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Sybilla Nitsch

SSW 17.09.2026 Sitzungen 20/127

Geehrte Präsidentin! Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Ich finde es wirklich klasse, dass 6.500 Auszubildende in diesem Sommer bei uns im Land eine Ausbildung begonnen haben. Das ist für die jungen Leute ein ganz neuer Lebensabschnitt. Es kommen viele Fragen auf, es gibt viele Informationen, aber auch viel Verantwortung. Bei einigen ist es so, dass sie dann in die erste eigene Wohnung ziehen. In den meisten Fällen jedoch ist dies nicht der Fall, denn die meisten Azubis wohnen bei ihren Eltern – noch zu Hause, wie man so schön sagt. Das hat die Umfrage der Kammern kürzlich ergeben. Die Umfrage ist schon sehr eindrücklich. Bei rund 4.000 Befragten hat man ganz konkret darauf abgezielt zu fragen, wie die Wohnsituation ist. Mit der Idee eines Azubiwerks soll es neben Unterstützungs- und Beratungsangeboten jetzt vor allen Dingen darum gehen, wie wir Hilfestellungen leisten für die jungen Leute, die eine schlechte Wohnsituation haben. Denn Fakt ist, wenn die Wohnraumfrage nicht geklärt ist, dann hilft auch der beste Ausbildungsplatz der Welt nicht. Ich möchte einmal darauf hinweisen, dass insbesondere die Inseln bei uns im Norden davon wirklich ein Lied singen können. Da sind wir dann auch schon an einem wichtigen Punkt angelangt, nämlich bei der Verschiedenheit der Ausgangslage bei uns im Land, welche sich in den Bedarfen widerspiegelt. Insbesondere auf dem Land sind die Bedarfe nämlich sehr kleinteilig. Für die Städte und Oberzentren würden möglicherweise größere und zentralere Lösungen wie Wohnheime besser funktionieren. Das wiederum hilft aber einer Kleinstadt in Angeln überhaupt nicht. Wir als SSW-Fraktion sind daher der Meinung, dass es in der Tat ein differenziertes und dezentrales Unterstützungsangebot für Schleswig-Holstein braucht. (Beifall SSW, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und vereinzelt SPD) Wir sind der Sache konstruktiv begegnet, haben einen Änderungsantrag zum Gesetzentwurf gestellt und in unserem Entschließungsantrag sehr konkret dargestellt, wie wir das sehen. Dass die angekündigte Analyse noch nicht vorliegt, ist bedauerlich. Somit habe ich mich an einigen Stellen gefragt, wie Sie zu Ihrem Gesetzentwurf gekommen sind, dem ich mich annähern möchte. Ich möchte ausdrücklich betonen, auch in der Außenwirkung, dass es für uns im SSW nicht darum geht, gegen ein Engagement für unsere Auszubildenden im Land zu sein, sondern das genaue Gegenteil zu bewirken. Die Frage ist aber, wie das Land ein solches Vorhaben zielgerichtet und erfolgreich auf den Weg bringen kann. Denn ich stelle schon die Frage: Kann man das Studentenwerk als Vorbild nehmen? Darüber müssen wir auf jeden Fall sprechen. Dass sich erst einmal alle Aktivitäten gegebenenfalls auf Kiel beschränken sollen, halte ich für am Bedarf vorbei gedacht. So würde doch das Oberzentrum im Norden, Flensburg, viel besser infrage kommen. (Beifall SSW) Das haben uns Fachleute in den Gesprächen so mitgeteilt. In den Oberzentren mag ein Wohnheim funktionieren, aber für die meisten anderen Gegenden funktioniert das einfach nicht. Die Studierenden haben natürlich eine ganz andere Lebenswelt. Die Hochschullandschaft bringt das mit sich. Sie halten sich oft im urbanen Bereich auf. Bei den Auszubildenden ist es einfach ganz anders. Sie sind häufig jünger, und sie haben verschiedene Herausforderungen im Ausbildungsverlauf, denen wir begegnen müssen, zum Beispiel der Unterricht an der Berufsschule. Da wäre es zum Beispiel so, dass der Blockunterricht den Alltag für Azubis, aber auch für die Betriebe im Speziellen einfacher machen würde. (Beate Raudies [SPD]: Das stimmt!) Hier stellt sich dann die Frage von Internatsplätzen. Ich möchte in der Anhörung deutlich machen, dass die Frage von Internatsplätzen, die zum Beispiel für vier Wochen am Stück bereitgestellt werden sollen, und der feste Wohnraum zwei verschiedene Fragen sind, für die wir in der Anhörung eine Lösung finden müssen. Es gibt viele Herausforderungen. Da möchte ich betonen, dass die Kammern und andere Bildungsträger vor Ort wirklich sehr starke Angebote haben, in die man, finde ich, sinnvollerweise weiter investieren sollte, anstatt Doppelstrukturen (Sybilla Nitsch) für Beratungen aufzubauen. Wir als SSW-Fraktion sind der Meinung, dass dezentrale Strukturen und nachhaltige Förderung auch für Kleinstgenossenschaften und die privaten Partnerschaften in Betracht gezogen werden sollten; denn das sind genau die Projekte, die wir in der Fläche brauchen. Hier könnte man zielgerichtet einen Bedarf decken. Liebe Kollegen von der Koalition, das Azubiwerk wurde von vielen Akteuren anfangs begrüßt. Allerdings müssen Sie sich der Kritik stellen, ob eine Anstalt des öffentlichen Rechts den Zweck wirklich bedient und ob es nicht sinnvoller wäre, wie in Hamburg ein Stiftungsmodell zu wählen, bei dem es dann auch möglich wäre, private Gelder einzubeziehen, so wie es die Wirtschaftsakteure bei uns im Land wünschen und deutlich gemacht haben. Vor allen Dingen wird eine Sache durch den Gesetzentwurf nicht gelöst, und das ist der Finanzierungsknackpunkt. Wo gehen die 7 Millionen hin? Gehen die in Verwaltungsstrukturen oder direkt an die Azubis? Die allerspannendste Frage ist ja: Welche Investitionsmittel ziehen wir überhaupt heran, um nachher Wohnheimplätze zu bauen?

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