Malte Krüger
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Mobbing an Schulen ist zu Recht etwas, was uns hier im Landtag sehr oft beschäftigt, weil es natürlich, und das haben meine beiden Vorredner_innen schon gesagt, für diejenigen, die es Alltag ist, etwas sehr, sehr Schlimmes ist, was sie zum Teil, und das wurde noch nicht gesagt, ihr Leben lang nicht mehr ablegen können. Das betrifft also nicht nur die Bildungsbiografie, sondern diejenigen, die wirklich sehr stark darunter leiden, die haben eventuell sogar ihre ganze Karriere davon zu spüren. Ich bin mir ziemlich sicher, dass jeder Fälle kennt. Ich kenne auf jeden Fall Fälle, in denen die Leistung so doll darunter gelitten hat, das Wohlbefinden dieser Schüler so doll gelitten hat, dass die von der Schule gehen mussten, neu anfangen mussten und zum Teil bis heute eben diese Erfahrung mit sich herumtragen. Das ist also etwas, was ein Leben lang bleibt. Das ist auch der Grund, warum wir so oft darüber sprechen, um zu gucken, wie wir noch besser werden können. Deswegen will ich mit einem Dank an die SPD starten, dass wir uns heute wieder mit dem Thema (Malte Krüger) beschäftigen, denn es ist ja richtig zu gucken, wo wir noch besser werden können, welche Maßnahmen wir noch ergreifen können. Dass der Alternativantrag so spät kommt, tut mir ausdrücklich leid, aber immerhin kam er noch, und auch da haben wir uns mit den Argumenten der SPD auseinandergesetzt. Jetzt ist es sinnvoll, dass wir uns einmal genau anschauen, was wir da diskutieren. Ich will auf drei Aspekte in unserem Alternativantrag eingehen. Erstens. Verpflichtung aller Schulen für ein Präventionskonzept. Das ist wichtig und – wenn wir auf die SPD-Vorschläge gucken – durchaus ein dezentraler Aspekt. Dass jede Schule ein Präventionskonzept vorlegen soll, ist ein dezentraler Aspekt. Jede Schule muss gucken, wie sie sich mit dem Thema auseinandersetzen kann. Ich habe mir ein paar Präventionskonzepte, die zum Teil ja öffentlich sind, angeschaut. Dabei kommt heraus, dass der Leitfaden, den das Land zur Verfügung stellt, für die Erarbeitung vieler Präventionskonzepte genutzt wird. Also, das scheint an vielen Schulen zu funktionieren. Zweitens. Präventionsinhalte in der Lehrkräfteausbildung. Darüber diskutieren wir hier oft, und da gibt es Schwierigkeiten. Im Vorbereitungsdienst gibt es viele Aspekte, die gut funktionieren, aber der Vorbereitungsdienst soll eigentlich auf dem aufbauen, was man im Studium gelernt hat. Beim Studium haben wir das Problem, dass das Land nur sehr begrenzt vorgeben kann, was da passiert. Wir haben sehr unterschiedliche Universitäten. Die Universität, an der ich in Schleswig-Holstein studiert habe, war von praxisnahen Inhalten sehr weit weg. Wenn ich hier mit Schülergruppen diskutiere, weise ich immer darauf hin, dass ich eine Jugendgruppenleiter-Ausbildung gemacht habe, bei der man sich konkret damit auseinandersetzt, wie man mit Mobbing in Jugendgruppen umgeht, was man in einer konkreten Situation machen kann. In meinem Studium waren wir sehr weit davon weg, als Lehrkraft für konkrete Fälle Lösungen zu finden. Das ist ein Problem, das ich identifiziere, für das ich keine perfekte Lösung habe, weil wir den Universitäten schlecht vorgeben können, da praxisnäher zu werden. Aber meine Hoffnung ist, dass sich alle Universitäten zukünftig deutlich näher an die Praxis herantrauen. Das würde ich mir sehr wünschen. Drittens. Wir haben in Schleswig-Holstein Vertrauenslehrkräfte. Die werden zum großen Teil – so kenne ich es zumindest – von den Schülerinnen und Schülern selbst gewählt. Damit können Schülerinnen und Schüler mit einer niedrigen Hemmschwelle auf Lehrkräfte zugehen. Ich kenne Fälle, in denen es nicht funktioniert – es kommt immer aufs Individuum an –, aber ich kenne auch viele Konfliktsituationen, in denen es gut funktioniert und Vertrauenslehrkräfte zurate gezogen werden können. Zwei Anmerkungen zum SPD-Vorschlag. Sie fordern dezentrale Interventionsteams. Herr Habersaat, nehmen Sie es mir nicht übel, ich habe immer noch nicht verstanden, wo da der Vorteil ist, was „dezentral“ genau heißt. Ich kenne aber auch nicht die Forderung der AKJS; vielleicht ist es auch mein Fehler. Ich verstehe nicht, was genau Sie sich vorstellen. Das hört sich vom Begriff her erst einmal super an, aber wie das genau ausschauen soll, ist mir noch sehr unklar. Sie haben in Ihrem Antrag auch eine Forderung an den Bund. Ich finde da eher eine andere Sache interessant, die mir bei der Beschäftigung mit dem Thema aufgefallen ist: Es gibt bisher keinen Vergleich der SWK oder KMK zwischen den Bundesländern, wie erfolgreich ihre Anti-Mobbing-Programme sind. Es wäre interessant, dass die SWK einmal analysiert, welche Bundesländer besonders erfolgreich sind und wie man von den erfolgreichen Bundesländern lernen kann. Die HBSC hat in einer Studie 2022 festgestellt – ich zitiere –: „Heranwachsende, die sich als gender-divers identifizierten, gaben besonders häufig Mobbingerfahrungen an.“ Deswegen setzen wir Grüne uns schon seit Langem dafür ein – aber wir haben es in dieser Legislatur noch nicht hinbekommen –, dass wir in § 4 des Schulgesetzes den Aspekt der sexuellen Vielfalt ergänzen. Das fordern nicht nur wir.
