Magdalena Finke
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Wir haben es heute schon mehrmals gehört: Wohnen ist eine der zentralen sozialen Fragen unserer Zeit. Es vergeht kaum eine Landtagstagung, in der wir nicht darüber reden. Das ist auch gut so. Denn es geht uns allen um eine ganz konkrete Frage: Wie schaffen wir es, dass junge und ältere Menschen, Familien und Alleinstehende in Schleswig-Holstein eine Wohnung finden, die zu ihrem Leben und zu ihrem Einkommen passt? Dafür brauchen wir vor allem mehr bezahlbaren Wohnraum sowie schnellere Verfahren und verlässliche Rahmenbedingungen für den Wohnungsbau. Erst in der vergangenen Woche hat die Nordbau in Neumünster stattgefunden. Das ist in Nordeuropa unsere größte Baumesse. Viele von Ihnen waren da und haben sich die Situation und die Perspektiven der Bauwirtschaft angehört. Mir ist dabei besonders aufgefallen, dass die Stimmung in der Baubranche wieder ein wenig zuversichtlicher ist. (Dr. Bernd Buchholz [FDP]: Na ja!) Im ersten Halbjahr 2026 sind die Auftragseingänge im schleswig-holsteinischen Bauhauptgewerbe real um 4,6 Prozent gestiegen. Man blickt allgemein etwas optimistischer auf die kommenden Monate und darauf, dass sich die Rahmenbedingungen für die Wohnungswirtschaft, für den Wohnungsbau, Schritt für Schritt verbessern werden. (Dr. Bernd Buchholz [FDP]: Das sehe ich anders!) – Das ist meine Wahrnehmung gewesen. Sie haben vielleicht eine andere. Professor Walberg von der AGSH e. V. hat auf den Nordbau von einer schleswig-holsteinischen Erfolgsgeschichte gesprochen. (Dr. Bernd Buchholz [FDP]: Das stimmt!) Genau daran wollen und sollten wir anknüpfen. Wir gehen bundesweit voran; wir senken die Baukosten im Durchschnitt um 17 Prozent, in einzelnen Projekten sind es teilweise 30 Prozent. Gleichzeitig kümmern wir uns um den Ausbau im Bestand und fördern den sozialen Wohnungsbau auf Rekordniveau. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Aber bei all den Bemühungen, deren Wirkung in den kommenden Jahren noch sichtbarer werden wird, dürfen wir die aktuelle Situation nicht verkennen: Gerade für jüngere und ältere Menschen ist die Suche nach bezahlbarem Wohnraum heute eine besondere Herausforderung. Deswegen sind solche Projekte wie „Wohnen für Hilfe“ gut. Sie bringen Menschen unterschiedlichen Alters zusammen. Ältere Menschen, die im eigenen Haus oder in einer (Ministerin Magdalena Finke) eigenen großen Wohnung mehr Platz haben, stellen diesen Wohnraum jungen Menschen zur Verfügung – etwa Auszubildenden oder Studentinnen und Studenten. Im Gegenzug erhalten sie Unterstützung im Alltag. Es wurde mehrmals gesagt: Wir hatten und haben in Schleswig-Holstein bereits Beispiele, wie das funktionieren kann. In der Region Flensburg hat kürzlich ein Verein die Initiative „Wohnen für Hilfe“ an den Start gebracht. Aber das Studentenwerk – auch das haben wir heute schon gehört – hat eigene Beratungs- und Vermittlungsangebote vor Ort. Solche Initiativen leben von lokalen Netzwerken, von den kommunalen Akteuren. Die Landesregierung teilt ausdrücklich das Ziel, den Wohnungsmarkt zu entlasten und generationsübergreifende Wohnformen zu stärken. Doch der Schlüssel dafür liegt meines Erachtens nicht in einer zentralen Landesplattform. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Entscheidend ist vielmehr, mehr Wohnraum zu schaffen – auch generationenübergreifenden Wohnraum, auch Wohnraum für Studentinnen und Studenten. Deswegen gibt es unser Programm Junges Wohnen. Wir müssen dafür sorgen, dass das Bauen durch Pragmatismus und weniger unnötige Hürden sowie durch verlässliche Rahmenbedingungen wieder günstiger wird. Genau das ist die Voraussetzung dafür, dass Wohnen in Schleswig-Holstein bezahlbar ist und Menschen in jeder Lebensphase passenden Wohnraum finden. – Vielen Dank. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
