etablierten Basishygiene. Durch korrekte Händehygiene kann das Risiko der Übertragung dieser Keime minimiert und damit ein bestmöglicher Behandlungserfolg sichergestellt werden. Entsprechend liegt das Augenmerk der MRE-Netzwerke vornehmlich auch auf der Implementierung und konsequenten Umsetzung aller erforderlichen Hygienemaßnahmen zur Vermeidung der Weiterverbreitung multiresistenter Erreger in den teilnehmenden Einrichtungen. Es geht darum, ein Hygienemanagement zu etablieren, das den bestmöglichen Infektionsschutz sowohl für Patienten als auch für die Ärzte und Mitarbeiter gewährleistet. Dazu gehört es, geeignete Strukturen und Prozesse zu schaffen, aber auch die persönliche Motivation und das Bewusstsein aller Beschäftigten, aber auch der Besucher medizinischer Einrichtungen für das Thema „Hygiene“ zu fördern. Wichtig dabei ist eine zuverlässige Kommunikation zwischen Akteuren der Patientenversorgung, Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen, Arztpraxen, Rettungsdiensten und anderen Kollegen. Genau dafür, meine sehr verehrten Damen und Herren, um die kostbaren Ressourcen effizient zu koordinieren, brauchen wir dieses von uns hier geforderte MRE-Netzwerk Thüringen.
(Beifall AfD)
Wir fordern ein zentrales Management, welches die Akteure in den Landkreisen übergeordnet in ihrer Arbeit unterstützt und damit eine flächendeckende Versorgung der Betroffenen gewährleisten kann. Die Zahlen sprechen für sich: Die Zunahme von bakteriellen Krankheitserregern, die gegenüber Antibiotika weniger empfindlich oder sogar völlig resistent geworden sind, ist weltweit zu einer großen Herausforderung geworden. Für die Patienten bedeutet dies oft längere Behandlungen und zusätzliche Belastungen durch eine verzögerte oder nicht eintretende Heilung der Infektion, manchmal mit tödlichen Folgen. Circa ein Drittel dieser tödlichen Infektionen sind durch geeignete Maßnahmen vermeidbar. Unser aller Ziel muss es sein, vermeidbare Infektionen zu verhindern. In den Ausführungen der Deutschen Antibiotika-Resistenzstrategie (DART 2020) wird jedoch ganz unmissverständlich klar, dass hier noch ein weiter Weg vor uns liegt. Die aktuelle Situation zeigt, dass die Bekämpfung von Antibiotikaresistenzen noch nicht mit der nötigen Priorität angegangen wird und das Problembewusstsein in den unterschiedlichen Bereichen noch verbessert werden muss. Auch wenn erste Erfolge sichtbar werden, müssen Anstrengungen weiter verstärkt und Konzepte und Maßnahmen konsequent weiterentwickelt und ausgebaut werden. Der Hinweis darauf, dass bereits ein MRE-Netzwerk Thüringen existieren würde, ist insofern richtig, als das Landesamt für Verbraucherschutz den Kontakt einer zuständigen Mitarbeiterin auf der Website ausschreibt. Wir jedoch sprechen von einem funktionierenden, aktiven MRE-Netzwerk Thüringen und nicht von einer Beratungsstelle, die nur auf dem Papier existiert,
(Beifall AfD)
denn das ist, was Vertreter regionaler MRE-Netzwerke kommuniziert haben. Ein MRE-Netzwerk Thüringen gibt es nicht, meine Damen und Herren.
(Beifall AfD)
Dass Bedarf besteht, ist dem Ministerium bereits seit Längerem bekannt. Dies wurde auf der Fachtagung des Verbands der Ersatzkassen zum Thema „Patientensicherheit“ vor einigen Wochen deutlich. Ich frage Sie, werte Kolleginnen und Kollegen aller Parteien, die hier ihre Redebeiträge geleistet haben: Wo waren Sie auf dieser Fachtagung? Da ist nur die AfD gewesen!
(Beifall AfD)
Wir finden, es wird Zeit, der Forderung nach einem überregionalen MRE-Netzwerk in Thüringen endlich nachzukommen. Handeln wir im Interesse unserer Bürger! Stärken wir die Sicherheit der Patienten! Tun wir etwas für die Gesundheitsprävention! Die Gesundheit unserer Bürger liegt der AfD am Herzen und mir übrigens auch. Ich lasse mir nicht unterstellen, dass es mir in meinem Antrag nicht um die Patientensicherheit geht. Ich kann nur erneut an Sie appellieren, werte Kolleginnen und Kollegen und Abgeordneten: Stimmen Sie unserem Antrag zu und lassen Sie uns gemeinsam die Patientensicherheit stärken! Nun noch ein paar Worte zu Ihren Beiträgen: Herr Zippel, das zentrale Netzwerk – ich hatte es gerade in meiner Rede erwähnt – existiert nach wie vor nicht und es gibt Regionen, zum Beispiel Eichsfeld, Hildburghausen, Kyffhäuserkreis, SchmalkaldenMeiningen, wo keine regionalen Netzwerke bestehen. Die sind außen vor, darum brauchen wir ein zentrales Netzwerk. Dass ich keine Vorschläge zur Gesundheitspolitik bringe, Herr Montag, war auch nicht Thema meines Antrags hier. Mir geht es erst mal nur um die Schaffung eines zentralen MRE-Netzwerks und über die anderen Dinge haben wir letztens auf dem Forum schon gesprochen und uns ausgetauscht. Da waren Sie dabei. Ich danke für die Aufmerksamkeit.
(Beifall AfD)
