Sebastian Bonau
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich halte diese Rede in Vertretung für den Abgeordneten Balke. Auf diesem Weg nochmals gute Besserung. (Beifall) Ich würde jetzt natürlich liebend gern in den Reigen überflüssiger Apps einsteigen, aber ich versuche, mich ein bisschen ans Redemanuskript zu halten. Sport ist mehr als Freizeitgestaltung und braucht Strukturen, auf die man sich verlassen kann. Deshalb war es richtig, dass die Sportförderung 2022 mit einem eigenen Gesetz auf verlässliche Füße gestellt wurde. Die vielleicht wichtigste Erkenntnis aus dieser Evaluation lautet: Dieses Gesetz funktioniert. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Peer Knöfler [CDU]) Wir haben uns als Land damals ganz bewusst entschieden, dass der organisierte Sport seine Angelegenheiten grundsätzlich selbst verwaltet, dass sich der Landessportverband oder die Sportgesellschaft nicht jedes Jahr aufs Neue an politische Stimmungen anpassen muss und die Sportförderung nicht beliebig nach oben oder unten schwankt, sondern möglichst frei von politischen Einzelinteressen erfolgt. Das ist eine ganz bewusste und gerade in (Sebastian Bonau) der aktuellen Zeit genau die richtige Entscheidung gewesen. (Vereinzelter Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Der Sport verwaltet sich selbst. Das Modell hat sich bewährt. Das bedeutet aber nicht, dass wir aus der Evaluation nichts lernen können. Der Landesrechnungshof hat beispielsweise zu Recht mehr Transparenz bei der Wirtschaftsführung angemahnt. Der LSV stellt deshalb auf kaufmännische Buchführung um. Künftig sollen Wirtschaftsprüfer im Einvernehmen mit dem Land bestellt und regelmäßig gewechselt werden. Das finde ich richtig. Aber ich finde auch richtig, dafür nicht sofort das Gesetz mit immer neuen Detailvorschriften zu überfrachten. Kontrolle dort, wo sie notwendig ist, und gleichzeitig die Autonomie des Sports wahren. Und wenn wir einmal ehrlich sind: Die größere Herausforderung liegt ohnehin an anderer Stelle, beim Geld und vor allem bei unserer Infrastruktur. Die Evaluation bestätigt, dass die vom LSV nachgewiesenen Mehrbedarfe die ursprünglich vorgesehene Zusatzförderung von 1 Million Euro deutlich übersteigen. Allein der erfasste Sanierungsbedarf der vereins- und verbandseigenen Sportstätten liegt inzwischen bei rund 80 Millionen Euro. Über 90 Prozent der gemeldeten Sanierungen werden als sofort oder kurzfristig notwendig eingeschätzt. Dabei reden wir noch gar nicht über den gesamten kommunalen Sanierungsstau. Das Land hat deshalb seit 2017 bereits erhebliche Summen investiert. Wir haben das gerade eben schon gehört. Ich möchte diese Summen jetzt nicht alle noch einmal aufzählen. (Zuruf: Doch!) – Unbedingt. Sehr gerne dann im Nachgang. Denn zur Ehrlichkeit gehört dazu, dass der Investitionsbedarf noch erheblich größer bleibt, als die öffentlichen Haushalte aktuell abbilden könnten. Jahrzehntelanges Nichtinvestieren, um keine Schulden zu machen, führt eben zu anderen Schulden in Form von fehlender Infrastruktur und in diesem Bereich konkret in Sportstätten und Bewegungsmöglichkeiten. Wenn wir also in die Zukunft blicken, dann braucht es einen ganz klaren Investitionsplan, gemeinsam getragen von Land, allen Kommunen und vor allem mit der Sportfamilie, den Vereinen und Verbänden. Wir müssen deutlich machen, dass wir nicht in jeder Gemeinde eine Sportstätte haben können und dass sich Kreise gemeinsam mit Vereinen und Verbänden möglicherweise in Form von Zweckverbänden zusammenschließen müssen, um auch größeren Einzugsgebieten Angebote zur Verfügung zu stellen. Denn kluge Investitionen in Sport sind Investitionen in Gesundheit, in Ehrenamt, in gesellschaftlichen Zusammenhalt und letztlich auch in unsere Demokratie. Deshalb sollten auch wir Sport noch weiter ressortübergreifend betrachten. Der Sport bedient als einzelner Bereich viele staatliche und gesellschaftliche Ziele: Freie und niedrigschwellige Angebote, öffentliche Bewegungsmöglichkeiten, und diese sind gelebte Gesundheits- und Demokratieförderung. Trotzdem braucht es dafür keine zusätzliche App, denn an Informationsmöglichkeiten im Internet mangelt es nun wirklich nicht. Wir haben schon einige Aufzählungen gehört. Erlauben Sie mir als Digitalpolitiker den Einwurf: Mit OpenStreetMap könnten wir so einiges von uns aus schon machen. Tragen Sie gern Ihre Sportmöglichkeit ein. Ich denke, dass uns dieser Geist des Sports weiterhin bei der Umsetzung des Zukunftsplans „Sportland SH“ und der 118 Handlungsempfehlungen leiten sollte. Beim Lenkungsausschuss Sportland lassen sich sicherlich noch einige Verbindlichkeiten und Monitoring-Instrumente ansiedeln, und auch an anderen Stellen, wie im FAG, bedarf es künftig Anpassungen, um konkrete Investitionspläne abzubilden. Unser Sportfördergesetz als solches bietet für all dies eine hervorragende Grundlage. Die aus dem Bericht resultierenden Empfehlungen werden wir umsetzen. Ich danke dem Ministerium und dem Landessportverband für den ausführlichen Evaluationsbericht und die Arbeit. Ich freue mich auf die weitere Zusammenarbeit und danke für die Aufmerksamkeit. – Vielen Dank. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und CDU)
