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Beate Raudies

17.09.2026 Sitzungen 20/127

Für die Landesregierung erteile ich das Wort der Ministerin für Allgemeine und Berufliche Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur, Dr. Dorit Stenke. Dr. Dorit Stenke, Ministerin für Allgemeine und Berufliche Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur: Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Ich will versuchen, ein bisschen Licht in das Dunkel dieser verschiedenen Anträge zu bringen. Ich meine das nicht negativ, sondern ich meine, dass es ein paar Missverständnisse gibt, die ich gerne versuchen würde aufzuklären, was vielleicht verstehen hilft, warum wir sagen, eine wissenschaftliche Evaluation ist jetzt gerade nicht das, was wir brauchen. In der inhaltlichen Darstellung kann ich den allermeisten Punkten folgen, weil es natürlich so ist, dass aus Diagnosen Folgen entstehen müssen. Es muss auch so sein, dass diese Erkenntnisse in der Schule – das ist Ihr Beispiel, Herr Habersaat – tatsächlich nicht in der einen Klasse genutzt werden und in der Nachbarklasse nicht genutzt werden. Das stellen wir über das Schuldatenblatt sicher, in dem nämlich die Daten jeweils hinterlegt sind und die Schulleitung – das ist jetzt die nächste Person, die ins Spiel kommt – sehen kann: Haben beide Kollegen damit gearbeitet? Darüber, dass wir das jetzt in zwei aufeinanderfolgenden Jahrgängen machen und dann noch weiter fortführen werden, können wir sehen, ob die Schüler Fortschritte gemacht haben. Ich stimme Ihnen vollkommen zu: Das ist der entscheidende Punkt. Wir brauchen das alles gar nicht machen, wenn wir nicht sehen, dass sich die Leistungen der Schülerinnen und Schüler verbessert haben. (Beifall FDP und SSW) Das ist das ganze Ziel dieser Maßnahme. Wir haben die PISA-Ergebnisse gestern diskutiert, und wir müssen erreichen, dass genau das passiert. Jetzt haben wir einen einzigen Punkt, der an dieser ganzen Geschichte im Moment für die Lehrkräfte noch schwierig ist. Es ist sehr schwierig, die Daten aus dem EVi-Verfahren, aus der LeA-1 und LeA-2 und dann zukünftig aus LeA-4, ‑5 und ‑6 aufeinander zu beziehen, weil wir immer noch keine Schüler-ID haben. Eine Schüler-ID ist die Voraussetzung dafür, dass ich nachvollziehen kann: Hat sich der Schüler in seiner Leistung so entwickelt, wie ich das antizipiert haben möchte, damit er die Übergänge gut schafft, damit er seine Abschlüsse gut schafft? (Ministerin Dr. Dorit Stenke) (Vereinzelter Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Genau das bringen wir jetzt gerade auf den Weg. Es ist ja im Gesetzgebungsverfahren. Wir haben gesagt: Wir wollen jetzt eine Schüler-ID einführen, die dann dazu führen wird, dass all diese Vorgänge, die ich jetzt beschrieben habe – zu VERA komme ich gleich –, miteinander in eine Übersicht kommen. Dazu werden wir das Datenblatt in den kommenden Wochen durch ein digitales Verfahren ersetzen, durch ein Dashboard, das jederzeit eingesehen und genutzt werden kann. Dafür wird es Nutzerregelungen geben, damit eben nicht jeder jedes Datum sieht, denn das wollen wir natürlich nicht. Aber das werden wir dann feststellen. Frau Riecke, wenn ich Sie richtig verstehe, sind das diese erweiterten Nutzerkreise. Es ist nicht nur die Lehrkraft, die drauf guckt, und die Lehrkraft, die vielleicht, weil es so etwas geben kann, ignorant ist, sondern wir achten darauf, dass sie nicht ignorant ist, sondern dass sie Maßnahmen ableitet. (Beifall CDU) Dabei helfen wir ihr, indem wir sagen: Hier gibt es Materialien, hier gibt es Unterstützung, und für das Problem X hast du diese Maßnahme, für das Problem Y hast du eine andere Maßnahme. – Das genau ist das ganze Ziel. Es ist ja immer ein bisschen schwierig in Bildungssystemen, dass wir immer eine gewisse Ungleichzeitigkeit haben. Wir haben jetzt gesagt, wir beginnen jetzt mit EVi, da sind wir aber noch nicht so weit, weil wir es gut einführen müssen. Wir