landtag.ltsh.de ↗

Anette Röttger

CDU 16.09.2026 Sitzungen 20/126

Sehr geehrte Frau Landtagspräsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Kinder gehen manchmal ruppig miteinander um und klären den Umgang miteinander auf ihre Weise. Das ist uns allen bekannt, und es darf manchmal auch so sein. Wird daraus allerdings ein systematisches, wiederholtes und längerfristiges Schikanieren, ein Ausgrenzen und Bedrohen einer Person durch eine oder mehrere Personen, dann sprechen wir von Mobbing. Dagegen muss schnell und professionell gehandelt werden. Klare Regeln und Grenzen, aber auch gelebte Rituale im Schulalltag helfen. Rückblickend auf meine eigene Kindheit habe ich wohl Glück gehabt. In den 70er-Jahren brachte ich als plattdeutsch sprechendes rothaariges Kind vom Bauernhof beste Voraussetzungen mit, die in der Grundschule dazu hätten führen können, gehänselt zu werden, wie man es damals so sagte. Aber meine Schule hat funktioniert. Meine Klassenlehrerin hat genau hingeschaut, genau zugehört, unsere individuellen Kompetenzen entdeckt und zu einer guten und vertrauten Klassengemeinschaft beigetragen. Ich konnte zum Beispiel zur Einschulung bereits eine Schleife binden. Schnell standen meine Klas- (Anette Röttger) senkameraden da, um sich von mir die Schuhe zubinden zu lassen. Sie wären sonst nicht raus auf den Schulhof gekommen. Auch heute ist es nicht nur an der Grundschule, sondern auch an den weiterführenden Schulen ausgesprochen wichtig, dass Schule ein Ort gelebter Wertschätzung ist. Leistung kann sich nur dort entfalten, wo Schülerinnen und Schüler sich wohlfühlen, sich gegenseitig ermutigen und respektieren. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und vereinzelt CDU) Mobbing und insbesondere Cybermobbing beeinträchtigen das Wohlbefinden, die Lernentwicklung und das soziale Klima an Schulen erheblich. Es ist unsere gemeinsame Verantwortung, alles zu tun, damit Schule ein sicherer und vertrauensvoller Ort bleibt, an dem sich alle Schülerinnen und Schüler wohlfühlen und angstfrei entwickeln können. Dazu wurde der Schulpsychologische Dienst erheblich ausgebaut. 18,3 Millionen Euro stehen auch in diesem Jahr allein für die Schulsozialarbeit zur Verfügung. Jeder Fall von Mobbing ist einer zu viel. Das sage ich hier sehr deutlich. Wer von Gleichaltrigen gekränkt, verletzt oder gar im Netz bloßgestellt wird, verliert nicht nur sein Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl, sondern einhergehend auch die Freude am Lernen und schlimmstenfalls die Freude am Schulbesuch insgesamt. Um Mobbingvorfälle möglichst zu verhindern oder ihnen zumindest frühzeitig entgegenzutreten, braucht es für alle an Schule Beteiligte klare, anwendbare Leitlinien. Was ist zuerst zu tun? Welche Maßnahmen haben Klassenlehrkräfte, Vertrauenslehrkräfte und Schulleitungen bei einem Mobbingvorfall einzuleiten? – Wir setzen hier auf Nähe, auf passgenaue Intervention und vor allen Dingen auf eine kontinuierliche Begleitung in Schule. Hier in Schleswig-Holstein verfügen wir über diese Strukturen und Angebote zur Prävention und Intervention gegen Mobbing an unseren Schulen. Selbsternannte externe Experten, die Mobbingfälle in die Öffentlichkeit ziehen, braucht es nicht. Professionalität und nachhaltiger Kompetenzaufbau in der Schule – darauf kommt es an. Gerne erinnere ich mich an einen Schulbesuch in einer Grundschule, in der die letzten fünf Minuten einer Unterrichtsstunde der gegenseitigen Wertschätzung dienten. Hier wurde geklärt, was gut gelaufen ist. Es wurde aber auch darüber gesprochen, wo vereinbarte Regeln nicht eingehalten wurden. Das sind wertvolle, vertrauensbildende fünf Minuten. Sie beugen Mobbing vor und dienen einem gelebten, guten Miteinander. Unsere Schulen können das. In Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Prävention am IQSH haben die multiprofessionellen Teams an allen unseren Schulen verbindliche Präventionsund Interventionskonzepte für eine sichere und gesunde, starke Schule auf den Weg gebracht. Grundlage ist ein vom Land bereitgestellter Leitfaden. Auch ein 2025 aktualisierter Notfallwegweiser liegt in unseren Schulen vor. Die Qualifizierung schulischer Fachkräfte in Gesprächsführung und Mobbingintervention stärkt die Eigenverantwortung der Schulen. Das erwarten wir auch weiterhin im Rahmen der Lehrerausbildung. „Hänseln, das gehört sich nicht.“ – So hat man es früher auf die Kurzformel gebracht. „Mobbing müssen wir gemeinsam wirksam begegnen.“ – So sagen wir es heute. Ich bitte um die Zustimmung zu unserem Alternativantrag. – Herzlichen Dank. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Alle Reden von Anette Röttger Protokoll ↗