landtag.ltsh.de ↗

Annabell Krämer

FDP 16.09.2026 Sitzungen 20/126

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Dr. Garg! Werte Kolleginnen und Kollegen! Ja, na ehrlich, wir alle wissen, wie wichtig der Sport in unserer Gesellschaft ist. Er unterstützt nicht nur die Psyche und die Physis, sondern er führt uns auch zusammen und schützt vor Vereinsamung. (Annabell Krämer) Auch mir würden aktuell sehr viele Sportprojekte einfallen, die ich als wünschenswert erachte. Aber wie wir wissen – und wir hörten es heute bereits –: Der schnöde Mammon verhindert das leider weitestgehend, gerade in unserem Land. Aber natürlich finde ich es grundsätzlich richtig, dass viele Kommunen sich dieser Wichtigkeit bewusst sind und ganz viele kostenlose Sportangebote bereithalten. Grundsätzlich finde ich richtig – jetzt sage ich einmal etwas Positives, Herr Kollege Stender –, dass eine App, die kostenfreie Sportangebote landesweit erfasst, hier niedrigschwellig einen Beitrag für unsere Ziele leisten könnte, aber der Teufel steckt im Detail. Natürlich erfordert die Einstellung und Pflege einer App, die kostenlose Sportmöglichkeiten erfasst, finanzielle Mittel. Im Antrag stand so etwas wie eine Landesdatenbank. Da stellt sich natürlich immer die Frage: Bekommen die Kommunen freiwillig die Möglichkeit, dort ihre Angebote einzustellen? Soll das verpflichtend sein, und haben wir da auch eine Verpflichtung gegenüber den Kommunen? – Insofern steckt der Teufel im Detail. Nichtsdestotrotz würde ich mich freuen, wenn wir im Ausschuss die Möglichkeit bekämen, einfach einmal darüber zu reden, wie das insgesamt aussehen könnte. Ja, liebe Kollegen von der CDU, natürlich kann man nach Straßenbeschilderung schauen. Natürlich kann man jemanden fragen, aber wir sind übrigens auch Tourismusland. (Zuruf Tobias Koch [CDU]) Ich stelle mir vor, wenn es zum Beispiel so ist, dass Sie mit Ihren Kindern in einem Ort unterwegs sind, dass man einfach mal die Möglichkeit hat. Ich kann doch nur dann nach einer Boulebahn suchen, wenn ich weiß, dass es eine gibt. Natürlich kann ich Boule spielen, aber wenn ich lese, da gibt es eine Boulebahn, habe ich vielleicht Bock, mit Kindern Boule zu spielen. (Unruhe) Ich meine, ich kann doch nur suchen, wenn ich dezidiert eine gewisse Sportart erfragen will. Vielleicht ist es so: Ich schaue einfach einmal rein und lasse mir kostenlose Sportangebote im Umkreis von zehn Kilometern zeigen. Es hilft mir kein Straßenschild, wenn ich nicht direkt aus dem Ort komme, Herr Kollege. (Anhaltende Unruhe) Nichtsdestotrotz, lasst uns doch einfach einmal im Ausschuss darüber reden. Das tut doch nicht weh, Leute. Denn das reicht von der Lauf- über die Boulebahn, die Skaterbahn, den Fitnesspfad – guck mal, jetzt kriege ich sogar noch ein bisschen Stimmung in die Bude; das hätte ich gar nicht gedacht –, die freien Tischtennisplatten, Basketballplätze bis hin zu Minigolf und vielem mehr. Minigolf wird übrigens wieder gespielt; das hätte ich gar nicht gedacht. (Lukas Kilian [CDU]: Vielleicht sogar von der FDP!) – Das haben wir in Quickborn, das stimmt. – Das ist vielleicht sogar um Community-Möglichkeiten für Menschen zu ergänzen, die gerne gemeinsam Sport treiben wollen. (Zurufe FDP und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Jetzt aber einmal ernsthaft – wir haben in der Fraktion echt darüber gestritten, das muss ich echt sagen; meine erste Idee war –: Wir haben die Stadtradeln-App. Da macht es Ihnen übrigens gar nichts aus, die mit zig Hunderttausend Euro jedes Jahr bezuschusst