Cornelia Klisch
a)Aktuelle Stunde auf Antrag der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN zum Thema: „Institutionelle Förderung von Geburtshäusern und hebammengeführten Praxen in Thüringen schnell einführen“
Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrte Frau Präsidentin, jedem Anfang wohnt bekanntlich ein Zauber inne. Das wusste nicht nur Hermann Hesse, sondern das dürfen wir auch immer wieder erblicken, wenn wir in die großen Augen eines neugeborenen Babys blicken. Nicht zuletzt sind diese Babys unser aller Zukunft – eine Zukunft, die maßgeblich in den Händen unserer Hebammen liegt. Wie jetzt zu Beginn schon meine Vorredner ausgeführt haben, gibt es aktuell Klagen, dass die eingestellte zusätzliche halbe Million Euro für die Förderung der Arbeit der Geburtshäuser, die für 2020 beschlossen wurde, aufgrund der fehlenden Verordnungsrichtlinie bisher weder beantragt noch ausgereicht werden konnte. Damit wir und die Betroffenen uns jetzt nicht in der Rubrik „Gut gedacht, aber schlecht gemacht“ wiederfinden, ist natürlich die Schaffung transparenter und rechtssicherer Vergabekriterien für Fördermittel hier ein unbedingtes Muss. Ich denke, da sind wir uns einig. Lassen Sie mich aber zu weiteren zukünftigen Projekten, wie sie auch von meinem Vorredner Herrn Müller angesprochen wurden, eine Anmerkung machen. Ich empfehle, eine einfache Förderung nach dem Gießkannenprinzip, nach dem Motto „Viel hilft viel“, ohne qualitative Kriterien, ohne qualitative Prüfung in jeder Hinsicht zu vermeiden. Denn gerade bei Geburten erwarten die Eltern und auch die zukünftigen Erdenbürger von uns als Politik zu Recht, dass immer die Qualität der Angebote oberste Priorität hat. Diese sollte auch mit einer maximal möglichen Transparenz für alle gekoppelt sein. Aktuell haben wir diese Transparenz in Thüringen leider noch nicht flächendeckend zu 100 Prozent. Meines Wissens haben wir noch kein standardisiertes, transparentes Qualitätssicherungssystem mit Datenerhebung, das uns zu jedem Ort der Geburtshilfe in Thüringen – sei es ein Krankenhaus oder ein Geburtshaus – Daten liefert, zum Beispiel wie viele Geburten es gab, wie der Ausgang der Geburten war, wie die personelle Begleitung war, wie die qualitative Nachsorge gelaufen ist. Deshalb halte ich es wirklich für erforderlich, dass wir gerade bei den zukünftigen Förderinstrumenten auch immer diese transparente Qualitätssicherung mit Datenerhebung aktiv mitdenken. Wie bereits von Frau Meißner erwähnt, erfüllen Geburtshäuser natürlich noch zahlreiche weitere Aufgaben. Auch hier besteht auf jeden Fall die Frage einer notwendigen weiteren Stärkung. Zum Beispiel macht es meiner Meinung nach durchaus Sinn, wenn die Beratungsangebote – zum Beispiel von hebammengeführten Praxen oder Geburtshäusern – punktuell auch mit Gesundheitsämtern und deren Mütterberatung verbunden werden oder zumindest in Kooperation ausgeführt werden. Des Weiteren gibt es nicht gerade selten werdende Mütter, die ihren Geburtstermin im Sommer in den Ferienmonaten haben und leider keine Hebamme finden, weil es eben einfach keine gibt, und das trotz dieser eigentlich guten Onlineübersicht, die es vom Hebammenverband gibt, wo man immer sehen kann: Grün bedeutet, es gibt eine, rot, wir finden keine. Auch hier wären neue Wege anzudenken, zum Beispiel sektorenübergreifende Teamarbeit von allen Akteuren – also Kliniken, Geburtshäusern, Hebammen und dem öffentlichen Gesundheitsdienst – im Sinne eines Hebammenferiendienstes. Das wäre auf jeden Fall eine wünschenswerte Option. In jedem Fall ist eine Weiterentwicklung – das hatte Frau Meißner auch schon angesprochen – der Versorgungsstrukturen in der Geburtshilfe gerade vor dem Hintergrund der sich verändernden Krankenhauslandschaft hier in Thüringen unbedingt nötig. Ich möchte es auch mal offen aussprechen, Sie haben es angedeutet: Schon jetzt schließen Geburtsstationen an kleinen Häusern aufgrund zu weniger Geburten und bestimmter Qualitätsstandards, die da nicht gehalten werden können. Das heißt aber oft für die betroffenen Mütter, dass sie einfach viel längere Wege haben. Und diese längeren Wege bedeuten auch erhöhte Risiken, zum Beispiel einer Unterwegsgeburt. Ich denke, wir als Politiker dürfen solche Risiken nicht einfach automatisch hinnehmen oder akzeptieren, sondern wir brauchen hier neue Konzepte, sei es, dass wir zum Beispiel an mobile Rettungswagen denken, die anders ausgestattet sind, mit einem Hebammenbereitschaftsdienst, also sogenannte Storchenwagen, oder dass wir – das wurde auch eben schon erwähnt – ambulante und tagesklinische Versorgungsstrukturen mit integrierten Geburtshäusern weiterdenken. Das sind auf jeden Fall Optionen. Ich bin mir sicher: In Deutschland gibt es zahlreiche Projekte dieser Art, von denen wir à la Best Practice lernen können. Insofern ist mir da nicht bange, wir müssen es halt auch tun. Lassen Sie mich zum Abschluss abseits der Frage der Geburtshäuser noch einen wichtigen Punkt in Sachen Hebammen anschließen. Hebammen sind nicht nur für uns Frauen und unsere Kinder eine unschätzbare und essenzielle Unterstützung. Viele von ihnen leisten einfach auch leider zu oft unbezahlte Bereitschaftsdienste, Überstunden und opfern sich quasi für ihren Beruf auf. Der Dank, der schon ausgesprochen wurde, ist wirklich unbedingt nötig und ich möchte ihn hier an der Stelle noch mal im Namen meiner Fraktion bekräftigen. Aber niemand kann natürlich wirklich zaubern.
(Beifall SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Niemand kann wirklich zaubern, schon gar nicht unter Zeit- und Kostendruck. Denn Qualität in der Geburtshilfe – und das sagte auch Herr Müller – kann nur geleistet werden,
