Martin Habersaat
Vielen Dank, Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Liebe Wortklauberinnen und Wortklauber! (Heiterkeit) Die FDP beantragt, LeA.SH mit dem Ziel zu evaluieren, dass es gut werde oder gut bleibe – möglicherweise. Das ist aus meiner Sicht ein vernünftiges Ansinnen. CDU und Grüne schreiben, LeA.SH sei ein wichtiges Verfahren in der Schulentwicklung. – Sie wissen das also schon, ganz ohne Evaluation. Herzlichen Glückwunsch, Herr Krüger! Woher wissen Sie das denn? (Beifall SPD und FDP) Sie wollen hier per Landtagsbeschluss das beschließen, was Frau Riecke wissenschaftlich erst herausfinden will. (Zuruf Sybilla Nitsch [SSW]) Der sicherere Pfad – wissenschaftlich fundiert – scheint mir zu sein, mit einer Untersuchung zu einem Ergebnis zu kommen und nicht per Beschluss zu einem Ergebnis zu kommen. (Zuruf Peer Knöfler [CDU]) Stellen Sie sich einmal vor, Herr Knöfler, Sie sind Klassenlehrer einer 5. Klasse. Sie machen einen Lernausgangstest, und dabei kommt heraus: alle 28 Schülerinnen und Schüler perfekt auf dem Stand, den sie haben sollten; alle Grundschulen haben super gearbeitet; alle Elternhäuser haben aspirativ zugearbeitet; (Lachen SPD und SSW) alles ist perfekt. Ihr Kollege in der Klasse b macht die gleiche Lernausgangslage und stellt fest: Katastrophe! Keine Aspiration bei den Eltern, keine Grundschulen, die vorbereitet haben; alle Schülerinnen und Schüler meilenweit von dem entfernt, wo sie sein müssten. – Dann manchen Sie beide mit demselben Rahmenplan und denselben Ressourcen weiter Unterricht in Klasse 5. Und da liegt das Problem, meine Damen und Herren. (Beifall SPD und FDP – Zurufe) Wenn Sie Daten einfach nur erheben und daraus keine Konsequenzen ziehen, ist für die Schülerinnen und Schüler nichts gewonnen. (Unruhe – Glocke) Man braucht konkrete Fördermaßnahmen. Es gibt immerhin Förderblätter, die der Lehrkraft zur Verfügung gestellt werden, um denselben Rahmenplan möglicherweise ein bisschen besser zu machen. Aber so ganz neu ist die Idee ja nicht: Eine Lehrkraft kommt neu in eine Klasse, lernt die Klasse kennen, guckt, wie ist der Stand in dieser Klasse, (Martin Habersaat) und überlegt sich: Wo mache ich jetzt am besten weiter und wie? – Jetzt sagen Sie: Das hat bisher nicht gut genug funktioniert, deswegen geben wir den Lehrkräften ein Verfahren vor, mit dem sie das machen sollen. Das ist okay, das kann man sagen. Aber dann darf man doch als Landtag auch sagen: Wir wollen dieses Verfahren gern evaluieren und sicherstellen, dass das wirklich hilft. (Beifall und Zurufe SPD, FDP und SSW) In Hamburg unterstützt das Institut für Bildungsmonitoring und Qualitätsentwicklung in den Schulen bei solchen Vorhaben. Das führt die Tests aus, das wertet die Tests aus, das entwickelt Vorschläge für die Lehrkräfte, wie sie weiterarbeiten sollen, und das begleitet die ganze Schulentwicklung wissenschaftlich. In Schleswig-Holstein ist Ihre Idee, dass die Lehrkraft testet, die Lehrkraft auswertet und die Lehrkraft fördert – alles zusätzlich, alles ohne weitere Ressourcen und ohne so ein Serviceinstitut, was Hamburg den Lehrkräften an die Seite stellt. (Beifall Dr. Kai Dolgner [SPD], Anne Riecke [FDP] und Sybilla Nitsch [SSW]) Es ist doch völlig klar, dass Lehrkräfte Ihnen dann irgendwann sagen: Wie soll das denn alles noch zusätzlich gehen? Gestern habe ich hier ein Zitat von Herrn Balasus, CDU, vorgelesen, in dem es darum ging, Lehrkräfte zu entlasten und den Fokus auf den Unterricht zu setzen. Heute erzählen Sie uns, dass Sie schon genau wissen, dass dieses neue Verfahren, das Sie den Lehrkräften zusätzlich aufgedrückt haben, auf jeden Fall gut ist, ohne dass man genauer hingucken muss. Ich will das gar nicht bestreiten, denn ich glaube, dass das sinnvoll sein kann. Aber warum scheuen Sie dann die Evaluation, meine Damen und Herren? (Sybilla Nitsch [SSW]: Weil dabei dann ein Bedarf herauskommen würde!) Jede Stunde, die Sie eine Lehrkraft vom Unterricht fernhalten, indem Sie ihr eine Extraaufgabe oder eine neue Aufgabe geben, muss pädagogisch begründet sein, muss sich lohnen. Das muss eine Investition in die Zukunft der Schülerin oder des Schülers sein. Wenn Sie möglicherweise doch Daten doppelt erheben; Daten erheben, ohne dass daraus Konsequenzen entstehen; Daten erheben, ohne dass es für die Schülerinnen oder den Schüler besser wird, dann muss man da dringend nachsteuern. Denn entscheidend ist am Ende eines: von den Daten zu den Taten! – Vielen Dank für die Aufmerksamkeit. (Beifall SPD, FDP und SSW)
