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Dr. Wolfgang Lauerwald

AfD 29.01.2020 Sitzungen 7/4

a)Aktuelle Stunde auf Antrag der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN zum Thema: „Institutionelle Förderung von Geburtshäusern und hebammengeführten Praxen in Thüringen schnell einführen“

Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Kollegen Abgeordnete, sehr geehrte Besucher auf der Tribüne und Zuhörer am Livestream, Alternativen zur stationären Geburt stellen die medizinischen und sozialen Betreuungen von gesunden Schwangeren und die Begleitung von Geburten in Geburtshäusern und hebammengeführten Praxen dar. So weit, so gut, so richtig. Allerdings nützen zusätzliche Finanzmittel und eine Vergabeordnung nichts, wenn das Personal, das die werdenden Mütter in den Geburtshäusern in Thüringen betreut, nicht ausreichend vorhanden ist. Jede Frau hat das Recht, bei der Entbindung, der Vor- und der Nachsorge von einer Hebamme betreut zu werden. Leider droht gerade in ländlichen Regionen ein Mangel an freiberuflichen Hebammen, nicht zuletzt weil hier der Nachwuchs fehlt, aber auch, weil die Attraktivität des Hebammenberufs durch verschiedene Umstände beeinträchtigt wird. Der Hebammenberuf ist weiblich – weder männlich noch divers oder verquer. Da viele Hebammen selbst Mütter sind und die Probleme einer Vereinbarkeit von Beruf und Familie ebenso kennen wie die Belastung im Rahmen der Familienarbeit, liegt eine familienfreundliche Infrastruktur nicht zuletzt auch im Interesse der Hebammen. Gerade junge Hebammen mit eigenen Kindern können oft nur eine begrenzte Anzahl an Geburtsbegleitungen pro Jahr absolvieren, wenn sie die Betreuung und Versorgung ihrer eigenen Kinder nicht gefährden wollen. Auch deshalb arbeiten viele Hebammen vielmals unfreiwillig in Teilzeit. Darüber hinaus bedrohen die ständig ansteigenden Prämien für die Berufshaftpflichtversicherung vor allem freiberuflich tätige Hebammen in ihrer wirtschaftlichen Existenz. Problemverschärfend wirkt die Begrenzung der abrechenbaren Leistungsmengen in der Geburtshilfe für freiberufliche Hebammen, da sie umsatzsenkend wirkt. Um entsprechende Risiken abzufedern, fordert die AfD, einen ausreichend bemessenen Unterstützungsfonds aus Landesmitteln einzurichten, aus dem ein Zuschuss zu den Haftpflichtprämien der Hebammen geleistet werden kann. (Beifall AfD) Der kontinuierlich steigende wirtschaftliche Druck mindert die Attraktivität des Berufs insgesamt. Vermeidungsstrategien haben dazu geführt, dass einige Hebammen die versicherungsintensive Geburtsbegleitung zugunsten einer Fokussierung von Vorund Nachsorgeleistungen aufgegeben haben, wodurch junge Thüringer Familien wertvolle Angebote der Geburtsbegleitung verlieren. Auch die Neubesetzung von Hebammenstellen in Kliniken und Geburtsstationen gestaltet sich zunehmend schwierig. Diese Situation wirkt sich wiederum negativ auf den Personalbestand und die Arbeitszufriedenheit der Hebammen aus. Die Probleme sind den Verantwortlichen lange bekannt, aber notwendige Verbesserungen sind nicht zu erkennen. Es besteht nach wie vor akuter politischer Handlungsbedarf, meine sehr verehrten Damen und Herren. Tatsächlich gelang es den Verantwortlichen bisher nicht, eine flächendeckende qualitäts- und bedarfsgerechte Versorgung mit Hebammenleistungen in Thüringen sicherzustellen. Es ist vor diesem Hintergrund dringend geboten, die Thüringer Hebammen finanziell zu entlasten und ihre Arbeitssituation zu verbessern. Die Arbeitsbedingungen und Verdienstmöglichkeiten der Hebammen in Thüringen müssen schnell und deutlich verbessert werden, sollen der weitere Aderlass an Fachkräften im Thüringer Hebammenwesen gestoppt und junge Menschen für den Berufsstand gewonnen werden. Die Eins-zu-eins-Betreuung einer Gebärenden darf kein Glücksfall, sondern muss der Regelfall sein. Hebammen sind Berater, Helfer und ein verlässlicher Fels in den Stürmen der ersten Zeit, in denen ein Neugeborenes den Alltag von Eltern durcheinanderwirbelt. Es werden wieder mehr Kinder geboren. Schon jetzt fehlen die Hebammen in Thüringen. Wir müssen verhindern, dass Hebammen in andere Bundesländer abwandern. Dazu bedarf es einer deutlichen Wertschätzung dieses Berufsstandes und das muss sich in einer gerechten Entlohnung und in fairen Arbeitsbedingungen widerspiegeln. Vielen Dank. (Beifall AfD)

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