Anette Röttger
Sehr geehrte Frau Landtagspräsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wie gelingt gute Bildung in diesen krisenbehafteten Zeiten? Was macht guten Unterricht aus, und wie wird man einer heterogenen Schülerschaft individuell und passgenau gerecht? Wie gelingt es, in unseren Schulen im richtigen Maß und mit richtigen Mitteln zu fördern, aber auch zu fordern? Wie lassen sich Lernstände mit digitalen Möglichkeiten so messen, dass dies nicht zu einer zusätzlichen Belastung von Lehrerinnen und Lehrern wird? (Martin Habersaat [SPD]: Fragen über Fragen!) Diese zentralen Fragen zum Wohle der Schülerinnen und Schüler beschäftigen uns immer wieder, denn bei allen getroffenen Maßnahmen geben nicht nur die jüngsten PISA-Ergebnisse Anlass zur Sorge um den Bildungsstand der Schülerschaft. Im vorliegenden Antrag geht es um die Lernausgangslagenerhebung, kurz LeA.SH, die wir im vergangenen Jahr verbindlich für die Klassenstufen 1 und 5 eingeführt haben. Zudem wird LeA.SH seit diesem Schuljahr auch für die Klassenstufen 2 und 6 angeboten. Nachdem wir über die datengestützte Schulentwicklung bereits vor einem Jahr im Parlament debattiert und vor wenigen Wochen im Bildungsausschuss mit Professor Köller diskutiert haben, haben Sie jetzt erneut einen Antrag vorgelegt, liebe Kollegin Riecke, mit dem Sie LeA.SH auf den Prüfstand stellen wollen und eine wissenschaftliche Evaluation einfordern. Das ist Ihr gutes Recht. Ich stimme mit Ihnen darin überein, dass jede neue Maßnahme für unsere Schulen auf ihre Wirkung hin überprüft werden muss, gibt es doch immer wieder den Eindruck, dass so manche zusätzliche, neue Methode oder Maßnahme gerade im Bildungsbereich in Wirkungslosigkeit verpufft. Nichts darf in der Schublade landen, da gebe ich Ihnen recht. Lehrerinnen und Lehrer in unseren Schulen im Land haben einen klaren Auftrag, die kostbare Zeit mit gutem Unterricht zu füllen, damit alle Schülerinnen und Schüler vor allem basale Kompetenzen wie Lesen, Schreiben und Rechnen in der Grundschule erwerben. Sie haben eine hohe Verantwortung, diesen Auftrag zu erfüllen, und sie tun das zusammen mit multiprofessionellen Teams mit viel Engagement und einem hohen persönlichen Einsatz. Dafür an dieser Stelle ein herzlicher Dank. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Sie sind aber heute mit erheblichen zusätzlichen Herausforderungen konfrontiert. Wir sind uns einig, dass es zu einer guten Bildung gehört, Lernstände über die gesamte Bildungsbiografie hinweg zu erfassen und so früh wie möglich damit zu beginnen. Die Einführung des Entwicklungsfokus für Viereinhalbjährige ist ein Beispiel dafür. Im Zuge fortschreitender Digitalisierung haben sich Lernstandserhebungen verändert. Neben den verbindlichen VERA-Vergleichsarbeiten verfolgt das Rahmenkonzept Schule 2035 einen langfristigen Ansatz für eine datengestützte und evidenzbasierte Schul- und Unterrichtsentwicklung. Die langfristige Entwicklung der Kompetenzen wird durch Bildungsmonitorings und dabei insbesondere durch die IQB-Bildungstrends gemessen. Während die verpflichtenden VERA-Vergleichsarbeiten in Mathe und Deutsch in den Klassenstufen 3 und 8 im Ergebnis der Unterrichts- und Schulentwicklung dienen, ist mit LeA.SH ein digitales Verfahren eingeführt worden, das zu Schuljahresbeginn die Bereiche Deutsch und Mathe testet und zukünftig die sozial-emotionale Kompetenz. Ziel ist es, dass die individuellen Lernstände insbesondere in den Übergängen von der Kita in die Grundschule und von der Grundschule in die weiterführende Schule nicht nur frühzeitig einfach und digital erfasst werden, sondern sofort mit konkreten Förderempfehlungen und geeigneten Förderma- (Anette Röttger) terialien zur Verfügung stehen. Natürlich müssen die Lehrer handeln. So werden die jeweiligen Schülerinnen und Schüler ganz individuell in ihrer Weiterentwicklung gezielt gefördert, aber auch gefordert. Das halten wir für sinnvoll und notwendig. LeA.SH wird zudem stetig weiterentwickelt, im Schuljahr 2026/27 mit einer freiwilligen Befragung der Lehrerinnen und Lehrer zum Einsatz von LeA.SH. Außerdem sollen die LeA.SH-Daten in das Dashboard eingepflegt und damit für Schulleitungen und Schulaufsichten systematisch nutzbar gemacht werden. Wir sollten der Einführung dieser Lernstandserhebungen die notwendige Zeit geben und entwickeln sie damit praxistauglich weiter. Daher werden wir dem FDP-Antrag nicht zustimmen. Ich bitte aber um Zustimmung zu unserem Alternativantrag. – Herzlichen Dank. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
