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Tobias Koch

CDU 16.09.2026 Sitzungen 20/126

Ich werde in der Aktuellen Stunde keine Zwischenfragen zulassen. (Christopher Vogt [FDP]: Die CDU sollte einen neuen Kanzler stellen!) Meine Damen und Herren, ein früherer Spracherwerb ist dafür absolut zentral. (Beate Raudies [SPD]: Ja!) Wer nicht ausreichend Deutsch versteht und spricht, der kann dem Unterricht einfach nicht folgen, und wer schon in Klasse 1 bei einfachen Plus- und Minusaufgaben im Zahlenraum von 0 bis 20 nicht mitkommt, dem fehlen später auch die Grundlagen für Biologie, Physik und Chemie. Ein zweiter Punkt – und es gibt, wie gesagt, nicht die eine Erklärung – sind die sehr unterschiedlichen Voraussetzungen in den Elternhäusern. Nicht jedes Kind wächst in einem Umfeld auf, in dem viel gesprochen, in dem vorgelesen und gemeinsam gelernt wird. Nicht jedes Kind bekommt bei Hausaufgaben Unterstützung, und nicht jedes Kind lernt früh, sich zu konzentrieren und bei einer Aufgabe zu bleiben. Schule muss diese Unterschiede so gut wie möglich ausgleichen. Aber wir müssen auch ehrlich sein, Bildung beginnt nicht erst am ersten Schultag. Hier sind auch die Eltern gefordert, und wir müssen die Zeit in der Kita nutzen, um bei Defiziten frühzeitig gegenzusteuern. (Beifall CDU – Beate Raudies [SPD]: Ja!) Drittens müssen wir über die Gefahren des modernen Medienkonsums sprechen. Viele Kinder und Jugendliche verbringen täglich unzählige Stunden am Smartphone. Kurze Videos, dauernde Reize und permanente Erreichbarkeit machen etwas mit dem Aufmerksamkeitsvermögen und auch mit der Konzentration. Lernen braucht aber Konzentration, und darum dürfen wir diesen Zusammenhang nicht ignorieren. (Beifall Werner Kalinka [CDU]) Es war deshalb genau richtig, die private Handynutzung an Schulen bis Klasse 9 zu verbieten. Es ist und bleibt deshalb genauso richtig, dass wir uns als CDU für strengere Altersgrenzen für die sozialen Medien einsetzen. (Beifall CDU) Meine Damen und Herren, die Ergebnisse von PISA sind nicht überraschend. Auch andere Bildungsstudien in den letzten Jahren haben gezeigt, dass grundlegende Fähigkeiten, etwa im Lesen, Schreiben und Rechnen, nachlassen. Daher haben wir in Schleswig-Holstein bereits lange vor PISA 2025 begonnen, gegenzusteuern. Das ist kein Weiter-so, sondern wir haben bereits um- und gegengesteuert. Ein Schwerpunkt ist die Unterrichtsversorgung, denn Unterricht muss stattfinden. Wir haben die Unterrichtsversorgung in den letzten Jahren auf über 100 Prozent erhöht und auf diesem hohen Niveau stabilisiert. Trotz einer mehr als angespannten Haushaltslage haben wir mit der Bildungsoffensive Anfang dieses Jahres noch einmal 200 zusätzliche Stellen für Vertretungsunterricht geschaffen. (Beate Raudies [SPD]: Die Sie vorher gestrichen haben! – Zuruf Annabell Krämer [FDP]) Die Unterrichtsversorgung steigt damit im Schuljahr 2026/2027 (Beifall CDU) auf mindestens 103 Prozent an allen weiterführenden Schulen. (Annabell Krämer [FDP]: Wer glaubt das denn? – Beate Raudies [SPD]: Wie war das mit den Mathekenntnissen?) Zudem haben wir mehrere Maßnahmen auf den Weg gebracht, um gezielter Lehrer für Bedarfsregionen und Mangelfächer zu gewinnen. Dazu gehören neue Zugangswege zu dem Lehrerberuf, Programme wie Abordnung Plus und der Anwärtersonderzuschlag. Ein zweiter Schwerpunkt sind die Basiskompetenzen in den Grundschulen. Jeweils eine Stunde mehr Mathe und Deutsch in Klassen 1 und 2. Das Leseband, Lernstandserhebungen und eine daran anknüpfende individuelle Förderung folgen einem einfachen Grundgedanken. Lesen, Schreiben und Rechnen müssen einfach sitzen. (Beifall CDU) Genau