Kristina Herbst
Für die Landesregierung hat dann Ministerin Dr. Dorit Stenke das Wort. Dr. Dorit Stenke, Ministerin für Allgemeine und Berufliche Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur: Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Die berufliche und akademische Bildung sind gleichwertige Bildungswege, die unter verschiedenen Rahmenbedingungen stattfinden. Dennoch braucht es für Auszubildende und Studierende vergleichbare und differenzierte Unterstützungsleistungen. Beides versuchen wir hier in Einklang zu bringen. Studierende erhalten durch die Angebote des Studentenwerks eine relativ umfassende Unterstützung bei der Bereitstellung von Wohnraumplätzen, aber auch durch ein Beratungs- und Betreuungsangebot. Für Auszubildende besteht diese vergleichbare Unterstützungsstruktur in Bezug auf Wohnraum in den Regionen bisher nicht. Vielleicht ist das auch ein Grund, dass die Auszubildenden, wenn sie eine Ausbildung anfangen, bei Weitem nicht mehr minderjährig sind, sondern das durchschnittliche Ausbildungsalter ist weit über 18. Das könnte auch ein Grund dafür sein, dass man eben nicht von zu Hause auszieht und genau nicht woanders einen Ausbildungsplatz annimmt. Vor allem beim bezahlbaren Wohnraum kommen also ganz offensichtlich Auszubildende im Norden immer noch nicht dazu, das realisieren zu können, was sie gerne möchten. Genau diese Lücke wollen wir mit dem Azubiwerk schließen, und zwar gemeinsam mit den Kammern und der Bundesagentur für Arbeit wollen wir das bestehende Beratungsund Hilfsangebot weiterentwickeln. Selbstverständlich wollen wir auch mit den Unternehmen darüber sprechen, wie Wohnraum auch in anderen Strukturen weiterentwickelt und entstehen kann. Das schließt das, was bisher vorgelegt wurde, überhaupt nicht aus; denn wir wollen deutlich machen, dass die berufliche Bildung eine wichtige Säule der Wirtschaft und ein starker Hebel gegen den Fachkräftemangel ist. In den Studien, die uns vorliegen, sehen wir auch genau, dass dabei Wohnraum eine wichtige Rolle spielt, (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) und zwar sowohl in der Studie der DIHK, in der das als eines von vier Topthemen genannt wird, als auch in der Studie unserer IHK in Schleswig-Holstein. Bei aller Sympathie und bei allem Respekt, ich habe mich sehr darüber gefreut, dass die so schnell zugegriffen haben und eine Studie auf den Weg gebracht haben. Haben sie aber diejenigen befragt, die nicht in Ausbildung sind? Das heißt, es ist sehr interessant zu wissen, wer eigentlich nicht in Ausbildung ist. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Wir wissen alle sehr genau, dass wir hier weiterhin ein Matchingproblem haben. Ich stimme der Abgeordneten zu, dass es toll ist, dass die Ausbildungszahlen steigen, aber wir wollen dazu beitragen, dass sie noch mehr steigen können. Dabei darf es nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen, ob die Wunschausbildung tatsächlich angetreten werden kann. Ich bin daher sehr froh, dass wir mit dem Azubiwerk eine nötige Infrastruktur schaffen werden, um Mobilität und Flexibilität auf dem Ausbildungsmarkt zu ermöglichen. Das Azubiwerk wirkt in diesem Sinne. Da gibt es dann wieder eine Vergleichbarkeit zum Studierendenwerk, das ein Dienstleister und Wegbegleiter für Auszubildende werden (Ministerin Dr. Dorit Stenke) kann; denn Beratung zu den anstehenden Themen wie Kindergeld, Wohngeld, Berufsausbildungsbeihilfe, Rechtsberatung, Hilfe bei gesundheitlichen Problemen, Angebote der BA, Ausbildungsunterstützung für diejenigen Auszubildenden zu bekommen, die es nicht aus eigener Kraft schaffen, und noch viel mehr können wir den jungen Leuten in der sensiblen Phase zwischen Elternhaus und erster eigener Wohnung damit anbieten. Auch eine finanzielle Unterstützung – das haben wir auch erwähnt – in Form einer Azubistarthilfe wäre dabei denkbar. All das sind Themen, die wir mit diesem Gesetzentwurf ermöglichen können und in einem künftigen Azubiwerk umsetzen können. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
