landtag.ltsh.de ↗

Annabell Krämer

07.10.2026 Sitzungen 20/129

Für die Landesregierung erteile ich das Wort der Ministerin für Allgemeine und Berufliche Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur. Dr. Dorit Stenke, Ministerin für Allgemeine und Berufliche Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur: Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Wir sind uns einig, gute Bildung ist der Schlüssel zu Chancengerechtigkeit. Weil das so ist, haben wir dieses Thema jetzt noch mal für alle Schulen in einem großen Rahmenkonzept für zehn Jahre in den Mittelpunkt unseres und Ihres Handelns gestellt. Das Rahmenkonzept Schule 2035 gibt den Weg verbindlich mit drei großen Bildungszielen, die zueinander in Balance zu bringen sind, vor, nämlich der Leistungs- und Kompetenzentwicklung – Sie, Frau Riecke, haben das ebenfalls erwähnt –, dem Wohlbefinden und der Persönlichkeitsentwicklung und natürlich der Sicherung der Chancengerechtigkeit. Gerade weil Kinder und Jugendliche in Abhängigkeit von ihren Rahmenbedingungen immer noch unterschiedlich lernen und sehr differenzierte Unterstützungs‑, aber auch Herausforderungsbedarfe haben, haben unsere Schulen viele Gestaltungsräume. Genau deswegen haben sie Schulautonomie, um ihre pädagogischen Lehr- und Lernkonzepte und ihren Lehrkräfteeinsatz an die jeweiligen Bedarfe vor Ort anzupassen. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Schulen, die aufgrund der sozialen und migrantischen Zusammensetzung der Schülerschaft über besondere Herausforderungen verfügen, bieten wir schon im Startchancen-Programm und davor schon im PerspektivSchul-Programm mit zusätzlichen Sach- und Personalmitteln die Möglichkeit, mit diesen besonderen Herausforderungen gerecht zu werden. Wir haben den Schulen eine Experimentierklausel an die Hand gegeben. Wir haben ihnen nämlich gesagt: Sagt doch bitte mal, was ihr vermisst, was ihr braucht, was ihr gerne noch machen wollt, wo ihr den Eindruck habt, das findet bisher viel zu wenig in Schule statt. Wir haben sehr, sehr viele Antworten aus den Schulen bekommen, was uns sehr gefreut hat, was uns sehr viel Arbeit gemacht hat – aber das ist eben (Ministerin Dr. Dorit Stenke) so, wenn man solche Themen auf den Weg bringt –, und festgestellt, dass die allermeisten Dinge im Rahmen der vorhandenen Verordnungen, im Rahmen der vorhandenen Möglichkeiten tatsächlich umsetzbar waren. Wir haben die Schulen ermutigt, das zu tun, und haben da, wo es notwendig war, Verordnungslagen geändert, um diesen Anforderungen gerecht zu werden. Insofern sind wir auf einem guten Weg. Helmut Fend hat es einmal die „Dignität der Einzelschule“ genannt, ein Begriff, der mich sehr lange beschäftigt hat. Er bringt es nämlich noch besser auf den Punkt, worauf es eigentlich ankommt, als der Begriff der pädagogischen Handlungsautonomie, nämlich dass sich jede Schule selber finden muss, dass Schule unterschiedliche spezifische Bedingungen hat, unterschiedliche Lehrkräfte, unterschiedliche Fachkräfte und eben unterschiedliche Schülerinnen und Schüler hat, dass Schule mit diesen Rahmenbedingungen arbeiten muss und unsere Bildungssysteme so gestaltet werden müssen, dass Schulen das eben auch können. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Deswegen gilt es nicht nur, die Dignität des handelnden Personals zu berücksichtigen, sondern auch, genau das zu tun, was in der Debatte eben gesagt wurde, nämlich Hausaufgaben mit Augenmaß zu geben und weitere Dinge. Ich möchte das nicht wiederholen. Ich kann jedem Satz über Hausaufgaben, der hier gerade gesagt wurde, zustimmen, weil das alles stimmt. Es ist pädagogisches Grundwissen, so in Schule zu handeln. Weil das so ist, werden bei uns im Land die Hausaufgaben durch die Schulkonferenz der jeweiligen Schule definiert. Schulkonferenz heißt, dass man gemeinsam darüber spricht, und zwar mit den Schülerinnen und Schülern, mit den Lehrkräften und mit den Eltern, und dann ein Konzept dafür hat, wie man eben mit Hausaufgaben jeweils umgeht. Die Lehrkräfte bringen hier selbstverständlich die schon vorgetragene Fachexpertise und das Wissen über ihre Schülerschaft ein. Wir wissen – auch da stimme ich vollkommen zu –, dass sich Eltern unterschiedlich an der Bildung und Erziehung ihrer Kinder beteiligen können. Das gilt natürlich auch für den Nachmittag. Deswegen müssen wir die Eltern dabei unterstützen, diese Unterstützung zu leisten. Wir sind dabei, Konzepte dafür zu entwickeln, seien es an den Startchancen-Schulen jetzt die Familiencafés, die ausprobiert werden, wo eben Mütter in das Unterrichtsgeschehen einbezogen werden, wo sie in die Verantwortung für das Lernen ihrer Kinder einbezogen werden, seien es aber auch Familienzentren, die jetzt an vielen Schulen entstehen, wo eben Familien gemeinsam mit den Lehrkräften darüber sprechen, wie man die Bildung von unseren Kindern noch besser organisieren kann. Wir haben Schulen die Möglichkeit gegeben, sich mit Lernstandserhebungen und Vergleichsarbeiten ein noch besseres Bild über den Arbeitsstand der Kinder und Jugendlichen zu verschaffen. Sie haben das wahrgenommen. Wir haben unser digitales Dashboard vorgestellt, das diesen Weg für die Schulen noch mal komfortabler macht, noch mal mehr Möglichkeiten bietet, auf die Schülerinnen und Schüler bewusst und direkt einzugehen. All das findet sich im Grunde genommen in diesem Antrag wieder, wenn es vielleicht auch in anderer Weise formuliert ist, aber dem Gehalt nach finde ich das durchaus darin wieder. Auch der Ganztag ist selbstverständlich etwas, was jetzt in die Gestaltung des Schulalltags und damit in die Gestaltung von Lernzeiten eingebunden wird. Ich möchte das noch mal ausdrücklich betonen: Das pädagogische Rahmenkonzept sieht ganz genau das vor. Aus diesem Grund finde ich, dass wir im Moment tatsächlich keine weiteren Papiere, keine weiteren Rahmenbeschreibungen und tatsächlich keinen Modellversuch zu dieser Thematik brauchen. Wir haben gerade ein großes Labor mit den Startchancen-Schulen, in dem viele dieser Dinge erprobt werden. Alles, was dort erprobt wird, was dort gemacht wird, wird wissenschaftlich begleitet, und alles wird unmittelbar und sofort auf Transfer untersucht. Weil das so ist, haben wir wirklich eine große Chance, in unserem System eine erhebliche Entwicklung voranzubringen. Denn hier sind 136 Schulen beteiligt, die Erfahrungen sammeln, die beim Sammeln der Erfahrungen begleitet werden, die wir auswerten und für das System nutzen werden. Insofern sind wir im Moment auf einem guten Weg, auf der einen Seite der Dignität der Einzelschule zu entsprechen und auf der anderen Seite dem großen Ziel der Chancengerechtigkeit in unserem Land erhebliche Schritte näher zu kommen. – Herzlichen Dank. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Alle Reden von Annabell Krämer Protokoll ↗