starten aber schon mal mit LeA – und zwar weswegen? – Weil wir wussten, dass das ein wissenschaftlich gut evaluiertes Verfahren ist, weil andere Länder das geprüft haben und wir uns darauf verlassen haben. Ich sage an dieser Stelle tatsächlich sehr gerne: Wir verlassen uns da auf die Erfahrungen der Hamburger Kolleginnen und Kollegen, weil wir aus deren Leistungserfolgen sehen, dass genau ein solches Vorgehen richtig ist. Deswegen haben wir gesagt, wir brauchen jetzt an dieser Stelle nicht noch eine wissenschaftlich basierte Unterstützung, weil wir uns auf wissenschaftlich gut evaluierte Verfahren stützen. Dann kriegen wir genau das, so wie ich Sie verstanden habe, dass wir einen Durchlauf haben, dass wir sehen können: Hat sich die Leistungsentwicklung gezeigt? Hier kommt jetzt die nächste Nutzergruppe ins Spiel. Das sind die Fachaufsichten, die Landesfachaufsichten, die sich dann mit den Ergebnissen auseinandersetzen. Das machen wir jetzt auch schon. Wir werden dann die Schulen aufsuchen, wo wir sehen: Da passiert gar nichts. Die testen zwar schön, aber es passiert überhaupt nichts. Mit diesen Schulen werden wir weiter arbeiten, und das stellen die Landesfachaufsichten sicher, die wir jetzt ebenfalls etabliert haben. Leider oder vielleicht zum Glück – das will ich gar nicht bewerten – brauchen wir ein anderes System als Hamburg, weil Hamburg eben andere Möglichkeiten hat. Darüber haben wir auch schon öfter gesprochen. Es findet dort nun einmal in einem Kreis statt, in dem man mit der S-Bahn schnell einmal hinfahren kann, in dem schnell einmal eine Studentin aushilft, in dem schnell einmal ein Institut vorhanden ist. Das ist bei uns nicht der Fall. Wir müssen uns auf andere Strukturen verlassen, und diese Strukturen bauen wir im Moment auf. Ich weiß, dass uns viele Dinge immer zu langsam gehen. Das geht mir persönlich auch so; Geduld ist nicht eine meiner Kernkompetenzen. Gleichwohl müssen wir alle Schülerinnen und Schüler und Lehrerinnen und Lehrer in unserem Land mitnehmen. Genau das machen wir mit diesem Verfahren. Lassen Sie mich abschließend nur noch einmal sagen: Auch VERA wird in dieses Verfahren eingegliedert. Im Moment sind wir dabei, VERA für die Individualdiagnostik zugänglich zu machen, damit wir in der Grundschule – von EVi angefangen über 1, 2 und 3 mit VERA – tatsächlich den Übergang in die weiterführende Schule haben. In der weiterführenden Schule haben wir dann 5, 6 und im Moment 8, wo wir darauf schauen müssen, ob wir dazwischen noch einmal einen Schritt brauchen. Ich denke, das sollten wir diskutieren. Weil wir mit diesem ganzen Prozess auf dem Weg sind, weil wir das jetzt digital dokumentieren, weil wir die Lehrkräfte dabei unterstützen und weil wir sukzessive ein Unterstützungssystem aufgebaut haben, sagen wir, dass wir im Moment keine wissenschaftliche Evaluation brauchen. Das Verfahren muss sich erst einmal einfinden. Wenn wir dann feststellen, dass es gar nicht funktioniert oder die Leistungsentwicklung in ein paar Jahren nicht eingetreten ist, dann können wir das natürlich noch einmal wissenschaftlich evaluieren. Im Moment wäre das aber nur eine zusätzliche Anforderung. Denn was heißt es, wissenschaftlich zu evaluieren? – Es heißt, Daten an Schulen müssen eingesammelt und Lehrkräfte befragt werden. Das brauchen wir im Moment nicht, weil wir eine Struktur geschaffen haben, die trägt. (Ministerin Dr. Dorit Stenke) (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) In diesem Sinne glaube ich tatsächlich, Frau Riecke, dass wir uns über diesen Punkt eigentlich gar nicht auseinandersetzen müssen. Denn wir wollen dasselbe, und bringen das mit dem Verfahren, wie wir es machen, auf den Weg, weil wir uns an den erfolgreichen Ländern orientiert haben und das für Schleswig-Holstein nachbauen. – Vielen Dank. (Beifall CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Sybilla Nitsch [SSW])

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