Martin Habersaat
Vielen Dank, Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Mobbing beginnt manchmal mit einem Satz, manchmal mit einem Lachen, manchmal mit einem Foto, manchmal mit einer Nachricht im Klassenchat. Und irgendwann beginnt ein Kind morgens Angst vor der Schule zu haben. Spätestens dann ist es kein Konflikt unter Kindern mehr, sondern eine Aufgabe für uns Erwachsene. (Beifall SPD und Malte Krüger [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Bei der PISA-Studie 2023 sagten 21 Prozent der 15-Jährigen, regelmäßig Opfer von Mobbing zu sein. Ich hatte damals eine Pressemitteilung des (Martin Habersaat) Inhaltes geschrieben, dass wir uns um das Wohlbefinden der jungen Menschen an unseren Schulen kümmern müssen. Der Kollege von der CDU hatte als Überschrift für seine Pressemitteilung „Üben, Üben, Üben“ gewählt und einen anderen Schwerpunkt gesetzt, aber ich glaube nicht, dass ihm das Thema Mobbing weniger wichtig wäre. Das Thema muss uns auch wichtig sein, denn 2026 ergab die PISA-Studie schon, dass 31 Prozent der 15-Jährigen Jugendlichen regelmäßig Opfer von Mobbing werden – fast jede und jeder Dritte. Nun schreibt die Koalition in ihrem Alternativantrag, in Schleswig-Holstein sei das anders, da seien es laut GEMON-Datenbank nur 79 Fälle, aber, meine Damen und Herren, wir haben über die Stärken und Schwächen dieser Datenbank ausführlich gesprochen. Ich würde dazu neigen, die darin enthaltenen Zahlen weder in die eine noch in die andere Richtung zu sehr zu interpretieren. Das hatten wir im Bildungsausschuss ausführlich diskutiert. Hinter solchen Zahlen stecken echte Fälle, echte Kinder. Mobbing ist niemals Schuld des Opfers. Nicht jede Gewalttat ist Mobbing, aber Mobbing ist immer Gewalt. Es geht um Ausgrenzung, es geht um wiederholte Angriffe, es geht um Machtungleichgewicht. Seit Cybermobbing möglich ist, endet es auch nicht am Schultor. Ein Foto kann in Sekunden die ganze Schule erreichen, eine Nachricht kann auch mitten in der Nacht auf dem Handy aufploppen. Deswegen ist es uns wichtig, die Strategie gegen Mobbing, die es in Schleswig-Holstein grundsätzlich gibt, aktuell und wirksam zu halten. Unser Antrag ist kein Vorwurf an die Schulen, im Gegenteil: Viele Menschen leisten da jeden Tag Großartiges, die Lehrkräfte, die Schulsozialarbeit, wo es sie gibt, die Schulpsychologinnen und Schulpsychologen, wo es sie gibt, die Beratungsstellen. Aber all die brauchen Unterstützung, um ihre wichtige Arbeit konstant und auf der Höhe der Zeit weiter tun zu können. Deshalb fordern wir erstens, das Handlungskonzept zu aktualisieren, zweitens Interventionsteams, die schnell und jeweils vor Ort direkt helfen können, wenn Hilfe nötig ist. Liebe Kolleginnen und Kollegen von CDU und Grünen, das ist ein Vorschlag von der AKJS. Insofern kann man nicht in seinem Änderungsantrag mit Verweis auf die Arbeit der AKJS schreiben, das braucht man gar nicht, sondern die haben das konkret vorgeschlagen. Ich finde übrigens erstaunlich: Wir haben unseren Antrag am 18. August 2026 vorgelegt. Das ist jetzt fast einen Monat her. Heute schaffen Sie es, uns – immerhin pünktlich zum Tagesordnungspunkt – Ihren Alternativantrag auf den Tisch zu legen. Es geht ein bisschen bergab mit der Arbeitsmoral der Koalition gegen Ende der Legislaturperiode. (Dr. Heiner Garg [FDP]: War das schon mal anders? – Zuruf: Das wollte ich gerade fragen!) Wir haben weitere Punkte aufgeschrieben, sechs an der Zahl. Wichtig ist uns, dass die KMK einen wissenschaftlich fundierten Rahmen für ein bundesweites Vorgehen ins Auge fasst und dass die multiprofessionellen Teams in ihrer Arbeit unterstützt werden. Darüber, dass sie dafür überall vorhanden sein müssen, haben wir heute Vormittag schon gesprochen. Wichtig ist, dass von dieser Debatte an Kinder, die Opfer von Mobbing sind, das Signal ausgeht: Du bist nicht allein. Wir nehmen dich ernst, und es gibt Erwachsene, die hinschauen, die zuhören und die handeln. – Ich danke Ihnen für die Aufmerksamkeit. (Beifall SPD)
