Tobias Koch
Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Die PISA-Ergebnisse 2025 sind keine Randnotiz, sie sind ein ernstes Warnsignal. Viel zu viele Jugendliche in Deutschland haben Probleme (Tobias Koch) mit grundlegenden Fähigkeiten. Beim Lesen und in Mathematik verfehlt rund ein Drittel das Mindestniveau, und in den Naturwissenschaften sind es 27 Prozent. Das alles ist mehr als beunruhigend, denn es geht doch letztendlich um die Frage, ob junge Menschen später eine Ausbildung bewältigen oder ein Studium aufnehmen können, und vor allem darum, ob sie in der Lage sind, ihr Leben eigenverantwortlich zu gestalten. Die Befunde aus der PISA-Studie dürfen deshalb nicht relativiert werden, aber genauso wenig sollten sie vorschnell politisch vereinnahmt werden, wie wir es bei meinem Vorredner gerade ein Stück weit erlebt haben. (Beifall CDU und Uta Röpcke [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Das sage ich auch als Vater von zwei Kindern. Wer Kinder hat, weiß, wie sehr einen die Frage beschäftigt, ob sie gute Chancen haben, ihren eigenen Weg zu gehen. Als Politiker kommt eine weitere Verantwortung hinzu: Wir entscheiden mit darüber, welche Bedingungen Schulen haben und wie gut Kinder lernen und ihr Potenzial entfalten können. Ich erinnere mich noch gut an den PISA-Schock des Jahres 2001. Danach war die Hoffnung groß, dass Politik und Gesellschaft verstanden hätten, was zu tun ist. Vieles wurde anschließend angepackt, und tatsächlich stiegen die Ergebnisse bis 2012 beziehungsweise 2015 kontinuierlich an. Seitdem sinken die Leistungen aber wieder. Ernüchternd müssen wir heute feststellen, dass die Ergebnisse von 2025 sogar noch unter denen von 2001 liegen. Notwendig ist dabei aber zunächst einmal, argumentativ sauber zu bleiben: PISA ist eine internationale Vergleichsstudie. Das veröffentlichte Ergebnis gilt für ganz Deutschland. Es ist deshalb falsch, aus PISA unmittelbar eine Bilanz der schleswigholsteinischen Bildungspolitik abzuleiten. Aber diese Aussage darf auch keine Ausrede sein. Wenn Deutschland bei grundlegenden Kompetenzen so deutlich zurückfällt, dann müssen wir auch in Schleswig-Holstein genau hinschauen. Klar ist: Es gibt nicht die eine Ursache. Wer eine einzige Erklärung anbietet, der macht es sich zu einfach. Ein Punkt ist aber die stark veränderte Zusammensetzung unserer Schülerschaft. In Schleswig-Holstein hatten 2024 rund 19,4 Prozent der Schülerinnen und Schüler einen Migrationshintergrund. Zehn Jahre zuvor – bleiben wir bei den Fakten – waren es 8,5 Prozent. Der Anteil hat sich damit innerhalb der letzten zehn Jahre mehr als verdoppelt. – Meine Damen und Herren, das sage ich jetzt nicht als Wertung und erst recht nicht als Schuldzuweisung. Diese Zahlen verdeutlichen aber eine reale zusätzliche Aufgabe für Schule. Viele Kinder kommen mit sehr geringen Deutschkenntnissen in Kita und Schule. Manche haben unterbrochene Bildungsbiografien, und manche haben Flucht- und Krisenerfahrungen. (Serpil Midyatli [SPD]: Und manche sind hier geboren und aufgewachsen!) – Exakt, auch die Fälle gibt es. (Serpil Midyatli [SPD]: Mir reicht es langsam!) Deswegen sind die Schülerinnen und Schüler auch immer unterschiedlicher. Das gilt genauso für Kinder mit deutscher Herkunft. Absolut. (Dr. Heiner Garg [FDP]: Deswegen habt Ihr auch die DAZ-Klassen vergrößert! - Beate
