Astrid Rothe-Beinlich
Praxisintegrierte vergütete Ausbildung für Erzieherinnen und Erzieher sichern
Frau Präsidentin, meine sehr geehrten Damen und Herren! Wir haben diesen Antrag ja bereits im Januar hier im Plenum beraten und dann, wie Herr Tischner und Herr Wolf ausgeführt haben, intensiv im Ausschuss dazu diskutiert. Auch der Landesjugendhilfeausschuss hat sich in seiner konstituierenden Sitzung am Montag damit befasst. Das gemeinsame Ziel – so unterstelle ich es mal – der meisten hier im Raum muss es ja sein und ist es, Chancengleichheit und gute Lebensbedingungen für alle Kinder zu schaffen. Deswegen ist es auch wichtig, dass wir uns regelmäßig über die Situation in unseren Krippen und auch in den Kindergärten austauschen. Es geht um eine hohe Bildungsqualität, denn schließlich sind die Kindergärten – und in Thüringen als Wiege des Kindergartens ist uns das natürlich besonders wichtig – die erste Säule der frühkindlichen Bildung in unserem Bildungssystem und der Zugang zu guter Bildung, Erziehung und Betreuung für uns jedenfalls eine ganz zentrale Gerechtigkeitsfrage. Ich will noch einmal darauf verweisen, dass sich dieser Antrag insbesondere aus der Notwendigkeit ergeben hat, dass die Bundesregierung ihre ursprüngliche Zusage leider nicht eingehalten hat. Das Bundesfamilienministerium war mit einer Fachkräfteoffensive gestartet, die einen Umfang von 300 Millionen Euro haben sollte und von 2019 bis 2022 gehen sollte. Die Mittel waren gedacht für zwei Ausbildungsjahrgänge, insgesamt 5.000 Plätze in der praxisintegrierten Ausbildung, für die Qualifizierung auch in der Praxisanleitung. Es ging auch um Zuschüsse zur Vergütung von Fachkräften. Wir haben in Thüringen ab dem Ausbildungsjahr 2019/2020 ein vierjähriges Modellprojekt zur Einführung der praxisintegrierten Ausbildung an drei Berufsschulstandorten mit insgesamt 60 Plätzen gestartet. Es gab ein sehr hohes Interesse daran, das haben wir hier auch schon ausgeführt. Gleich beim ersten Ausbildungsjahrgang lagen mehr als 300 Bewerbungen vor. Ich will auch noch mal was zu den Vorteilen der praxisintegrierten Ausbildung sagen, weil die ganz klar auf der Hand liegen. Da haben wir zum einen die stärkere Verschränkung von Praxis- und Theoriephasen, wir haben die festen Ausbildungsverträge der Kindergärten mit ihren Auszubildenden, die dann auch eine bessere Bindung an die zukünftigen Fachkräfte schaffen. Hinzu kommt: Die Azubis erhalten durchgängig ein Auszubildendengehalt. Die Ankündigung des Bundesfamilienministeriums im Januar, die Forderung bereits 2020 auslaufen zu lassen, hat dafür gesorgt, dass die Finanzierung des Ausbildungsjahrs 2020/2021 unklar geworden ist. Wir wollen den Weg der praxisintegrierten Ausbildung weitergehen. Darin sind wir uns mit der CDU einig. Im Bildungsausschuss haben wir deshalb die Ergänzung des Antrags, dass die praxisintegrierte Ausbildung zügig zu einem regulären Angebot ausgebaut werden soll, gern aufgegriffen. Zum einen deckt sich das mit der Formulierung, die wir im rotrot-grünen Koalitionsvertrag für die Minderheitsregierung vereinbart haben. Zum anderen ist das aber auch eine Forderung – das ist auch im Landesjugendhilfeausschuss wieder deutlich geworden –, die auf Trägerebene breit getragen wird. Ich will allerdings zu bedenken geben, dass wir beim thüringenweiten Ausbau der praxisintegrierten Ausbildung auch das Thüringer Kindergartengesetz verändern müssen und ein langfristig tragfähiges Finanzierungsmodell entwickeln sollten. Auch die Berufsschulen und Träger müssen sich darauf entsprechend einstellen, Praxisanleiter müssen qualifiziert werden. Deshalb ist es gut, dass wir zunächst das Modellprojekt weiterführen – dafür ja auch der Antrag – und parallel gemeinsam ein Thüringer Modell der praxisintegrierten Erzieherinnenausbildung entwickeln. Ich will auch noch sagen, dass es durchaus Mehrbedarfe gibt. Das ist vielerorts deutlich geworden. Zum einen ist im Landesjugendhilfeausschuss am Montag die Frage gestellt worden, warum diese praxisintegrierte Ausbildung wieder nur für Kindergärten und die Erzieherinnen genau in dem Bereich gilt. Die Bedarfe haben wir nämlich auch in allen andere Bereichen. Das war nicht unsere Idee, das muss man ganz deutlich sagen, sondern das Bundesprogramm war darauf ausgelegt. Unser Ziel sollte es sein, dass wir mit der praxisintegrierten Ausbildung perspektivisch tatsächlich in alle Bereiche kommen. Das Zweite, was auch immer wieder thematisiert wurde, war die Frage, wie denn auch die freien Träger – in Anführungszeichen – in den Genuss oder die Möglichkeit der praxisintegrierten Ausbildung einbezogen werden können. Wir wissen, dass die freien Träger beispielsweise einen Großteil unserer Kindergärten betreiben. Selbstverständlich muss es auch unser Anliegen sein, dass die freien Träger an dieser Form der Ausbildung partizipieren können. Ich glaube, es ist allen bewusst, dass es ein Ende der praxisintegrierten Ausbildung nach nur einem Ausbildungsjahr nicht geben darf. Es ist ja auch eine Evaluierung angedacht. Viele andere Länder haben sehr gute Erfahrungen damit gemacht; ich nenne an dieser Stelle nur Baden-Württemberg. Wir hoffen darauf, dass es einen breiten Konsens der Demokratinnen in diesem Hause gibt, die praxisintegrierte Ausbildung auf noch breitere Beine zu stellen und perspektivisch gegebenenfalls oder bestenfalls sogar zur Regel zu machen. Deshalb wünsche ich mir auch hier eine breite Zustimmung. Vielen herzlichen Dank.
(Beifall DIE LINKE, SPD, BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN)
