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Martin Balasus

CDU 07.10.2026 Sitzungen 20/129

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ja, heute sprechen wir über Hausaufgaben. Endlich mal ein Thema, bei dem nun wirklich jeder mitreden kann. Englischvokabeln lernen, einen Aufsatz beenden, eine Dramenszene vorbe- (Martin Balasus) reiten, Rechtschreibung üben. Die eine Hausaufgabe gibt es nicht, das weiß jeder von uns. Deshalb gibt es auch nicht die eine richtige Antwort auf den Umgang damit. Zehn Jahre lang, fast neuneinhalb Jahre, habe ich Deutsch und Geschichte unterrichtet und entsprechend viele Hausaufgaben aufgegeben und kontrolliert. Man könnte, glaube ich, mit Fug und Recht behaupten, ich bin da recht geübt. Aufgrund dieser umfangreichen empirischen Evidenz wage ich folgende Einschätzung: Die meisten von Ihnen haben ihre Hausaufgaben regelmäßig erledigt. (Zurufe: Ja!) Manche haben sie häufiger vergessen, und manche haben vermutlich gerne mal abgeschrieben (Andrea Tschacher [CDU]: Niemals!) oder, habe ich eben noch gehört – ich sage nicht, wo – abschreiben lassen. Aus Gründen des parlamentarischen Friedens würde ich jetzt auf Zuordnung zu Fraktionen oder Herausgreifen von einzelnen Abgeordneten verzichten. Eines, da werden Sie mir aber alle recht geben, wissen und wussten wir auch schon als Schüler: Man wusste ganz genau, bei welcher Lehrkraft konnte ich mir das eigentlich erlauben, die Hausaufgaben nicht zu machen oder was auch immer und bei welcher Person habe ich das lieber bleiben lassen. Hausaufgaben haben verschiedene Funktionen. Sie sollen Gelerntes wiederholen, Kenntnisse vertiefen oder den Unterricht vorbereiten. Sie dürfen keine Beschäftigungstherapie für einen vielleicht zu kurzen oder zu schönen Nachmittag sein. Sie müssen sinnvoll sein, sie müssen zum Unterricht passen, und sie dürfen nicht überfordern. Vor allem müssen Kinder sie möglichst selbstständig erledigen können. Denn Hausaufgaben sollten, weiß Gott, keine Beschäftigungstherapie für die Eltern sein. Ich habe jetzt zwei im Hausaufgabenalter, deswegen muss ich das noch einmal unterstreichen. Eltern sollen begleiten, aber nicht abends die zweite Schicht des Unterrichts übernehmen. Unterschiedliche Bedingungen zu Hause müssen wir deshalb berücksichtigen, ganz klar, das ist wesentlich. Wir müssen dort Unterstützung ermöglichen, wo sie auch gebraucht wird. In vielen Schulen gibt es das mit Hausaufgabenbetreuung und so weiter. Ganz klar ist das auch eine Antwort. Entscheidend ist außerdem, das ist zumindest meine Erfahrung: Die Lehrkraft muss sich für die Hausaufgaben interessieren. Es gibt ja nichts Schlimmeres, als wenn man eine Hausaufgabe aufgibt und dann guckt die keiner an. Die muss natürlich wahrgenommen werden. (Beifall CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und SPD – Jette Waldinger-Thiering [SSW]: Genau so ist das!) Ich weiß jetzt nicht, ob das pädagogisch auf dem neuesten Stand ist, aber ich habe immer drei mitgenommen, so nach Zufallsprinzip. Da haben sich die Schüler immer sehr gefreut. Natürlich ist die Wahrscheinlichkeit, dass man drankommt, gering. Aber total sinnvoll ist, dass man eben mal rumgeht. Vor allem, das ist doch das Wesentliche: Wenn jemand sich besondere Mühe gegeben hat, muss das auch im Unterricht gewürdigt werden. Denn wenn sich jemand besonders anstrengt, dann hat man hier die Chance – man hat sich zu Hause Mühe gegeben –, das mal vorzustellen, auch wenn man vielleicht sonst nicht so leistungsstark ist. Das ist eigentlich eine wunderbare Chance, die man nutzen muss. Diese Arbeit der Schülerinnen und Schüler muss man auch sehen. Regelmäßiges Vergessen, jetzt ist der Umkehrschluss, darf natürlich nicht folgenlos bleiben. Erst die Ursachen klären, dann verbindlich das Nachholen vereinbaren. Ganz ehrlich, an manchen Schulen ist das leichter, in manchen Klassen ist es leichter, in manchen ist es wirklich schwierig. Verständnis und Verbindlichkeit gehören hier zusammen. Schulen organisieren das unterschiedlich; so funktioniert es im ganzen Land. Ob klassische Hausaufgaben, integrierte Lernzeiten oder andere Konzepte – die Kollegen sagte es soeben schon –: Entscheidend ist doch, dass vor Ort eine Lösung gefunden wird, die funktioniert. Die Lösung muss zu der Schule passen, sie muss zu den Schülerinnen und Schülern passen. Diese Entscheidung sollten wir den Schulen zutrauen; wir hier müssen sie nicht vorgeben. Damit sind wir bei dem Antrag der FDP. Erstens. Sie wollen weder ein landesweites Hausaufgabenverbot – das finde auch ich super – noch eine landesweite Verpflichtung; beides steht in Ihrem Antrag. Das finde ich genau richtig. Nur, ich verstehe eines nicht: In Ihrem Antrag wird insinuiert, es sei ein Hausaufgabenverbot geplant. Davon weiß ich nichts, und das fände ich auch völlig absurd. Wir denken, die pädagogische Expertise sitzt vor Ort. Nicht jede Entscheidung muss über einen Schreibtisch in Kiel gehen. Die Schulen haben (Martin Balasus) schon sinnvolle und verbindliche Konzepte entwickelt. Das ist der richtige Weg. Zweitens. Ihr gewünschter Qualitätsrahmen enthält richtige Kriterien, zum Beispiel klare Lernziele, angemessener Umfang, selbstständige Bearbeitbarkeit. Das alles sind Grundlagen des pädagogischen Handwerks. Lehrkräfte sind ausgebildete Fachleute. Gerade von einer liberalen Partei würde ich mir manchmal etwas mehr Vertrauen in die Eigenverantwortung vor Ort wünschen. (Beifall CDU und vereinzelt BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) Unterstützung – gern. Doch ein zusätzlicher Qualitätsrahmen ist noch keine Qualitätsverbesserung; diese entsteht nur im Unterricht. Drittens: Lernzeiten sinnvoll gestalten. Antwort: Selbstverständlich! Wir brauchen konzentriertes Arbeiten und intensive Auseinandersetzung. Eine Unterrichtsstunde ist nicht deshalb gelungen, weil fünf Methoden benutzt werden, drei Gruppenwechsel und zwei digitale Werkzeuge darin vorkommen; das ist bei Zeichenstunden manchmal der Fall. Entscheidend ist doch: Was haben die Kinder verstanden? Was können sie anschließend besser? Der letzte Punkt: Modelle erproben und voneinander lernen. Da denke ich gleich an einen Ohrwurm, in dem es heißt: „Wir wollen aufstehn, aufeinander zugehn, voneinander lernen, miteinander umzugehn.“ Das ist aber noch kein Garant für eine bessere Lernzeit. Mein Plädoyer ist: Auch in der Schule muss das Rad nicht immer neu erfunden werden. Die Schulen haben bereits vernünftige Konzepte entwickelt. Also lautet mein Vorschlag: Wir lassen die Schulen entscheiden. Wir vertrauen auf die Expertise der Lehrerinnen und Lehrer.

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