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Astrid Rothe-Beinlich

GRÜNE 29.01.2020 Sitzungen 7/4

c) Aktuelle Stunde auf Antrag der Fraktion DIE LINKE zum Thema: „Ganztagsschule ausbauen – Beschäftigungsbedingungen weiter verbessern“

Sehr geehrter Herr Präsident, meine sehr geehrten Damen und Herren! Herr Tischner, ich finde es schon ein bisschen traurig, dass Sie in dieser Debatte tatsächlich Kampfbegriffe bemühen und Absolutismen, die, glaube ich, in diesem Bereich schlichtweg nicht zweckdienlich sind. Die Frage ist doch: Finden wir zueinander, wenn es darum geht, die Arbeitsbedingungen für die Horterzieherinnen zu verbessern? Dass dies dringend nötig ist, darin sind wir uns, glaube ich, alle einig. Herr Wolf hat ein Stück weit die Geschichte dargestellt, auch wie es zu den heutigen Beschäftigungsumfängen gekommen ist. Die GEW hat – völlig zu Recht, das ist sozusagen ein Stück weit auch Aufgabe einer Gewerkschaft – ihre Mitglieder dazu aufgerufen, uns heute hier Erleuchtung zu bringen. Ich glaube zwar, dass die Erleuchtung durchaus schon da ist. Die Frage bleibt aber, ob uns die gemeinsame Umsetzung gelingt. Daran würden wir jedenfalls gern arbeiten. Die GEW hat beispielsweise die Forderung formuliert, dass die Beschäftigungsumfänge auf mindestens 80 Prozent angehoben werden. Das ist eine völlig berechtigte Forderung, denn wir wissen, dass es viele Erzieherinnen und Erzieher gibt, die im Moment tatsächlich mehrere Jobs wahrnehmen müssen, um überhaupt ihren Lebensunterhalt sichern zu können. Das ist eine Situation, die niemanden von uns befriedigen kann, schon gar nicht, wo wir wissen, was sie für eine wichtige Arbeit leisten; das ist ja hier schon ausgeführt worden. Nicht nur in den Ganztagsschulen, sondern auch in den Gemeinschaftsschulen, überhaupt in all unseren Grundschulen sind sie unerlässliche Partnerinnen und Partner. Und, Herr Tischner, Sie irren, wenn Sie die Tätigkeit der Erzieherinnen quasi nur auf den Nachmittags- oder auf den Nachunterrichtsbereich reduzieren, denn Fakt ist, dass wir eine Rhythmisierung brauchen – die wollen wir auch –, dass die Erzieherinnen auch schon Ansprechpartnerinnen im Unterricht sein sollen. Und ich sage auch mit Blick auf Inklusion – das ist eine weitere Thematik, die die GEW heute aufgerufen hat oder heute auch zur Sprache bringen wird: Die intensive Betreuung und besondere Betreuung von Kindern mit besonderen Förderbedarfen kann eben nicht nach den Schulstunden enden, sondern muss sich genauso auch fortsetzen in der Zeit, wo der Hort hauptsächlich stattfindet. Die Realität an ganz vielen Grundschulen ist ja jetzt schon, dass es eine Rhythmisierung von Zeiten, in denen gelernt wird, und Zeiten, in denen gespielt wird, gibt, und genau da brauchen wir auch die Erzieherinnen und Erzieher. Da, finde ich, ist es ein sehr hehres Ziel zu sagen – und dem haben sich Bündnis 90/Die Grünen, die SPD und Die Linke verschrieben –, die Beschäftigungsumfänge tatsächlich auf 100 Prozent zu erhöhen. Ich würde mich freuen, wenn man hier vorn nicht nur die Lippen spitzt, sondern tatsächlich zueinanderkommt und sich hinsetzt und überlegt, wie uns dies auch mit dem nächsten Haushalt gelingen kann. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Und ja, da hatten wir auch harte Diskussionen, durchaus auch um die Frage, was die Erzieherinnen denn dann in der Zeit machen sollen. Wir glauben, es gibt tatsächlich genug zu tun. Eines nannte ich schon, das ist die Rhythmisierung, wenn nämlich die Erzieherinnen schon im Unterricht mit dabei sind, wissen sie auch sehr viel genauer, welche Anforderungen beispielsweise im Unterricht gestellt wurden, welche neuen Themen eingeführt wurden, wozu vielleicht noch mal ein wenig vertieft werden muss. Sie sind aber genauso auch dazu da, Inklusion tatsächlich leben zu können, nämlich den Kindern die besondere Förderung zukommen zu lassen, die Aufmerksamkeit, die sie brauchen, genauso wie die Kinder, die vielleicht besonders begabt sind, auch noch einmal gesondert zu unterstützen. Deswegen noch einmal: Wir finden es völlig richtig und nachvollziehbar, dass heute hier Erzieherinnen und Erzieher aus ganz Thüringen demonstrieren werden, denn unser Ziel sind landesweit vollgebundene und teilgebundene Ganztagsschulen, Ganztagsangebote, im Übrigen egal in welcher Trägerschaft. Und ich will, wie gesagt, auch noch mal sagen: Ganz entscheidend sind auch multiprofessionelle Teams. Die gibt es nicht mal eben nebenbei, sondern die brauchen wir auch mit einer guten Ausbildung, um den Kindern gerecht zu werden, die beispielsweise besondere Förderbedarfe haben, und um die Kinder auch im Ganztag tatsächlich zu integrieren. Wir freuen uns jedenfalls auf die kommenden Beratungen. Wir hoffen, dass es alle ernst damit meinen, dass wir tatsächlich 100 Prozent Beschäftigungsumfang für alle Erzieherinnen haben oder anbieten können, die dies wollen. Das will ich noch einmal betonen: für alle die, die es wollen. Es müssen nicht alle zwingend 100 Prozent arbeiten, manche wollen das nämlich auch gar nicht. Und vor allem wollen wir, dass wir uns tatsächlich auch weiterhin als ein Land hervortun können, in dem es nicht nur eine Betreuungsquote von 87 Prozent, glaube ich, gibt, sondern wo vor allem auch die Qualität stimmt, sprich, wo tatsächlich jedes Kind den ganzen Tag individuell bestmöglich gefördert wird und auch die Erzieherinnen und Erzieher noch genügend Zeit zur Vor- und Nachbereitung haben. Vielen herzlichen Dank. (Beifall DIE LINKE, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

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