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Thomas Hölck

SPD 17.09.2026 Sitzungen 20/127

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Das Konzept „Wohnen für Hilfe“ ist nicht neu. Es wird vom Studierendenwerk angeboten und ist häufig auf Einzelfälle reduziert. Es wird alleine die Wohnungskrise in Schleswig-Holstein nicht lösen. Aber das Konzept kann dazu beitragen, den Druck auf den Wohnungsmarkt abzumindern. (Beifall SPD und vereinzelt BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) Denn wir wollen uns nicht mit der Wohnungskrise in Schleswig-Holstein abfinden. Mit guten Ideen, mit Solidarität ist mehr auf dem Wohnungsmarkt möglich. Mit diesem Konzept ergeben sich Chancen für Studierende, Auszubildende und Singles, ein Dach über dem Kopf zu erhalten. Das ist richtig und wichtig. Es wird vermutlich so sein, dass die Wohnverhältnisse nur zeitlich begrenzt sind. Das ist aber nicht schlimm. denn zugleich ist wichtig zu erwähnen, dass es einen solidarischen, praktischen Beitrag zum Alltag älterer Menschen ermöglicht. Das ist sinnvoll, weil es vor Vereinsamung schützen kann, das ist doch eine sinnvolle Angelegenheit. (Beifall SPD) Das Konzept verbindet das Bedürfnis nach bezahlbarem Wohnraum mit dem Gefühl nach Gemeinschaft und Hilfe, und ganz nebenbei kann es auch zur Integration beitragen. Liebe Kolleginnen und Kollegen, wenn man die Koalition fragt, was sie in diesem Land gegen die Wohnraumkrise tut, dann verweist sie ständig auf die Wohnraumförderung des Landes. Das reicht aber nicht aus, weil wir wissen, dass das Abschmelzen der Sozialwohnungen, die aus der Bindung herausfallen, stärker ausfallen wird als die Kompensation dieser Wohnungen. Deshalb brauchen wir neue Ideen, mehr Ideen, als diese Koalition sie hat. Wir können bezahlbaren Wohnraum schaffen, wenn wir die Wohnraumfördermittel erhöhen und wenn wir mit guten Ideen Wohnraum teilen und das Konzept „Wohnen für Hilfe“ anwenden. (Beifall SPD) So ganz nebenbei könnte man auch die Mietpreisbremse wieder einführen. (Heiterkeit FDP) Das kostet nichts, hilft aber auf dem Wohnungsmarkt, den Mietanstieg zu bremsen. (Zuruf SPD: Jawohl!) Liebe Kolleginnen und Kollegen, was können Sie nun, wenn man sich die Versorgung der Studierenden mit Wohnheimplätzen in Schleswig-Holstein anschaut? In Schleswig-Holstein können nur 5,8 Prozent der Studierenden auf einen Wohnheimplatz zurückgreifen, im Bundesdurchschnitt sind es fast zehn Prozent, also: Sie können offensichtlich nicht viel. Wir wollen heute mehr als nur eine Idee auf den Weg bringen, wir wollen durch Solidarität bezahlbares Wohnen ermöglichen. Dazu brauchen wir erstens die Einführung einer landesweiten Onlineplattform, wir brauchen eine zentrale, digitale, barrierefreie Vermittlungsplattform, auf der Wohnraumgebende und Wohnraumsuchende unkompliziert zueinander finden können. Seniorinnen und Senioren, Familien, Studierende, Auszubildende, alle sollen ihren Teil dazu beitragen können. Diese Plattform muss transparent, benutzerfreundlich und zuverlässig funktionieren. Sie soll Vertrauen schaffen, indem sie klare Informationen bietet, welche Leistungen angeboten werden. Eine solche Plattform reduziert auch Suchzeiten, verhindert Missverständnisse und kann allen Beteiligten eine gute Grundlage dafür bieten, Wohnraum zu finden und auch zu vermitteln. Zweitens. Wir wollen eine landesweite Beratungsund Vermittlungsstruktur aufbauen. Es braucht regionale Beratungsstellen, die Wohnraumgebende und Wohnraumsuchende zusammenbringen. Es geht darum, rechtssichere Vereinbarungen bei Mietverträgen auf Basis von Hilfeleistungen zu entwerfen. Wir brauchen eine verlässliche Infrastruktur für kommunale Träger, Wohlfahrtsverbände, Studierendenwerk und künftig Azubiwerk, um alle sinnvoll zu vernetzen. Wir brauchen eine Infrastruktur, die Unsicherheiten abbaut und bei Konflikten vermitteln kann. Drittens. Wir wollen Standards und Vertragssicherheit entwickeln. Dazu gehören landesweite Qualitätskriterien für faire Vereinbarung über Leistung und Gegenleistung. Ziel ist es, Benachteiligungen zu verhindern, Transparenz zu schaffen und gegenseitiges Vertrauen zu fördern. (Beifall SPD und Sybilla Nitsch [SSW]) Das bedeutet klare Kriterien zu Mietanteilen, Haftung, Versicherungsschutz, Arbeits- und Hilfsleistung, zeitliche Rahmenbedingungen und Nachbarschaftsfragen. (Thomas Hölck) Viertens. Das Konzept „Wohnen für Hilfe“ benötigt eine positive Öffentlichkeitsarbeit, und das ist dringend notwendig. Abschließend, liebe Kolleginnen und Kollegen, möchte ich sagen, Wohnen ist mehr als ein Dach über dem Kopf. Es geht um Würde, Unabhängigkeit und Gemeinschaft. Mit dem Konzept „Wohnen für Hilfe“ geben wir den Bürgerinnen und Bürgern Schleswig-Holsteins eine konstruktive Möglichkeit, solidarisch Verantwortung zu übernehmen, generationsübergreifend und bürgernah. Lassen Sie uns gemeinsam dieses Konzept zu einem festen Baustein zur Lösung unserer Wohnraumkrise machen. – Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall SPD)

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