zu haben. Aber der Kollege Buchholz war dagegen, der ein großer Fan der StadtradelnApp ist. (Zuruf Dr. Bernd Buchholz [FDP]) Damit konnte ich mich leider nicht durchsetzen. (Unruhe) Ich finde es toll, wenn die Menschen zusammen Fahrrad fahren, aber ich verstehe nicht, warum sie die Selbstbestätigung brauchen, um das in der App einzutragen, die 200.000 Euro Pflegeaufwand pro Jahr kostet. Komischerweise werden die Landesmittel für diese Stadtradeln-App nie infrage gestellt, aber das ist dann halt so. Da konnte ich mich leider nicht durchsetzen. Ganz ehrlich, was wollen wir denn? Der Antrag zielt darauf ab: Wir wollen vernetzen, wir wollen etwas Gemeinsames hinbekommen, wir wollen unsere Angebote offerieren, und das möglichst digital. – Wenn wir da eine schlanke Lösung vielleicht in Kooperation mit einer Uni und natürlich mit den Kommunen hinbekommen (Anhaltende Unruhe) – ey, Leute, lasst mich nicht so schreien; ich kann doch kaum noch sprechen –, dann ist das doch eigentlich die Möglichkeit, die uns das niedrigschwellig bringen kann. Lasst uns das nicht gleich kaputtreden. Vielleicht ist damit touristisch noch etwas zu machen. (Annabell Krämer) Kommen wir zum zweiten Thema des Tagesordnungspunktes: Sportland Nummer 1 werden wir so nicht, liebe Koalition. Johannes Liebmann aus meinem Kreis Pinneberg und Beate Raudies Stadt Elmshorn – was waren wir alle stolz, als dieser junge Mann über 1.500 Meter bei der EM in Paris nicht nur Gold geholt hat, sondern einen fabelhaften Weltrekord aufgestellt hat. (Beifall Dr. Bernd Buchholz [FDP]) Ganz ehrlich, liebe Landesregierung: Solche Erfolge feiert man nicht, wenn man die Sportinfrastruktur kaputtspart oder die handelnden Akteure nicht mit hinreichenden Mitteln ausstattet. Johannes Liebmann wurde in Elmshorn ausgebildet, bevor er nach Magdeburg ging. Dort gibt es bessere Strukturen, (Zuruf Dr. Heiner Garg [FDP]) aber die Basics hat er in Elmshorn gelernt. Wenn wir weiterhin solche Erfolge feiern wollen und es ernst meinen, Schleswig-Holstein als Sportland entwickeln zu wollen, dann müssen wir unseren Landessportverband vernünftig unterstützen. (Beifall FDP) Unser Landessportverband unterstützt unsere Ausbilder, koordiniert unsere Vereine, fördert unsere Jugend und somit auch potenzielle neue Johannes Liebmänner. Ich möchte, dass wir uns alle auch in Zukunft wieder ein bisschen als Weltrekordler fühlen können. Ich möchte, dass unsere Kinder sportliche Vorbilder haben, die aus Schleswig-Holstein kommen. Wir müssen unseren Partner – wir haben jetzt einen starken Partner –, den Landessportverband, finanziell anständig ausstatten, (Zuruf Dr. Heiner Garg [FDP]) damit er dazu beiträgt, dass wir auch in Zukunft zusammenführenden Breitensport haben, Sportangebote haben, die gesellschaftlich zusammenführen und ab und an auch mal wieder dazu führen, dass wir kleine Johannes-Liebmann-Momente fühlen. Der Sport und das ehrenamtliche Engagement sind das Herzstück unserer Gesellschaft. Denn wenn Menschen sich zusammentun und gemeinsamen Interessen nachgehen – heute hatten wir schon ein paarmal das Thema Herkunft aus dem Elternhaus –, spielt es eben keine Rolle, wer man ist und wo man herkommt. Da zählt nur Gemeinsamkeit, etwas voranzubringen, gemeinsame Erfolge zu feiern. Das ist doch gerade das Beste: wo wir gesellschaftliche Herkunft so was von unwichtig machen, und das eigentlich, wenn wir ehrlich sind, für einen relativ schmalen Taler. – Ich danke für die Aufmerksamkeit. (Beifall FDP, SPD und SSW)

Alle Reden von Annabell Krämer Protokoll ↗