landtag.ltsh.de ↗

Kianusch Stender

SPD 16.09.2026 Sitzungen 20/126

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleg_innen! Ich habe meine Sommerferien dieses Jahr an einem der schönsten Orte auf dieser Welt verbracht: (Christian Dirschauer [SSW]: In Flensburg! – Zuruf: Helgoland!) hier, in Schleswig-Holstein. (Vereinzelter Befall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Denn bei uns in Schleswig-Holstein lässt es sich wirklich gut aushalten. Ich war Kitesurfen in Holnis, Volleyballspielen in Flensburg Solitüde, habe die U-19-Meisterschaften im Beachvolleyball mit der Ministerin in Laboe angeschaut, (Kianusch Stender) (Zurufe SPD: Oh!) eine Fahrradtour um den Westensee gemacht und einiges andere Schöne mehr. Man hört, der Sport ist beim sportpolitischen Sprecher der SPD-Fraktion in diesem Jahr nicht zu kurz gekommen, auch wenn man es nicht immer sieht, (Heiterkeit SPD, FDP und SSW) aber es macht ja auch einfach wahnsinnig viel Spaß. (Beifall SPD, FDP, SSW und vereinzelt BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Man ist an der frischen Luft, und es ist gesund. Vor allem, all diese Dinge habe ich ja nicht alleine gemacht, denn Sport verbindet Menschen. Bei uns an den Flensburger Stränden ist es zum Beispiel so, dass die Stadt im Sommer Volleyballnetze aufspannt und dort jeden Tag Leute hinkommen und spielen. Wer dazukommen will, kommt dazu. Man lernt neue Menschen kennen, treibt zusammen Sport – und das alles mit Infrastruktur, die der Staat bereitstellt. Die jüngsten Bestandserhebungen des Landessportverbands zeigen, dass rund 28 Prozent der Schleswig-Holsteiner_innen Mitglied in einem Sportverein sind. Viele weitere treiben Sport in Fitnessstudios, gehen laufen oder bewegen sich anderweitig, und es werden immer mehr. Ich finde, wir sollten diesen Trend politisch unterstützen. Die Olympia-Bewerbung ist zum Beispiel ein guter weiterer Schritt, weil erfahrungsgemäß bei solchen Projekten der Bezug zum Sport innerhalb der Bevölkerung vor Ort wächst. Dieser Antrag soll ein weiterer Baustein sein. Wir haben so viele von Kommunen, Gemeinden, Vereinen und Initiativen kostenlos bereitgestellte Sportmöglichkeiten: von Tischtennisplatten und Basketballkörben bis zu Bolzplätzen und Outdoor-Fitnessanlagen. In fast jedem Dorf in Schleswig-Holstein gibt es diese Infrastruktur. Wir machen aber noch nicht genug sichtbar, wo sich diese Orte befinden. Hier setzt unser Antrag an. Damit sind wir beim Sportfördergesetz, dessen Evaluation wir jetzt mitberaten. Das Gesetz hat einen wichtigen Zweck. Es gibt dem organisierten Sport und dem Landessportverband Planungssicherheit. Daher bleibt das Gesetz richtig, aber die Evaluation zeigt eben auch eine andere Seite. Unsere Kommunen tragen einen ganz wesentlichen Teil der Sportinfrastruktur in diesem Land: von Sporthallen und Schwimmstätten bis hin zu den frei zugänglichen Angeboten, über die wir jetzt auch heute sprechen. Viele Kommunen kommen bei den Kosten für Sanierung, Betrieb und Unterhaltung längst an ihre Grenzen. Deswegen brauchen wir neben der verlässlichen Förderung des organisierten Sports auch wieder eine verlässliche Sportstättenförderung des Landes für unsere Kommunen, denn Sport für alle funktioniert nur, wenn vor Ort auch die Infrastruktur dafür vorhanden ist. (Beifall SPD) Die Infrastruktur, die wir schon haben, sollten wir wenigstens so sichtbar machen, dass die Menschen sie finden und nutzen können. Deswegen bin ich jetzt wieder zurück bei unserem Antrag. Wir wollen gemeinsam mit den Kommunen eine landesweite Übersicht der kostenlosen Sportmöglichkeiten schaffen und sie in einer App sichtbar machen. Auf einer interaktiven Karte soll man nach Sportarten filtern und mit wenigen Klicks sehen können, wo der nächste Basketballkorb und die nächste Tischtennisplatte sind und wo man draußen trainieren kann. Soweit entsprechende Daten vorhanden sind, können dort auch Informationen zu Barrierefreiheit, Beleuchtung oder Nutzungszeiten hinterlegt werden. Mich haben nach der Vorberichterstattung zu unserem Antrag im vergangenen Monat mehrere Unternehmen und eine Initiative kontaktiert, die so etwas Ähnliches bereits programmiert haben und theoretisch auch ausweiten könnten. Wenn das Land die Daten bereitstellen würde – wir als Land und die Kommunen haben ja diese Daten –, könnten die ihre Software relativ einfach erweitern. (Zuruf Tobias Koch [CDU]) Es gibt sogar ein Community-basiertes Beispiel. Auf OpenSportMap kann man seit dem Frühjahr dieses Jahres eine Deutschlandkarte, auf der einige solcher Orte angezeigt werden, finden. Ich habe selber mal ausprobiert, etwas zu ergänzen, aber derjenige, der das dort angefangen hat, ist nicht so sehr hinterher, wie es eigentlich nötig wäre. Da die Daten aber hauptsächlich von der Community eingestellt werden, sind – selbst wenn sie dann eingepflegt werden – vor allem Sportmöglichkeiten in großen Städten aufgeführt. In ländlichen Regionen, und das wäre für uns in Schleswig-Holstein ja vor allem relevant, (Beifall Annabell Krämer [FDP]) sind die Einträge ziemlich überschaubar. (Kianusch Stender) Sie haben in den letzten Jahren eine Menge Geld für Apps mit eher schlechten Nutzerzahlen ausgegeben. Ich erinnere da noch einmal an meine Kleine Anfrage Drucksache 20/4648. Das hier wäre eine Chance, mit wenig Aufwand echten Mehrwert zu generieren. Frau Ministerin, ich verstehe, dass Sie Ihren Fokus natürlich auf die Evaluation vom Sportfördergesetz gelegt haben, aber mir war das jetzt ein bisschen zu abgewatscht zu sagen: Na ja, wir brauchen das alles nicht, die Leute wissen, wo um die Ecke die Sportmöglichkeiten sind. Das ist zu einfach gegriffen. Natürlich weiß ich, wenn ich in einem 200-SeelenDorf wohne und in der Mitte ein Bolzplatz ist, dass der da ist, aber unsere Sportlandschaft ist um einiges vielfältiger. Gerade wenn ich schauen möchte, wo etwas nicht bei mir, sondern ein paar Dörfer weiter zur Verfügung steht oder ob da überhaupt etwas ist, dann ist das relativ einfach machbar. (Beifall SPD) Das kostet uns nicht viel Geld, es ist super einfach zu programmieren, und deswegen werbe ich dafür, dass Sie unserem Antrag zustimmen, und wenn Ihnen das heute zu schwer fällt, dass wir wenigstens diesen Antrag in den Ausschuss überweisen. (Beifall SPD) Sport für alle, kostenlos und um die Ecke. Dafür sind wir zu haben. In diesem Sinne: Vielen Dank. (Beifall SPD)

Alle Reden von Kianusch Stender Protokoll ↗