diesem Ziel dient auch EVi. Noch sind wir in der Modelphase 2, aber ab 2028 wird der Sprachstand aller Kinder in Schleswig-Holstein rund eineinhalb Jahre vor der Einschulung verbindlich festgestellt. Kinder mit erheblichem Unterstützungsbedarf werden an einer verpflichtenden Förderung teilnehmen, bevor sie in die Schule kommen. Und EVi ist besonders wichtig, weil an einem Punkt angesetzt wird, an dem noch viel aufgeholt werden kann. EVi hilft gerade den Kindern, die zu Hause weniger Unterstützung bekommen. Wir wollen De- (Tobias Koch) fizite früh erkennen und gezielt bearbeiten. Das ist ein Meilenstein für mehr Chancengerechtigkeit. (Beifall CDU) Gleiches gilt für den Ganztag. Guter Ganztag bietet gerade für Kinder, die zu Hause weniger Unterstützung haben, zusätzliche Zeit zum Lernen und Üben für Sport, Bewegung und kulturelle Angebote. Mit dem Rechtsanspruch werden diese Angebote jetzt ausgebaut. Genau dafür haben wir mit über 700 Millionen Euro das größte Schulbauprogramm aufgelegt, das es in Schleswig-Holstein je gegeben hat. (Beifall CDU und vereinzelt BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) Weil die Kinder im schulischen Ganztag nicht nur betreut werden sollen, beteiligt sich das Land mit 75 Prozent an allen Betriebskosten und damit auch an allen Qualitätssteigerungen, die vor Ort umgesetzt werden. (Beate Raudies [SPD]: Das werden wir ja sehen!) – Darauf können Sie vertrauen, Frau Kollegin. All diese Maßnahmen, die wir bereits auf den Weg gebracht haben, haben gemeinsam, dass man ihre Wirkung leider nicht sofort messen kann. Bildungspolitik braucht Zeit. Wenn wir heute die Sprachförderung vor der Einschulung verbessern, sehen wir die Wirkung erst morgen. Wenn wir heute Deutsch und Mathe in Klassen 1 und 2 stärken, wird erst Jahre später messbar, wie nachhaltig das war. Ich sage unmissverständlich: Wir können uns nicht zurücklehnen, ganz im Gegenteil: Wir müssen Schule noch stärker auf das Wesentliche konzentrieren. Lesen, Schreiben und Rechnen sind keine altmodischen Fähigkeiten von gestern, sondern auch heute das Fundament für alles Weitere. Wer solide Grundkompetenzen und gelernt hat, selbstständig zu denken, der kann sich später vieles selbst erschließen. Leistung gehört in der Schule dazu, Üben gehört dazu, eine korrekte Rechtschreibung gehört dazu. Auch Hausaufgaben können sinnvoll sein. Wir sollten nicht so tun, als ob jede Anforderung eine Zumutung wäre. Kinder brauchen Förderung, sie brauchen Zutrauen, und dazu gehört auch, ihnen manchmal etwas abzuverlangen. Wir müssen schauen, wie Lehrer von unnötiger Bürokratie entlastet werden – genau richtig, was der Kollege Balasus gesagt hat –, (Zuruf Martin Habersaat [SPD]) denn sie sind im Unterricht viel besser aufgehoben als in der Vorbereitung des Unterrichts. (Zuruf Martin Habersaat [SPD]) Und wir müssen Elternhäuser noch stärker in den Blick nehmen. Schule kann viel leisten, aber sie kann nicht jede Aufgabe übernehmen. (Beifall CDU und Uta Röpcke [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Gleichzeitig müssen unsere Kitas und Schulen dort besonders stark sein, wo diese Unterstützung fehlt. Deshalb sind unsere Schwerpunkte genau richtig: Verbindliche Sprachförderung mit EVi, ein starker Ganztag, Unterrichtsversorgung mit 100 Prozent und die gezielte Unterstützung von Schulen mit dem Startchancen-Programm. PISA mahnt uns zu handeln. Wir haben bereits umgesteuert, wir machen kein Weiter-so, und diesen Kurs gilt es fortzusetzen. Genau das werden und müssen wir auch tun. – Herzlichen Dank. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

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