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Dirk Adams

GRÜNE 11.12.2019 Sitzungen 7/2

f) Aktuelle Stunde auf Antrag der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN zum Thema: „UNWeltklimagipfel in Madrid – Handlungsnotwendigkeiten für die Thüringer Politik“

Sehr geehrte Frau Präsidentin, meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Gäste hier im Thüringer Landtag, die Welt diskutiert über den Klimawandel. In Thüringen ist diese Diskussion auch immer wieder von Bündnis 90/Die Grünen hier in den Landtag gebracht worden. Deshalb wollen wir es auch aus Anlass der derzeit stattfindenden 25. UNKlimakonferenz in Madrid tun. NGOs und Staaten diskutieren zurzeit in Madrid über Probleme, sie suchen nach Wegen aus der Klimakrise. Ich weiß, dass viele Menschen sagen: Das ist ja jetzt die 25. Tagung seit 1992 und Papier ist geduldig, was bewirken solche Konferenzen überhaupt? – Aber ich glaube, ein wichtiger Punkt aus dieser Debatte heute muss sein, dass wir mitnehmen und erkennen und wahrnehmen, es geht nur zusammen. Man kann sich nur zusammen dem Schrumpfen des Grönlandeises entgegenstellen. Die Meldung heute Morgen – im MDR, glaube ich, war es –, dass das Grönlandeis jetzt 13-mal schneller schmilzt, als man es vorher berechnet hat, muss uns ein Alarmsignal sein, damit wir härter drangehen. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Es schmilzt das Grönlandeis, es brennen die Wälder von Kalifornien bis Sibirien und in Thüringen sind nur noch 19 Prozent des Thüringer Waldes gesund. Das ist die Alarmnachricht, der wir uns stellen müssen. Wir müssen also, meine sehr verehrten Damen und Herren, global denken und lokal handeln. Das ist die Maxime der Nachhaltigkeitsbewegung und deshalb müssen die Industriestaaten natürlich auch die Taktgeber bei dieser Debatte sein. Wir müssen Taktgeber dieser Debatte sein, weil Deutschland – wenn man sich die Zahl einmal anschaut – im Vergleich mit den G-20-Staaten doppelt so viel Energie oder CO ausstößt für Heizung und 2 Kühlung von Gebäuden, wie es der G-20-Durchschnitt ist. Das ist für uns Verpflichtung, hier etwas zu tun. Und es ist auch Verpflichtung für uns, wahrzunehmen, dass in Deutschland eine Person 10 Tonnen CO über das Jahr emittiert und in Indi2 en eben nur 2 Tonnen. Wir müssen uns, wenn wir eine gerechte Welt wollen – und das ist auch immer die Frage bei der Klimadebatte – diesen 2 Tonnen annähern und etwas dafür tun, dass diese Welt wieder gerechter werden kann. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Es ist kein Hexenwerk – so wie wir es in der integrierten Klimastrategie dargestellt und festgelegt haben –, pro Jahr 1,5 Prozent Einsparung über alle Energiebereiche hinzubekommen, insbesondere natürlich Strom und Wärme müssen wir da in den Blick nehmen und den Verkehr. Das können wir schaffen, wenn wir vor allen Dingen unsere Kommunen für die Zukunft fit machen mit einem kommunalen Energiemanagement, das in vielen Landkreisen in Thüringen schon super angelaufen ist. Wenn ich ganz kurz einmal einen Landrat zitieren darf, der sagt: „Bereits 2009 begannen wir im Landkreis mit der Einführung des Energiemanagements und konnten so bereits über 1.500.000 € einsparen. Später entstand unser Leitbild ‚Energie‘ als Handlungsgrundlage. Die Ressourcenschonung und Kosteneinsparungen selbst ohne investive Maßnahmen sind enorm.“ Im Übrigen sagt das kein Grüner, sondern der Landrat Andreas Heller aus dem Saale-Holzland-Kreis. Er hat gemeinsam mit den Landkreisen Eichsfeld, Schmalkalden-Meiningen, Saalfeld-Rudolstadt und Gotha (Beifall SPD) erlebt, dass man 10 bis 15 Prozent durch nicht investive Maßnahmen – einfach indem man Monitoring durchführt, indem man hinschaut, wo uns Energie verloren geht, kann man dort schon sehr viel machen. Der zweite große Handlungsbereich ist der ländliche Nahverkehr. Wir alle wissen, in Thüringen sind ca. 66 Prozent der arbeitstätigen Bevölkerung Pendlerinnen und Pendler. Das heißt, wenn es uns gelingt, einen attraktiven öffentlichen Nahverkehr insbesondere für die ländlichen Bereiche aufzubauen, dann können wir es leicht schaffen, 1,5 Prozent der für Verkehr zum Beispiel verwendeten Energie wirklich einzusparen. Das muss das Ziel sein. Das ist auch kein Hexenwerk – wir können das schaffen. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Wir können das insbesondere schaffen, weil Sachsen-Anhalt und Sachsen uns das vormachen. Sachsen-Anhalt hat ein Landesbusnetz gefördert und aufgebaut, das gut angenommen wird. Sachsen hat im Rahmen dieses MDV, des Mitteldeutschen Verkehrsverbunds, einen garantierten Takt über den Tag und auch am Wochenende. Das müssen unsere Vorbilder sein. Das können wir schaffen. Deshalb haben wir Grüne dafür geworben, Takt und Ticket für Thüringen neu zu machen, mit einem Zwei-Euro-Ticket allen Menschen die Möglichkeit zu geben, günstig unterwegs zu sein. Dann ist es auch kein Hexenwerk mehr. Wenn man sich anschaut, dass ein Familienfahrzeug – ich nehme mal eine mittlere Reichweite – vielleicht 15.000 Kilometer im Jahr fährt, 1,5 Prozent davon einzusparen, da sind wir ungefähr bei 250 Kilometern. Das kann jeder schaffen, wenn wir einen attraktiven öffentlichen Nahverkehr haben, wenn man nicht jede Fahrt mit dem Kind zum Sport und Ähnliches mit dem Auto machen muss, sondern öfter mal den Bus nutzen kann. Das muss unser Ziel sein.

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